Eisbären gegen Bremerhaven
: Ty Ronning erklärt sein Ritual ‒ Sitzen und Siegen

Ty Ronning sorgt mit einem Dreierpack dafür, dass die Eisbären Berlin beim nächsten Spiel in Bremerhaven ihren zehnten DEL-Titel holen können. Ein Ritual macht den Stürmer stark.
Von
Frank Noack
Berlin
Jetzt in der App anhören
Ty Ronning von den Eisbären Berlin feiert das Tor zum 4:1 während des Spiels zwischen den Eisbären Berlin und den Fischtown Pinguins am 23.04.2024 in Berlin, Deutschland. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

Ty Ronning von den Eisbären Berlin erzielte insgesamt drei Tore beim 4:1-Sieg gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven im vierten Spiel der DEL-Finalserie.

City-Press

Jede einzelne Finalserie in der 30-jährigen Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat ihre ganz eigenen Helden-Bilder produziert. Bilder, die in die Geschichtsbücher eingehen. Laute Bilder und stille Bilder. Auch bei der Serie der Eisbären Berlin gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven entstehen derzeit solche Bilder. Berlin liegt mit 3:1 in Führung und kann am Freitag (26. April) in Bremerhaven (19.30 Uhr) den zehnten Meistertitel in der DEL perfekt machen.

Eingang in die Geschichtsbücher dürfte auch ein stilles Bild finden, das am Dienstagabend in der Arena am Ostbahnhof entstand. Es wurde zwei Stunden vor dem Spiel von den bereits aufgebauten TV-Kameras eingefangen. Das Bild zeigt Eisbären-Stürmer Ty Ronning, wie er mutterseelenallein in der noch leeren Halle auf einem blauen Zuschauersitz hockt und komplett in sich ruht. Ronning hat die Augen zu, hält seinen Schläger in der Hand und bewegt ihn immer wieder hin und her.

Zwei Stunden später, als die Arena am Ostbahnhof bis auf den letzten Platz gefüllt war, stand der 26 Jahre alte Stürmer dann unten auf dem Eis und schoss die Eisbären Berlin beinahe im Alleingang zum 4:1-Sieg gegen Bremerhaven. Die ersten drei Treffer gingen allesamt auf das Konto von Ty Ronning, der in der ersten Sturmreihe den verletzten Marcel Noebels ersetzte und auch dessen Job im Powerplay übernahm. Zwei seiner drei Tore schoss Ronning in Überzahl. „Ty hat heute die wichtigen Tore geschossen. Er macht einen großartigen Job“, lobte Eisbären-Trainer Serge Aubin den nur 1,75 Meter großen Flügelstürmer. „Er ist nicht so groß, aber er hat Feuer und ein sehr großes Herz.“

Natürlich musste der Matchwinner nach dem Spiel ganz ausführlich erklären, wie sein Dreierpack mit dem Meditations-Ritual vor dem Spiel zusammenhängt. Er habe sich diese Abläufe bei der Vorbereitung auf die Spiele mit einem Mentaltrainer erarbeitet, berichtete Ronning bei Magentasport: „Das mache ich gern vor den Spielen und bereite mich so auf den Kampf vor. Ich visualisiere dabei Szenen aus dem Spiel, zum Beispiel wie ich Pässe spiele oder aufs Tor schieße. Dadurch bekomme ich einen guten Fokus und ein gutes Gefühl.“

Eisbären Berlin am Freitag in Bremerhaven

Dass Ty Ronning dabei schon den Dreierpack vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen sah, ist eher unwahrscheinlich. Aber er wusste in diesem Moment mit ziemlicher Sicherheit schon, wohin er die Pucks schießen wird: links auf die Stockhandseite von Bremerhavens Torhüter Kristers Gudlevskis. Dreimal schlug der Puck im langen Eck ein, drei nahezu identische Treffer. Zumal Ronning ohnehin kein Spieler ist, der mit seinen Schüssen die Netze zerfetzen will. Stattdessen macht er viel mit Auge und seiner guten Schusstechnik.

Der Plan ging auf – Ronning erzielte seinen ersten Dreierpack in einem DEL-Finale und die Eisbären Berlin sind nur noch einen Sieg von der zehnten Meisterschaft entfernt. Dabei stand der gebürtige Kanadier mit US-Staatsbürgerschaft auch in der vergangenen Saison schon im Finale. Während die Eisbären eine ihrer schlechtesten Spielzeiten ablieferten, schaffte Ty Ronning mit dem ERC Ingolstadt den Sprung in die Endspielserie ‒ aber er wurde eben nur Vizemeister. Sein Hunger auf den Titel ist dadurch noch größer geworden. Damals gab es ein 1:4 gegen den EHC München. Nun könnte Ronning die Finalserie mit den Eisbären gegen Bremerhaven ebenfalls mit 4:1 gewinnen.

Aber ein Sieg muss eben noch her. Und dieser finale Sieg ist oftmals der schwerste. Das wissen auch die Eisbären Berlin und Ty Ronning vor Spiel fünf am Freitag in Bremerhaven nur allzu gut. „Wir haben heute zwar einen wichtigen Sieg geholt, aber die Serie ist noch nicht vorbei“, warnte Ronning. Er gab sich nach seinen Playoff-Toren sechs, sieben und acht aber gleichzeitig sehr zuversichtlich: „Jetzt ist nur noch ein Spiel übrig, das wir gewinnen müssen. Wir müssen es nun packen.“

Die Bilder des zehnten Titelgewinns der Eisbären Berlin und dem meditierenden Ty Ronning würden dann in jedem Fall in die Geschichtsbücher der DEL eingehen.