Radsport: Das Dream-Team des Bahnradsports

„Wir sind so stolz auf unsere Papas“: Roger Kluge (links) und Theo Reinhardt feiern gemeinsam mit ihren Kindern Jenna und Pepe den erneuten Gewinn des WM-Titels im Madison.
(c) Arne MillSo richtig feiern konnten Roger Kluge und Theo Reinhardt ihren großartigen Triumph gar nicht. Nach den vielen Glückwünschen, der Siegerehrung und den Interviews hieß es am Sonntag nach der mit Bravour vollzogenen Verteidigung des Weltmeistertitels im Zweier-mannschaftsfahren (Madison) Sachen packen und ab mit dem Auto auf die rund 600 Kilometer lange Heimreise nach Berlin.
„Vielleicht ist ja noch ein Bier drin“, sagte Kluge mit einem Lächeln, „aber nur, wenn unsere Frauen das Steuer übernehmen.“ Mit den Frauen waren die beiden Lebensgefährtinnen Judith von Roger Kluge und Jane von Theo Reinhardt gemeint, die den Erfolg der Weltmeister live in der Halle von Pruszkow miterlebt hatten.
Fachleute wie Konkurrenten zeigten sich von der Leistung des deutschen Duos beeindruckt. Im Augenblick sind sie die besten Madison-Fahrer der Welt, was sich nicht nur am zweitenWM-Titel festmachen lässt. Physisch ungemein stark und auch taktisch ausgebufft, haben sie die Konkurrenz im Griff und können auf jede Rennsituation reagieren. Der 33 Jahre alte Kluge mit seiner von der Straße her erworbenen Rennhärte, der unwiderstehliche Vorstöße fahren kann – der fünf Jahre jüngere Reinhardt als sprintschneller Mann für die Spurts um Punkte. „Es macht einfach Spaß, mit Theo zu fahren“, sagt Kluge. Und Reinhardt meint: „Ohne Roger wäre ich nie zweimal Weltmeister geworden. Wir passen sportlich einfach gut zusammen.“
Dabei nötigt insbesondere die Leistung des Eisenhüttenstädters höchsten Respekt ab. Sonnabend war er mit seinem belgischen Profiteam Lotto-Soudal noch unter der Wüstensonne auf der Arabischen Halbinsel in Dubai unterwegs. Nach sechs Stunden Flug traf er tags darauf erst drei Stunden vor Wettkampfbeginn in Pruszkow ein. „Ich hatte vorher gesagt, dass das Rennen eine Wundertüte wird. Mit 1000 Kilometern in den Beinen und dem langen Flug ist es nicht ideal. Aber ich wollte den Titel verteidigen“, sagte Kluge. Und scherzhaft fügte er hinzu: „Nächstes Jahr zur WM in Berlin reicht es vielleicht, wenn ich eine Stunde vor Start da bin.“
Die Weltmeisterschaften in zwölf Monaten vor heimischem Publikum klingen schon jetzt in den Gedanken der Verantwortlichen des deutschen Verbandes mit. Keine Frage, mit dem Dreamteam Kluge/Reinhardt hat der Bund Deutscher Radfahrer ein echtes Aushängeschild für die Titelkämpfe im Velodrom. „Sie sind unser Zugpferd“, sagt Sportdirektor Patrick Moster. „Dass wir als Gastgeber dann die Titelverteidiger präsentieren können, ist für uns natürlich ein Glücksfall.“
Für Roger Kluge ist das Thema noch weit weg. Nach vier Tagen Abschalten bei der Familie wartet auf den Allrounder ab Sonntag bei der Fernfahrt Paris–Nizza bereits die nächste Aufgabe. Wie kaum ein Zweiter beherrscht er den Wechsel von der Straße auf die Bahn und wieder zurück. „Er ist in dieser Beziehung eine Ausnahmeerscheinung“, lobt Bundestrainer Sven Meyer, der nach dem Sieg vor Freude in Tränen ausgebrochen war. Und Kluges Lotto-Team hatte getwittert: „You’re a real Champ!“ Du bis ein echter Champion! Mehr ist nicht zu sagen.