Darts: Profi Martin Schindler gehört einer Corona-Risikogruppe an
Herr Schindler, die erste Frage muss natürlich lauten: Wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut. Ich bin nicht erkältet und mir ist auch sonst nichts zugestoßen. Ich bin nur ein bisschen im Stress, weil ich gerade umziehe. Da kommt mir zugute, dass jetzt gerade keine Turniere sind, man kommt aber leider auch schwerer an Sachen heran.
Was heißt, Sie ziehen um?
Bis vor ein paar Monaten noch bei meinen Eltern zuhause gewohnt, weil ich durch den Darts-Sport viel unterwegs bin. Aber jetzt ziehe ich in eine eigene Wohnung. Aber ich bleibe in Strausberg.
Mit einem extra Darts-Raum vermutlich ...
Genau, quasi mein Arbeitszimmer.
Aus diesem wird ja bald gesendet, denn der Profiverband startet am Wochenende die PDC Home Tour, bei der die Profis jeweils an ihrer eigenen Scheibe gegeneinander spielen, per Video werden die Würfe in einem Stream aufgezeichnet und gewertet. Wie finden sie die Idee?
Das ist eigentlich eine ganz gute Idee, auch wenn sie nicht bei jedem auf Begeisterung treffen wird. Denn es gibt ja auch private Einblicke. Da ist ein Zweispalt. Aber für die Fans ist es gut, Darts zu sehen, und Wettkampfe der Profis auf Augenhöhe.
Sie werden auch daran teilnehmen?
Ja, aber ich stecke noch etwas im Umzugsstress. Deshalb steige ich später ein. Ich hoffe, dass ich spätestens in zwei Wochen dabei sein kann. Ich muss mir noch eine Kamera besorgen und eine richtig gute Bordanlage, die würdig ist, übertragen zu werden. Aber die Baumärkte sind ja auf. Da wird das gehen.
Was bedeutet die Krise für Sie als Darts-Profi insgesamt? Haben Sie jetzt auch Zeit für etwas ganz anderes?
Ich gehe in diesem Sinne meiner Arbeit schon weiter nach. Ich spiele auch Darts, aber ich beschäftige mich auch mit einem Hobby wie Videospiele. Dann treffe ich mich dabei online mit meinen Freunden, die jetzt auch zu Hause sind. Dann reden wir auch, wie es einem so geht, was abgeht. Wir haben uns ja in gewisser Weise getrennt nach dem Abitur. Aber durch online geht das ja sehr gut. Natürlich verbringe ich auch Zeit mit der Freundin.
Das ist ja sonst sicher auch zu kurz gekommen ...
Richtig, wenn man unter der Woche nur von Montag bis Mittwoch da ist, und meine Freundin arbeiten muss, dann sieht man sich kaum.
Aber Sie toleriert Ihren Aufwand für Darts?
Ja, Sie hat da sehr viel Verständnis dafür.
Spielt Sie auch selbst?
Nein, sie hat wirklich gar nichts mit Darts am Hut.
Also kein kleines Duell am Abend noch an der Scheibe?
Nein, ich spiele sowieso lieber alleine. Ich finde, man braucht auch nicht zwangsläufig einen Trainingspartner, der einem sagt, was man besser machen kann. Ich weiß, was ich im Spiel zu spielen habe. Wenn ich mir das immer wieder vor Augen führe, reicht das.
Wie viel trainieren Sie so am Tag?
Das Pensum sind so zwei, drei Stunden am Tag. Je nach Lust, aber ich spiele schon eine Menge.
Wie sieht so ein Training aus? Gibt es bestimmte Formen oder Spielarten, die sie besonders üben?
Es gibt viele verschiedene Trainingsspiele. Am liebsten mache ich solche, bei denen es um das Finish geht, also die Doppelfelder. Das beliebteste ist 121 und mein Freund und Kollege Gabriel Clemens hat mir ein Checkspiel von 41 bis 50 gezeigt, wenn man es nicht schafft, fängt man immer wieder von vorne an. Das ist echt brutal und schwer.
Wie wirkt sich die Krise ansonsten für Sie persönlich aus als quasi Selbstständiger?
Ich habe schon finanzielle Einbußen und keine Einnahmequelle, weil ich kein Turnier oder anderes Event spielen kann.
Von Ihnen gibt es Pfeile unter Ihrem Namen, hilft dieses Merchandising?
Ich verdiene schon ein bisschen daran, aber es ist jetzt nicht die Welt. Ich weiß auch nicht, wie sehr diese nachgefragt sind, in diesen Zeiten.
Wann haben Sie Ihr letztes Turnier gespielt?
Das war im März beim Players Championship Wochenende. Das war nicht so gut, ich bin zweimal in der 1. Runde ausgeschieden, aber ich konnte mich für das Turnier in München qualifizieren, das Ostern geplant war und verlegt wurde.
