Radsport
: Altes Ziel mit neuem Trainer

Der Cottbuser Radsprinter Eric Engler will mit seinem neuen Trainer Bill Huck zu Olympia 2020 nach Tokio.
Von
Thomas Juschus
Cottbus
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Wollen in die Erfolgsspur: Eric Engler und Trainer Bill Huck

Thomas Juschus

Trotz mancher Rückschläge hat Engler seine Ziele aber nie aus den Augen verloren – auch wenn die Tendenz seit seiner starken Europameisterschaft 2016 (Silber 1000 Meter, Bronze  Teamsprint, Platz 4 Einzelsprint) eher etwas nach unten zeigte. „Ich möchte bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei sein. Das ist der Traum eines jeden Sportlers“, sagt der Oberfeldwebel der Bundeswehr mit Überzeugung.

Schon vor der WM im Frühjahr in Polen gab es erste Überlegungen, sich auf die Rolle des Anfahrers im Teamsprint zu spezialisieren. Auf diese Karte will Engler in den kommenden 15 Monaten nun setzen. „Der Weg über die Position eins im Teamsprint bietet die größten Möglichkeiten. Unser Niveau ist derzeit nicht Weltklasse“, sagt der Cottbuser. Seit dem Karriereende von René Enders hat Deutschland den Anschluss zur internationalen Spitze verloren. Robert Förstemann konnte das vereinzelt kaschieren, fährt jetzt aber Tandem im Paracycling. Und den jungen Sportlern wie Timo Bichler aus Dudenhofen und Nik Schröter aus Cottbus fehlen absolute Spitzenzeiten ebenso wie Konstanz.

Zusätzlich befördert wurden Englers Überlegungen durch eine Personalie am Olympiastützpunkt in Cottbus. Seit dem 1. Juni arbeitet Bill Huck hauptamtlich als Sichtungstrainer für den BMX-Bereich. Der 54-Jährige, 1989 und 1990 Amateur-Weltmeister im Sprint, hat aber vor allem einen Ruf als exzellenter Bahntrainer. Zuletzt führte Huck die holländischen Sprinter an die absolute Spitze, unter seiner Führung holten sie bei der EM 2017 in Berlin und der Heim-WM 2018 in Apeldoorn zahlreiche Medaillen, ehe es im Herbst vorigen Jahres nach internen Querelen zur Trennung kam.

„Ich kenne Bill schon einige Jahre und bin einfach auf ihn zugegangen“, berichtet Engler, der zuletzt der Gruppe von Eyk Pokorny angehörte, sein Training aber vor allem nach Plänen von Vater Dirk Engler gestaltete. „2017 und 2018 bin ich sehr auf Verschleiß gefahren. Wir haben es verpasst, die Grundlagen neu zu legen“, berichtet Engler. Unter Huck sollen Kraft- und Bahntraining sowie die Erholungsphasen besser ausbalanciert werden. „Die Idee, sich auf die Anfahrerposition zu konzentrieren, gab es schon vor der WM 2019. Da war es aber eher eine Hauruck-Aktion und hat nicht so funktioniert – jetzt sind wir auf dem richtigen Weg“, ist Engler überzeugt.

Die klare Aufgabenteilung war für Huck, für den die Betreuung Englers neben seiner Arbeit im BMX „Hobby“ ist, Voraussetzung. „Es wird gemacht, wie ich es für richtig halte“, sagt der Neu-Cottbuser. Neben einer Umstellung des Krafttrainings – mehr Qualität statt Quantität – sind vor allem die technischen Fähigkeiten beim Verlassen der Startmaschine die größten Herausforderungen. „Mit dem ersten Tritt kann man sehr viel gewinnen – aber auch verlieren“, erklärt Engler. Beim 29. Großen Preis von Deutschland heute und am Sonnabend wird der Cottbuser mit dem Track-Team Brandenburg auf der Position 1 im Teamsprint fahren. „Es ist jetzt vor allem wichtig, viel Wettkampfpraxis zu sammeln.“

Bundestrainer Detlef Uibel hält Englers Entscheidung für überfällig. „Ich wäre froh, wenn wir mit ihm neben den U-23-Fahrern Bichler und Schröter eine Alternative hätten. Eric hat sehr gute athletische Fähigkeiten, die er in Sprint und Keirin nicht so umsetzen konnte. Ich sehe seinen Schritt positiv – Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Ob der neue Weg funktionieren kann, sollen erstmals die deutschen Meisterschaften zeigen. Englers Bestzeit auf der ersten Runde mit stehendem Start steht seit 2016 bei 17,8 Sekunden. „Man darf jetzt keine Wunderdinge erwarten. Wir können die Sachen aus Holland auch nicht einfach kopieren, wissen nicht, ob es bei mir wirkt. Auf der anderen Seite sind die Niederlande derzeit der Maßstab im Sprint – also machen sie nicht viel falsch“, sagt Eric Engler. Und hofft, in neuer Position und mit neuem Trainer seinem Ziel Olympia so entscheidend näher zu kommen.

Top-Athleten beim Großen Preis in Cottbus

Die amtierende Sprint- und Keirin-Weltmeisterin sowie Vorjahressiegerin Wai Sze-Lee aus Hongkong steht an der Spitze der Startliste für den Großen Preis von Deutschland auf der Radrennbahn in Cottbus.

Mehr als 100 Teilnehmer aus zwölf Nationen haben für die 29. Auflage gemeldet. Bei den Männern trägt der ehemalige Weltmeister Azizulhasni Awang aus Malaysia die Favoritenbürde. Nach den Sprint-Wettbewerben am Freitag finden am Sonnabend die Keirin-Finals statt.

Die deutschen Top-Fahrerinnen und -Fahrer sind vier Wochen vor den deutschen Meisterschaften im Berliner Velodrom bei der letzten Standortbestimmung mit Ausnahme von Olympiasiegerin Miriam Welte aus Kaiserslautern und dem viermaligen Weltmeister Maximilian Levy aus Cottbus komplett dabei. Der Lokalmatador startet am Sonntag beim Ironman Germany in Frankfurt/Main erstmals bei einem Langdistanz-Triathlon.⇥dpa