Hertha Präsident ist tot
: Kay Bernstein gestorben – Trauermarsch in Berlin geplant

UPDATE 19. Januar, 18:30 Uhr: Kay Bernstein ist tot. Der Präsident des Fußball-Zweitligisten Hertha BSC starb unerwartet. Fans haben zu einem Trauermarsch in Berlin aufgerufen.
Von
Nicole Züge,
Dirk Schaal,
Christian Heinig
Hoppegarten
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Kay Bernstein (r), Präsident von Hertha BSC, ist im Alter von 43 Jahren überraschend verstorben.

Jürgen Kessler/dpa

Vereinspräsident Kay Bernstein von Fußball-Zweitligist Hertha BSC ist im Alter von 43 Jahren gestorben. Auf X (ehemals Twitter) wurde die Nachricht vom plötzlichen Tod des Hertha-Bosses am Dienstag (16.01.) zur Mittagszeit öffentlich gemacht. „Der gesamte Verein, seine Gremien und Mitarbeitenden sind fassungslos und zutiefst bestürzt.

Die Hertha-Familie trauert mit Kays Hinterbliebenen und ist in dieser schweren Zeit in Gedanken bei seiner Familie, seinen Freunden und Wegbegleitern“, hieß es in der Mitteilung.

Die Berliner Ultras haben am Sonntag (21. Januar) zu einem Trauermarsch durch Berlin aufgerufen.

Polizei leitet Ermittlungen ein

Wegen des plötzlichen Todes hat die Polizei in Brandenburg ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Grund dafür ist, dass die beteiligten Ärzte keinen natürlichen Tod bescheinigt hätten, wie eine Sprecherin der Polizei dem „Tagesspiegel“ sagte. Bei unklarer Todesursache wird ein solches Todesermittlungsverfahren routinemäßig durchgeführt. Die Ermittlungen sollen bei der zuständigen Kriminalpolizei in Strausberg liegen. Bernstein lebte mit seiner Familie in der Gemeinde Hoppegarten (Märkisch-Oderland).

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat inzwischen beim zuständigen Ermittlungsrichter einen Antrag auf Sektion des verstorbenen Hertha-Präsidenten gestellt, „weil die genauen Umstände des Todes und die unmittelbare Todesursache bisher nicht geklärt werden konnten“, wie eine Sprecherin betonte. Die Sektion hat am Donnerstag (18.1.) bei der Rechtsmedizin in Frankfurt (Oder) stattgefunden.

Die Obduktion ist laut Staatsanwaltschaft erfolgt, und es liegen keine Hinweise für ein Fremdverschulden vor. Es werden aber noch toxikologische und histologische Untersuchungen erfolgen. Diese Untersuchungen sind normale Bestandteile der Ermittlungen zur Todesursache bei unklaren Verfahren. Wann die Ergebnisse vorliegen werden, ist nicht bekannt.

Die Freigabe zur Beerdigung des Leichnams durch die Staatsanwaltschaft ist erfolgt.

Große Trauer unter Hertha-Fans

Zahlreiche Menschen nutzen den Post von Hertha-BSC, um ihre Anteilnahme auszusprechen. Der Club bittet darum, „die Privatsphäre der Familie nach diesem schrecklichen Ereignis zu respektieren“.

Die Berliner Ultras der Harlekins 98 haben zu einem Trauermarsch für den gestorbenen Hertha-Präsidenten eingeladen. Am Sonntag um 10.00 Uhr wollen sich die Fans des Fußball-Zweitligisten am Theodor-Heuss-Platz im Westen der Hauptstadt versammeln und anschließend gemeinsam zum Olympiastadion laufen. Dort spielt die Hertha fünf Tage nach dem unerwarteten Tod ihres Vorsitzenden ab 13.30 Uhr (RTL) zum Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf.

Bernstein war Jahre vor seiner ungewöhnlichen Karriere als Funktionär Gründungsmitglied der Harlekins 98 und Vorsänger in der Fankurve.

Trauermarsch in Berlin soll respektvoll und angemessen ablaufen

„Dieser Tag wird für uns alle ein schwerer Weg und sich darauf entsprechend vorzubereiten, ist nicht alltäglich. Wir weisen darauf hin, dass dies ein Trauer- und kein Fanmarsch ist und respektvoll und angemessen ablaufen soll. Verzichtet daher auf alkoholische Getränke und jegliche Form von Pyrotechnik. Des Weiteren werden Gäste anderer Fanszenen an diesem Trauermarsch teilnehmen, auch dies gilt es zu respektieren. Lasst uns im Gedenken an Kay zum Olympiastadion ziehen und ihm unsere letzte Ehre erweisen. Im stillen Gedenken ein leises Ha Ho He!“, hieß es in der am Freitag veröffentlichten Ankündigung zur Veranstaltung.

Auch andere Fußballvereine haben ihr tiefes Bedauern über den frühen Tod des ehemaligen „Hertha Ultras“ bekundet, der im Verein eine beispiellose Entwicklung vom Vorsänger in der Ostkurve zum Vereinspräsidenten bewältigt hat.