Die Premier League in Berlin ist auch in den September verlegt worden. Ist das ein Thema für Sie?
Nein, ich spiele nicht mit bei der Premier League. Aber ich würde natürlich gerne einmal in meiner Region spielen. Aber das ist momentan nicht möglich. Da spielen nur die Besten, zu denen gehöre ich leider noch nicht.
Es gibt also keine Wildcard für einen Local Hero?
Teilweise schon für die anderen Spielorte, aber in Berlin gibt es keinen Platz für einen sogenannten Herausforderer. Ich muss mich also gedulden und besser werden.
Wenn wir kurz zurückschauen. Das Jahr 2019 ist für Sie mit der verpassten WM nicht optimal gelaufen?
Alles in allem war das Jahr in Ordnung. Ich habe die erste Hälfte nicht gut gespielt, aber hinten raus war es besser. Ich habe viel Preisgeld eingespielt, konnte nur nicht mehr kompensieren, was am Anfang fehlte. Für die WM haben sich die ersten 32 der Preisgeldrangliste qualifiziert. Ich bin 33. geworden mit 1000 Pfund Rückstand. Das ist aufs Jahr gerechnet ein Spiel, das ich hätte mehr gewinnen müssen. Das war schon sehr ärgerlich.
Stattdessen haben Sie als Fernsehkommentator gearbeitet. Wie war das für Sie, mal auf der anderen Seite zu stehen?
Das war ein kleiner Ausgleich. Es ist auch spannend zu kommentieren. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich natürlich immer für das selber spielen entscheiden.
Momentan ist es schwer, etwas zu prognostizieren. Aber wann kann wieder richtig in Hallen Darts gespielt werden und welche Ziele haben sie dann?
Es ist schwer zu sagen, wann es wie weitergeht. Die meisten Turniere sind in England. Dort ist der Coronavirus zwei Wochen hinter uns. Ich denke, vor Juni wird es nicht weitergehen. Aber ich weiß auch nicht, was die PDC (der Weltverband, die Red.) plant. Wir haben unsere Turniertermine, aber ob die stattfinden, hängt ja auch von der Politik und vor allem von der Gesundheit der Menschen ab. Ich möchte auch nicht vor der Tür gehen, bevor nicht alles Hundert Prozent sicher ist. Ich habe Asthma, und gehöre einer Risikogruppe an.
Sie gehen also möglichst wenig vor die Tür?
Ja, nur Einkaufen gehe ich schon. Das ist in Strausberg bisher auch relativ einfach.
Was war bisher Ihr schönster Moment als Profi?
Da würde ich die World Series im vergangenen Juli nennen, als ich gegen Michael van Gerven (die Nummer 1 der Dartswelt) gewonnen habe. Da lag ich sehr weit hinten und konnte das Spiel noch drehen. Meine Beine haben auf der Bühne wirklich angefangen zu zittern, was ich so gar nicht kannte. Ich hab fast geweint da oben, konnte es mir gerade noch verkneifen. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich.
Tipps vom Profi für Jedermann
Worauf sollte man achten beim Darts, um einen guten Score zu erreichen? Profi Martin Schindler verrät einige seiner Tipps.
Das AnvisierenMir hat sehr geholfen, das ich meine rechte Hand vor meinem Auge habe. Mein rechtes Auge ist mein starkes Auge, das hilft mir, eine Linie zu finden.
Handhaltung des PfeilsEntscheidend ist, den Pfeil so zu halten, dass man viel Kontrolle über ihn hat. Es ist okay, den Pfeil mit mehreren Fingern anzufassen, aber auch mit nur zwei. Das muss jeder für sich herausfinden.
Die FußhaltungDa kann jeder den Fuß gerade an die Leiste stellen oder parallel. Wichtig ist als Linkshänder das linke und als Rechtshänder das rechte Bein vorne zu haben.
Der EllbogenEr sollte runter zum Boden zeigen von der Schulter aus, nicht quer in der Luft hängen und beim Wurf einen 90-Grad-Winkel haben.
Die KörperspannungEs gilt genügend Körperspannung zu haben. Das vordere Bein muss durchgestreckt sein, ansonsten die Spannung hoch bis in die Brust und die Wurfbewegung aus dem Arm.
Die PfeileAm besten für jedermann sind gerade Pfeile geeignet. Mit denen kann man am wenigsten falsch machen. Und sie sollten geriffelt sein, wie die von Gary Anderson.. Da hat jeder einen guten Griff. Meine Pfeile sind eher torpedomäßig mit einer anderen Spitze und wo der Torpedo seine Wölbung hat, ist mein Griffpunkt für den Zeigefinger.⇥uwe

