Henry Maske wird 60: Der „Gentleman“ über Fehltritte, Demut und sein Image

Henry Maske feiert runden Geburtstag: Der Olympiasieger und Weltmeister aus Brandenburg wird 60 Jahre alt. Seine Erfolge, sein technischer Stil und seriöses Auftreten haben den Boxer berühmt gemacht.
Frank Rumpenhorst/dpaAus der Plattenbau–Siedlung Neuberesinchen in Frankfurt (Oder) hinaus in die große Welt: Henry Maske hat deutsche Box–Geschichte geschrieben und die Sportart hierzulande wieder salonfähig gemacht. Vor seinem 60 Geburtstag blickt er zurück auf eine bewegte Karriere und spricht mit seiner ehrlichen Art auch gesellschaftliche Probleme an.
Seine großen Triumphe liegen schon Jahrzehnte zurück, verblasst sind die Erinnerungen bei Henry Maske aber keinesfalls. Der WM–Titel 1993, dieses phänomenale Comeback gegen Virgil Hill 2007 — und vor allem die olympische Goldmedaille 1988 in Seoul sind der deutschen Box–Ikone prägend im Gedächtnis geblieben.
„Der Olympiasieg ist etwas unfassbar Bedeutsames. Der ist in der Brust und im Kopf. Für diese Erinnerung bin ich sehr glücklich, die halte ich gerne präsent“, sagt Maske. In den 1990er–Jahren hatte er das Boxen in Deutschland populär gemacht, er zählte zu den großen Sportstars des Landes. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um den gebürtigen Treuenbrietzener, der am Samstag (6. Januar) seinen runden Geburtstag feiert.
Im Boxring trat er stets anständig und skandalfrei auf. Das brachte ihm den Spitznamen „Gentleman“ ein. Maske war das Gegenstück zum klischeebehafteten rauen Boxer–Typus. Und sein Spitzname war nicht inhaltsleer. „Der eine würde vielleicht über mich sagen: Der war zurückhaltend. Und der andere: Der hat Manieren und würde jemanden nicht treten, der auf der Erde liegt.“ Ein Gentleman eben.
Sein Image bewahrt Henry Maske nicht vor Fehltritten
Dass die Bezeichnung auch nach seiner Karriere bestehen blieb, habe ihn manchmal gefordert. „Da ist die Erwartungshaltung eine andere“, sagte er. Sein Image als Gentleman hat Henry Maske im Alter nicht vor Fehltritten bewahrt. „Ob ich über die Jahre ein größerer Gentleman geworden bin? Ich mache weiter meine Fehler und meine Frau lässt es mich spüren, dass es falsch war“, sagt der ehemalige Weltmeister mit einem Schmunzeln.
Die Zeiten, als ihm zig Millionen Zuschauer vor dem Fernseher zujubelten, sind vorbei. Ein Teil des Boxens ist Maske aber geblieben. „Der Sport hat mich unglaublich geprägt. Ich bin damit immer irgendwie verbunden. Dinge, die damit einhergehen, sind nach wie vor Begleiter. Die Persönlichkeitsentwicklung, das Profil, die Art und Weise, sich mit Dingen auseinanderzusetzen“, sagt Maske. Seit 2020 ist er Gesellschafter des in Aachen ansässigen Unternehmens ROOQ, das Boxsport–Technologie entwickelt.
Dank der cleveren Vermarktung von Fernsehsender RTL und dem Sauerland–Boxstall hatte Maske einst eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihresgleichen sucht. Maskes Kämpfe, vor allem die beiden gegen den inzwischen verstorbenen Berliner Graciano Rocchigiani 1995, zogen die Massen vor die Fernseher, bis zu 18 Millionen Zuschauer wollten Maske kämpfen und siegen sehen. „Er, da oben, wird sagen, er hat gewonnen. Ich sage: Ich habe gewonnen. Das bleibt auch so“, sagt Maske über den ersten Kampf gegen „Rocky“, der äußert umstritten an ihn gegangen war.
