Fußball in der Bundesliga
: Der neue Max Kruse von Union Berlin heißt jetzt Sheraldo Becker

Max Kruse ist endgültig Geschichte beim 1. FC Union Berlin. In seine Rolle könnte Sheraldo Becker schlüpfen. Beim 3:1-Erfolg in der Fußball-Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 zeigte er, wie das gehen soll.
Von
Uwe Wuttke
Berlin
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Starke Leistung: Sheraldo Becker von Union Berlin war Mann des Tages in der Fußball-Bundesliga gegen Mainz 05.

Andreas Gora/dpa

Vier quälend lange Spiele inklusive Testpartie gegen Widzew Lodz hat es gedauert, aber nun hat es geklappt. Der 1. FC Union Berlin kann auch ohne Max Kruse in der Fußball-Bundesliga Tore erzielen. Beim 3:1 gegen den FSV Mainz 05, dem ersten Sieg im Februar, trat mit Sheraldo Becker vor allem ein Spieler in Erscheinung, den nicht alle auf der Rechnung hatten.

Derweil reagierte Trainer Urs Fischer auf die zuletzt misslichen Offensivleistungen, warf die Rotationsmaschine gegen Mainz 05 an und nahm gleich fünf Wechsel gegenüber der Partie gegen Bielefeld (0:1) vor. Mit Sven Michel und vor allem Taiwo Awoniyi landete der Angriff von der Alm auf der Bank. „Ich wollte Taiwo etwas den Druck nahmen. Der Afrika-Cup war gut für ihn gelaufen, die Erwartungen hoch. Da habe ich mich aus dem Bauch für Andreas Voglsammer entschieden“, erklärte Fischer seine Entscheidung.

Sheraldo Becker von Union Berlin bedankt sich für Vertrauen von Trainer Urs Fischer

Nicht davon betroffen, war dagegen Sheraldo Becker. Und der gebürtige Niederländer bedankte sich auf eindrucksvolle Art und Weise für das Vertrauen seines Trainers. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einigen missglückten Pässen haderte er noch mit sich und den Mitspielern. Dann aber steigerte sich der 27-Jährige wie die ganze Mannschaft – vor allem nach dem 1:0 von Genki Haraguchi, den Fischer in die Startelf beordert hatte. Es folgte die Zeit von Becker. Beim 2:0 schlenzte der Nationalspieler von Surinam den Ball perfekt mit rechts ins Tor und den dritten Treffer legte er Awoniyi mustergültig auf.

„Wir wissen, dass die vergangenen Wochen sehr hart für uns waren. Wir haben keine Tore geschossen, nicht gewonnen“, sagte Becker nach der Partie und fügte fast erleichtert hinzu. „Aber wir haben an uns geglaubt. Wir wissen, was wir können. Und diesmal haben wir auch die Tore gemacht.“ Auf die Frage, wie er sich als Matchwinner fühle, blieb der Flügelspieler bescheiden. „Am wichtigsten sind die drei Punkte. Ich bin froh, dem Team helfen zu können.“

Urs Fischer: „Ich habe Sheraldo Becker nicht nur heute gut gesehen.“

Dass Becker dies kann, davon war und ist Trainer Urs Fischer schon immer überzeugt. „ Ich habe ihn nicht nur heute sehr gut gesehen, sondern auch in den vergangenen Spielen war er ein Aktivposten, konnte viele gute Szenen kreieren.“ Weil aber ein Fußballlehrer wie der Schweizer auch immer ein Pädagoge ist, schob der 55-Jährige gleich eine kleine Forderung hinterher. „Er ist gut unterwegs, sorgt immer für Gefahr, aber er muss weiter Schritte machen, bereit sein, weiter an sich zu arbeiten.“

Dann hätte Union Berlin mit Becker und Awoniyi wieder zwei treffsichere Angreifer, denn trotz der kleinen Bankrochade setzt der Coach auch weiter auf den Tore des Nationalspielers von Nigeria. „Dass Taiwo heute getroffen hat, ist schön und gut für das Selbstvertrauen, denn wir werden ihn auf jeden Fall noch brauchen.“

Und dass die Köpenicker nun ihre Kruse-Krise endgültig zu den Akten gelegt haben, freute vor allem den Trainer. Urs Fischer wirkte zuletzt schon ziemlich genervt vom Thema. „Es ging heute vor allem um die Haltung, dass wir diese Situation so annehmen, wie sie ist, und das hat die Mannschaft toll gemacht“, lautete sein Fazit nach den jüngsten Enttäuschungen.

Bewegender Moment: Schweigeminute von Union Berlin und dem FSV Mainz 05 vor der Partie in der Alten Försterei.

Uwe Wuttke

Fans von Union Berlin mit Mut machendem Banner

Und die Fans verzichteten trotz der Ukraine-Krise, der mit einer Schweigeminute vor dem Anpfiff gedacht wurde, auf ein Anti-Kriegs-Banner, machten lieber ihrem Team Mut. „Unser Vertrauen gilt denen, die da sind!“, stand dort stattdessen in dicken Lettern als klare Aufforderung. Die Spieler zahlten diesen Mutmacher mit dem lang ersehnten Sieg und endlich wieder eigenen Toren zurück.

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