Bundesliga-Sieg gegen Hoffenheim
: Deshalb hat Union Berlin die Champions League auf diesem Zettel

Union Berlin gewinnt gegen die TSG Hoffenheim und besiegt dabei auch die eigenen Stabilitäts-Probleme. Die Eisernen liegen in der Tabelle der Fußball-Bundesliga jetzt auf Platz fünf.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Rani Khedira (r./Union Berlin) überbringt mit einem Spickzettel von Trainer Urs Fischer seinen Mitspielern die neuesten taktischen Informationen.

    Rani Khedira (r./Union Berlin) überbringt mit einem Spickzettel von Trainer Urs Fischer seinen Mitspielern die neuesten taktischen Informationen.

    O.Behrendt via www.imago-images.de
  • Grischa Prömel (M.) jubelt hier gemeinsam mit Christopher Trimmel seinen Siegtreffer im Spiel gegen die TSG Hoffenheim.

    Grischa Prömel (M.) jubelt hier gemeinsam mit Christopher Trimmel seinen Siegtreffer im Spiel gegen die TSG Hoffenheim.

    Andreas Gora/dpa
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Die gute Nachricht für die Fans des 1. Union Berlin lautet: Es gibt ein Leben nach Marvin Friedrich. Die schlechte Nachricht: Es ist ein anderes Leben. Eben ohne den bisherigen Vize-Kapitän. Dieses Leben könnte – um es mal dosiert euphorisch auszudrücken – schlechter sein als die Gegenwart im Januar 2022. In der Fußball-Bundesliga liegen die Eisernen nach dem 2:1 (1:1)-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim auf Platz fünf und befeuern damit in Köpenick die Träume von der Königsklasse.

Niemand dürfte mittlerweile noch ernsthafte Zweifel haben: Union Berlin hat sich zu einem ernsthaften Anwärter für die Champions League entwickelt. Ja – Union Berlin. Die Einschätzung von Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß machte deutlich, worauf es in den verbleibenden 15 Partien jetzt ankommt. „Diese Mannschaft ist extrem schwer zu bespielen. Das qualifiziert sie durchaus für Höheres“, erklärte Hoeneß. „Aber man muss auf diesem Niveau Woche für Woche immer wieder abliefern. Dennoch ist es schon erstaunlich, wie stabil Union Berlin agiert.“

Union Berlin mit Eigentor

Auf den ersten Blick bewiesen die Eisernen auch im direkten Duell um die Champions-League-Plätze gegen Hoffenheim diese Stabilität. Sie ließen sich selbst vom unglücklichen Eigentor durch Timo Baumgartl in der 16. Minute nicht großartig beeindrucken. Baumgartl beförderte eine Flanke mit dem Kopf ins eigene Tor. Bereits in der 22. Minute traf Andreas Voglsammer zum 1:1-Ausgleich. Bis zum 2:1 durch Grischa Prömel (73.) war es jedoch ein langer Weg. Denn um diese von Hoeneß angesprochene Stabilität musste Union Berlin am Samstag vor 3000 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei hart kämpfen.

Das lag einerseits an der unerbittlichen Pressing-Maschine namens TSG Hoffenheim. Die Kraisgauer hatten zuletzt am 6. November eine Niederlage kassiert und waren bis zum Samstag das Team der Stunde in der Bundesliga. Es lag aber auch an der veränderten Statik im Spiel der Mannschaft von Trainer Urs Fischer. Für Marvin Friedrich – der am Samstag beim 1:2 gegen Bayer Leverkusen seit Startelfdebüt für Borussia Mönchengladbach gab – rückte Winter-Neuzugang Dominique Heintz in die Innenverteidigung. Der ehemalige Freiburger legte trotz fehlender Wettkampfpraxis einen ordentlichen Einstand hin und freute sich über „ein sehr schönes Debüt. Es hat einfach Spaß gemacht, wieder auf dem Platz zu stehen“.

Debüt für Neuzugang Dominique Heintz

Aber – und das ist keine wirkliche Überraschung – Dominique Heintz ist eben nicht Marvin Friedrich. Denn Friedrich war in seinen vier Jahren in Köpenick zu einer echten Führungspersönlichkeit sowie zu einem Stabilisator und vor allem Organisator der Defensive gereift. Diese Rolle konnte Heintz logischerweise noch nicht auf Anhieb übernehmen. „Er hatte gute Momente, aber auch Momente, wo es noch nicht so geklappt hat. Das braucht Zeit. Wir haben mit Marvin einfach eine Bank verloren“, analysierte Fischer.

Wie sehr Union Berlin in diesen 90 Minuten um seine Stabiliät kämpfen musste, zeigte sich nach gut einer Stunde. Da bekam Rani Khedira von Fischer einen Zettel zugesteckt und sprintete mit der Botschaft erst zu Max Kruse und dann zu Andreas Voglsammer. Auch Grischa Prömel hatte mehrmals Gesprächsbedarf an der Seitenlinie. „Spielerisch war es keine gute Partie von uns. Das muss man einfach so deutlich ansprechen, sowohl defensiv als auch offensiv. Wir haben während des Spiels mehrmals die Taktik umgestellt, um griffiger zu sein“, räumte Prömel ein. Und auch Trainer Fischer bemängelte den „fehlenden Zugriff auf den Ball“ in vielen Phasen des Spiels: „Wir haben bis zum Schluss alles gegeben, um als Sieger vom Platz zu gehen. Aber es gibt schon das eine oder andere anzusprechen. Es ist nicht alles optimal gelaufen.“

Union Berlin jetzt gegen Hertha

Vor allem zu Beginn der 2. Halbzeit liefen die Gastgeber meistens nur dem Ball hinterher. Erst mit dem Zettel von Fischer, vor allem aber mit der Einwechslung des schnellen Sheraldo Becker wurde Union Berlin in der Offensive wieder wirkungsvoller. „Wenn er ins Laufen kommt, dann drehen die Fans komplett durch. Er fliegt regelrecht durchs Stadion“, lobte Prömel den eingewechselten Stürmer.

Und irgendwie gehört ja auch Union Berlin zu den Überfliegern der Bundesliga-Saison 2021/22. Die Eisernen haben die Champions League auf dem Zettel und jetzt das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Hertha BSC am Mittwoch vor Augen. „Wir haben einen ganz klaren Plan – wir wollen die nächste Runde erreichen. Das ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel für den Verein“, kündigte Grischa Prömel an.

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