Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne: Marie-Louise Eta sprengt alle Union-Dimensionen

Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.
Matthias Koch- Union Berlin wechselt den Trainer: Marie-Louise Eta übernimmt das Männer-Team.
- Beim ersten Training kamen über 30 Medienvertreter – sonst sind es vier bis fünf.
- Der Zugang war begrenzt, Medien durften nur eine halbe Stunde zusehen.
- Internationales Echo ist groß, trotz sexistischer Kommentare in sozialen Netzwerken.
- Am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg zählt der Klassenerhalt – eine Weiterverpflichtung ist möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit über einem Vierteljahrhundert berichte ich über den 1. FC Union. Wenn die Berliner den Trainer wechseln, war und ist das für mich immer besonders anstrengend. Plötzlich sind frische Fotos und Geschichten von den neuen Protagonisten gefragt.
Die Aufbruchsstimmung war schon gewaltig, als beispielsweise Georgi Wassilew 2006 zum zweiten Mal den Trainerjob übernahm. Zu seiner ersten Einheit am 3. Januar 2006 auf dem damaligen Kunstrasen an der Ballspielhalle kamen rund 600 Anhänger. Als der frühere Union- Publikumsliebling Steffen Baumgart am 2. Januar 2025 zum ersten Training als neuer Chefcoach bat, waren sogar 800 Fans da.
Bei Baumgarts Nachfolgerin Marie-Louise Eta durften am Dienstag zu ihrem Auftakt lediglich Medienvertreter kommen – und das auch nur für eine halbe Stunde. Dem medialen Hype tat das keinen Abbruch. Ich selbst habe mein Trainerwechsel-Standardprogramm abgespult. Um 7.42 Uhr stand ich in der Alten Försterei auf der Matte, um die Ankunft von Frau Eta zu dokumentieren. Ich hatte Glück. Die neue Cheftrainerin kam um 7.55 Uhr.
Großes Medieninteresse beim ersten Training unter Eta
Aber im Gegensatz zum erstmaligen Aufdribbeln von Baumgart stand ich nicht allein da. Ein Kollege gesellte sich rechtzeitig dazu. Zwei andere verpassten den Moment knapp. Was dann beim Training geschah, habe ich in bald 27 Jahren Union-Berichterstattung noch nie erlebt.
Es gab schon eine Schlange mit Reportern, Fotografen, Kameraleuten und Videografen bevor das Tor in Richtung Trainingszentrum Alte Försterei aufgeschlossen wurde. Am Ende waren es über 30 Medienvertreter. Sonst sind es maximal vier bis fünf.
Das öffentliche Interesse an der ersten Trainerin eines Männer-Bundesligisten ist riesig. Auch in den sozialen Netzwerken ist dies seit Tagen Dauerthema. Leider gibt es auch sexistische Kommentare von verstrahlten Hatern, die der fachlichen Kompetenz der 34-Jährigen nicht mal ansatzweise das Wasser reichen können. Ihnen bietet nicht nur der Verein die Stirn.

Die erste Trainingseinheit des 1. FC Union Berlin unter Cheftrainerin Marie-Louisa Eta sorgt für großes Medieninteresse bis hin in die internationale Presse.
Matthias KochAuch die internationale Presse schaut auf Union Berlin
Aber die Mehrzahl der Reaktionen ist positiv. Zur krassen nationalen Berichterstattung kommt eine internationale dazu. Auch unzählige englische, spanische, französische oder italienische Zeitungen und Portale blicken nach Köpenick. Mit dieser Gesamt-Dimension hat selbst der Verein nicht gerechnet. Eta und Union haben sich gegenseitig ins Schaufenster gestellt.
Die Krise der Profis ist fast aus dem Blickfeld geraten. Aber auch sie stehen ab Sonnabend (15.30 Uhr) beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg im Fokus. Sie müssen zusammen mit der Trainerin Union im Saisonfinale zum Klassenerhalt bringen.
Falls Eta auch punktemäßig überzeugt, schloss Manager Horst Heldt eine Weiterverpflichtung nicht aus, obwohl Eta ab dem Sommer für Unions Bundesliga-Frauen vorgesehen war. Ich hätte dann aber vorerst keinen Stress in puncto Trainerwechsel.

