Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne: Was von Ex-Präsident Heiner Bertram übrig blieb

Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.
Matthias Koch- Rückblick auf Heiner Bertrams Amtszeit beim 1. FC Union Berlin und seine Rückkehr als Talkgast.
- 1997 stand Union vor der Insolvenz, erst wenige Mitglieder und sehr geringe Zuschauerzahlen.
- Rettung Anfang 1998 durch Michael Kölmel – Union stieg 2001 in die 2. Liga auf.
- Nina Hagen sang 1998 die Hymne „Eisern Union“, Idee aus der Ära Bertram/Kölmel.
- Distanz zur Alten Försterei wegen VIP-Streit, später Entschuldigung bei Oskar Kosche und Anerkennung Zinglers.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Heiner Bertram wusste nicht, was ihn erwartet. Der ehemalige Präsident des 1. FC Union Berlin hatte Bedenken vor seiner Reise in die Vergangenheit. Doch der 85-Jährige gehörte am Dienstag wie versprochen zu den Talkgästen des 9. Rot-Weißen Salons im Altstadttheater Köpenick, der vom Autor dieser Zeilen moderiert wird.
Bertram stand dem Verein zwischen 1997 bis 2003 vor, als dieser nicht wie heute als Erstligist über 71.000 Mitglieder verfügte. Als Bertram kam, gab es kaum mehr als 1000 eingetragene Fans. Der Klub kämpfte in der damals drittklassigen Regionalliga Nordost ums Überleben. Im Schnitt verloren sich gerade mal 1490 (!) Zuschauer im maroden Stadion An der Alten Försterei.
Daran, dass jetzt bei Union sowohl die Männer als auch die Frauen in der 1. Bundesliga mitmischen, war nicht zu denken. „Wir hatten nie solche Träume. Wir wollten erst mal sehen, dass wir in die zweite Liga kommen“, erinnert sich Bertram.
Union Berlin vor der Insolvenz
1997 ging es für Union ums nackte Überleben. Bertram galt zwar als erfolgreicher Unternehmenssanierer. Aber bei Union Berlin stieß er zunächst an Grenzen, obwohl er dem Verein Strukturen inklusive Geschäftsstelle verpasste.
Ende 1997 signalisierte Bertram dem Aufsichtsrat, dass man Insolvenz anmelden müsse. „Kurz vor Weihnachten macht man so etwas aber nicht. Wir ließen die Feiertage noch vergehen. Wir wussten, dass wir im Januar eine Lösung finden müssen“, sagt Bertram
In den ersten Januartagen des Jahres 1998 meldete sich dann ein gewisser Dr. Michael Kölmel bei Union. Der Filmrechtehändler und Unternehmer beglich kurzfristige Forderungen. Bertram konnte am 12. März 1998 auf einer Pressekonferenz die fast schon historischen Sätze „Union ist gerettet! Union wird leben!“ verkünden. Kölmels Millionenspritzen ließen Union unter Trainer Georgi Wassilew 2001 in die 2. Liga aufsteigen sowie ins DFB-Pokalfinale und in den UEFA-Cup stürmen.
Kölmel hält Union als Investor beziehungsweise Unterstützer bis heute die Treue. Er sitzt weiterhin im Aufsichtsrat der Stadionbetriebs AG. In der gemeinsamen Ära von Bertram und Kölmel entstand auch die Idee, Nina Hagen für das Einsingen der Union-Hymne zu gewinnen. Der Song „Eisern Union“ erlebte am 14. November 1998 beim Heimspiel gegen den Chemnitzer FC (0:1) seine Premiere. „Zunächst war es für mich ein bisschen seltsam, aber im Nachhinein ist es sensationell. Wir waren stolz darauf“, so Bertram.
Warum Heiner Bertram nicht in die Alte Försterei geht
Der frühere Oberstleutnant der Bundeswehr machte bei weitem nicht alles richtig in seiner Union-Zeit. Als ihn der Aufsichtsrat am 9. Oktober 2003 in einer Nacht- und Nebelaktion abberief, lautete einer der Vorwürfe, dass sich der Klub zum „1. FC Bertram“ entwickelt hätte. Es folgte eine Schlammschlacht, die praktisch erst am 1. Juli 2004 mit der Berufung von Dirk Zingler zum Präsidenten endete.

Heiner Bertram, Ex-Präsident des 1. FC Union Berlin, war am Dienstag (24. März 2026) zu Gast beim 9. Rot-Weißen Salon im Altstadttheater Köpenick.
Sebastian Räppold / Matthias KochZingler und Bertram waren beziehungsweise sind Alphatiere. Bertram blieb bis auf eine Ausnahme der Alten Försterei in den letzten beiden Jahrzehnten fern, weil ihm die aus seiner Sicht versprochenen VIP-Karten verwehrt wurden.
Seinen Frieden mit Union hat er getreu dem Motto „Einmal Unioner, immer Unioner“ trotzdem gemacht. Beim heutigen Union-Geschäftsführer Oskar Kosche hat sich Bertram für dessen Rauswurf als Sportdirektor im Jahr 2001 inzwischen entschuldigt. „Und ich freue mich auch ganz besonders über den Erfolg von Union. Ich weiß, dass Herr Zingler großen Anteil daran besitzt“, sagt Bertram.
Dass der aktuelle Union-Trainer Steffen Baumgart sein Herz an Union verloren hat, hängt übrigens auch mit dem Wirken von Bertram zusammen. Er setzte 2002 zusammen mit Vizepräsident Bernd Hofmann gegen den Willen von Chefcoach Wassilew die Verpflichtung des Stürmers Baumgart durch.