Sein Auftreten imponierte — und vor allem: funktionierte. Maske arbeitete mit einer hohen technischen Finesse und einem hohen Anspruch an sich selbst. Der Rechtsausleger begann seine Karriere in Jüterbog, wo er als Siebenjähriger sein erstes Boxtraining absolvierte. Zwischen 1972 und 1978 wurde er von Hans Hörnlein bei der BSG Motor Ludwigsfelde gecoacht.
Anschließend trainierte Maske beim ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) unter Leitung der damaligen Cheftrainer Manfred Wolke und Dietrich Bleck und war als Sportinstrukteur zuletzt Oberleutnant der Nationalen Volksarmee. Maske machte sich in der DDR einen Namen als Amateurboxer: 181 Amateurkämpfe und 163 Siege standen auf seinem Konto. Daneben holte er 1988 in Seoul Gold bei den Olympischen Spielen und feierte ein Jahr später in Moskau den WM–Titel.

Siegerjubel mit Trainer Manfred Wolke: Im September 1993 verteidigte Henry Maske erstmals den Titel als Halbschwergewichts-Weltmeister. In Düsseldorf landete der Boxer aus Frankfurt (Oder) in einem Zwölf-Runden-Kampf gegen den amerikanischen Herausforderer Anthony Hembrick einen Sieg nach Punkten.
Roland Scheidemann/dpaMit Blick auf seine DDR–Vergangenheit sagte er vor zwei Jahren gegenüber unserer Redaktion: „Meinungsfreiheit ist etwas ganz Besonderes. Kinder, die beispielsweise in der DDR groß geworden sind, schätzen das nach wie vor sehr. Es ist nicht selbstverständlich, jedenfalls nicht für Menschen mit vergleichbarer Vergangenheit.“
Als Profi hatte sich Maske nach 19 Siegen im März 1993 im Halbschwergewicht die IBF–Krone vom US–Profi Charles Williams geholt, zehnmal verteidigte er seinen Titel erfolgreich. Dann kam die Niederlage gegen Hill und damit das (vermeintliche) Karriereende.
Elf Jahre später, im März 2007, stiegen beide zu einer Revanche noch einmal gegeneinander in den Ring, ebenfalls in München. Maske war schon 43 Jahre alt, kaum einer traute ihm damals noch etwas zu. Doch der begnadete Rechtsausleger überraschte die Fachwelt. „Mein letzter Kampf gegen Virgil Hill war die Kür, das hatte nichts mehr mit meiner Pflicht zu tun.“
Henry Maske betrieb zehn Filialen von McDonalds
Nach dem Ende der Profi–Laufbahn konzentrierte er sich auf seine unternehmerischen Pläne. Der dreifache Familienvater betrieb bis zu zehn Filialen der Fast–Food–Kette McDonalds, ehe er Ende 2019 die Filialen nach fast 20 Jahren verkaufte.
Wende–Weltmeister, Filialleiter eines amerikanischen Restaurant–Imperiums: Maske bezeichnete sich nach der Wiedervereinigung als „Gewinner dieser Einheit“. Allerdings in sehr demütiger Hinsicht. Die Demut vermisst Maske heute manchmal, wenn er darüber spricht, dass mehr Menschen auf bestem Wege seien, „Dinge als selbstverständlich zu betrachten, die sie tatsächlich nie waren“.
Sein Alter stört ihn hingegen nicht. „Ich habe nicht das Empfinden, dass ich 60 werde. Die 50er waren nichts Unangenehmes. Ich bin respektvoll, aber nicht ängstlich“, sagt Maske, der in der Nähe von Köln lebt. Vor zehn Jahren feierte er den runden Ehrentag im Europa–Park Rust bei Freiburg mit 300 Gästen. Das sieht nun anders aus. Der große Ex–Champion feiert seinen runden Geburtstag klein. „Zum 60. wird der Kreis deutlich kleiner, jedoch nicht weniger angenehm.“
Geblieben sind ihm aber die Erinnerungen an die goldenen Zeiten im deutschen Boxen. Wenn Maske auf seine Karriere zurückblickt, ist er „sehr glücklich“. Denn: „Ich habe weit mehr bekommen, als ich jemals erwartet hatte.“ (mit dpa, sid)