Der Hamburger SV schreibt auf X: „Ruhe in Frieden, Kay Bernstein. Wir sprechen unser Mitgefühl seiner Familie, seinen Angehörigen und seinen Freunden aus.“

Auch der VfB Stuttgart hat den X-Post bereits kommentiert: „Wir sind sprachlos. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, Freunden und der gesamten Hertha-Familie. Viel Kraft in dieser schweren Zeit.“

Unter den Hashtags „Ruhe in Frieden“ und „#hahohe“ bedauern vor allem Fans den frühen Tod Bernsteins. Teilweise sind sehr emotionale Statements zu lesen.

Auch auf „threads“ posten Fans und Fanvereinigungen sehr emotionale Statements zu Kay Bernstein:

Der regierende Bürgermeister Kai Wegner, der laut dpa selbst großer Anhänger der Hertha ist, schreibt auf X:

Sportsenatorin Iris Spranger äußert sich auf X zum Tod des Hertha-Präsidenten:

Union-Berlin-Präsident Dirk Zingler richtet sich mit diesen Worten an die „Hertha-Familie“:

Kay Bernstein: Ausnahmekarriere bei Hertha BSC

Bernstein war in seiner Jugend Vorsänger des Clubs in der Ostkurve und „Ultra“. Beim organisierten Teil des Hertha-Anhangs war er darum besonders beliebt. Mit von ihm vorangetriebenen karitativen Engagement sorgten die Fans auch bundesweit für Aufsehen.

Nach seiner Zeit in der Ostkurve baute der in seiner Jugend von Dresden nach Berlin-Marzahn gezogene Bernstein eine Event- und Kommunikationsagentur auf.

Auch im Stadion wechselte er den Platz: von der Ostkurve auf die Haupttribüne. Als sich das Ende der immer bleischwerer gewordenen Ära von Vorgänger Werner Gegenbauer abzeichnete, kündigte Bernstein seine Kandidatur an. „Wir waren auf dem besten Weg dahin, den Leuten egal zu werden“, sagte er der dpa Ende 2022 in einem Interview. „Und das war etwas, was ich nicht zulassen konnte, weil es mir das Herz gebrochen hat.“

„Klatsche fürs Establishment“: Bernsteins Wahl zum Hertha-Präsidenten

Bei der Mitgliederversammlung am 26. Juni 2022 wurde Kay Bernstein überraschend gegen den favorisierten CDU-Politiker Frank Steffel und einen weiteren Mitbewerber zum Präsidenten gewählt.

Dass er tatsächlich gewählt wurde, war auch eine klatschende Ohrfeige für das Hertha-Establishment, das in Teilen unverhohlen seinen Gegenkandidaten Frank Steffel durchboxen wollte. Die öffentlichen Zweifel, ob er dem Amt gewachsen war, waren groß.

Bernstein machte die Hertha wieder nahbarer

Der neue Präsident stürzte sich mit voller Kraft in die Aufgabe. „Fulltime und dazu herausfordernd“, sagte er. Er machte den Club und das Amt wieder nahbarer. Nicht nur mit seiner allgegenwärtigen Hertha-Trainingsjacke, sondern auch mit seiner offenen Art. Dazu trat er als Kritiker der Auswüchse des modernen Fußballs in Erscheinung.

An Krisen mangelte es nicht. Die Verbindung mit dem unbeliebten Investoren Lars Windhorst endete mit einem großen Eklat. Die US-Investmentfirma 777 Partners übernahm dessen Anteile und brachte dem Club dringend benötigtes Geld. Hertha stieg zum siebten Mal aus der Bundesliga ab und musste wochenlang um die Lizenz bangen.

Trotzdem gelang es Bernstein und seinen Unterstützern, die Stimmung um den Verein deutlich zu verbessern. Zwischen Fans und Mannschaft entstand ein Band, das auch Misserfolge aushielt. Zahlreiche Hertha-Legenden wie Pal Dardai und Zecke Neuendorf kehrten zurück.

Im Oktober 2023 hatte Bernstein einen Unfall

Nach einem schwachen Start in die Zweitligasaison fruchtete der auch aus finanziellen Engpässen ausgerufene Berliner Weg, mit viel Fokus auf Talente aus der eigenen Jugend, zum Ende der Hinrunde immer mehr. Die Mitgliederversammlung im Oktober verpasste Bernstein nach einem Unfall auf der Geschäftsstelle und ließ sich per Video aus dem Krankenhaus zuschalten. Nach einer Pause trat er wieder in der Öffentlichkeit auf.

Als Präsident freute er sich besonders über den gestiegenen Zusammenhalt im Verein. „Es ist so viel an wunderbarer karitativer Kraft da draußen. Das wollen wir noch mehr unterstützen“, sagte er. Bei der Hertha hinterlässt die Identifikationsfigur eine große Lücke.

In der 2. Bundesliga steht der Hauptstadtclub nach 17 Spieltagen auf dem siebten Platz. Am Sonntag bestreitet die Mannschaft von Trainer Pal Dardai im heimischen Olympiastadion das erste Spiel des Jahres gegen Fortuna Düsseldorf.


Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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