Manfred Wolke ist tot: Boxwelt verliert einen der besten Trainer

Die Frankfurter Box-Legende Manfred Wolke ist tot. Der Olympiasieger von 1968 und spätere Erfolgstrainer von Henry Maske und Axel Schulz starb im Alter von 81 Jahren.
Peter Kneffel/dpaDie Sportstadt Frankfurt (Oder) und die Boxszene in Deutschland trauert um Manfred Wolke. Der Trainer hatte riesigen Anteil am Box-Boom der 1990er-Jahre in Deutschland. Der frühere Coach von Henry Maske und Axel Schulz starb bereits am vergangenen Mittwoch (29. Mai) im Alter von 81 Jahren nach langer schwerer Krankheit in einer Pflegeeinrichtung in seiner Heimatstadt Frankfurt/Oder. Henry Maske bestätigte dies am Montag unter Berufung auf die Familie. Zunächst hatte der Radiosender 91.7 Oderwelle berichtet.
Der frühere Box-Weltmeister Maske bedauert den Tod seines bedeutenden Coaches. „Im Boxsport war er immer für mich der erste Ansprechpartner, wenn es um Informationen, Haltung oder Strategien ging“, sagte der 60-Jährige in einem emotionalen Interview. Er betonte: „Was von allem bleibt, ist aber ein Mensch, der mein Leben sehr beeinflusst hat. Mich jetzt von ihm verabschieden zu müssen, macht mich sehr traurig.“
Wolke „hat nach der Wende Profiboxen salonfähig gemacht“
Wolke war an der Seite von Maske, der heute als „Gentleman“ bekannte Ex-Boxer 1988 in Seoul zum Olympiasieger im Mittelgewicht und 1993 als Profi Weltmeister im Halbschwergewicht wurde. Auch den Federgewichtler Rudi Fink führte Wolke 1980 in Moskau zu olympischem Gold.
Wolke – auch „Manne“ genannt – half vor allem dabei, das Boxen aus der Schmuddelecke auf die große Bühne zu bringen. Im wiedervereinigten Deutschland machte er sich im Sauerland-Boxstall endgültig einen Namen und brachte Maske groß heraus. Es folgten Kämpfe im Abendprogramm vor einem Millionenpublikum. „Er hat nach der Wende das Profiboxen in Deutschland salonfähig gemacht. Er war der Motor, dass Maske diese Erfolge hatte“, sagte Trainer-Ikone Ulli Wegner der dpa.
Der 1943 in Potsdam geborene Coach war selbst als Athlet eines der bedeutenden Gesichter des DDR-Sports. Und er holte große Erfolge. Als Weltergewichtler gewann Wolke 1968 in Mexiko City Olympia-Gold. Außerdem war er 1967 und 1971 Vize-Europameister. Bei den Sommerspielen 1972 in München trug er die DDR-Fahne ins Olympiastadion. „Er war sicherlich einer der weltbesten Trainer. Es gibt selten Sportler, die so erfolgreich sind und gleichzeitig so erfolgreich als Trainer arbeiten“, sagte Wegner.
Henry Maske über Manfred Wolke: „Auch nur ein Mensch“
Wolke trainierte Profis wie Danilo Häußler, 2001 Europameister im Supermittelgewicht, und Timo Hoffmann, Kai Kurzawa, Enad Licina sowie Artur Hein. Der strenge Wolke galt als besonderer und spezieller Charakter, der laut Maske mit wenigen Worten viel vermittelt habe.
Wolke trainierte auch Schwergewichtler Axel Schulz. Den hatte er ebenfalls schon zu Amateurzeiten gecoacht und trotz vieler Widerstände mit ins Profilager genommen. „Ohne Manne wäre ich nicht der geworden, der ich bin“, sagte Schulz auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Als 1995 das Angebot kam, gegen George Foreman zu boxen, überredete Wolke Schulz zu dem Kampf. Auch wenn der Deutsche am Ende nach Punkten umstritten unterlag, konnte er sich auf der großen Boxbühne präsentieren. „Das war mein Durchbruch. Er war der beste Trainer, den ich hatte“, schwärmte der frühere Schwergewichtsboxer.


