Radsport: Goldener Freitag für deutsches Team

Rad an Rad: Gold-Mädchen Alessa-Catriona Pröpster (rechts) aus Ludwigshafen, hier bei ihrem Erfolg im Halbfinale über die Britin Emma Finucane
michael benkSo richtig Zeit und Gelegenheit, ihren großartigen Triumph in der Mannschafts-Verfolgung zu genießen, hatten die vier deutschen Junioren am Donnerstagabend nicht. Nach der Super-Fuhre im Finale, die das Quartett der Gastgeber mit Hannes Wilksch, Tobias Buck-Gramcko, Nicolas Heinrich und Pierre-Pascal Keup gegen Frankreich in der sensationellen Weltrekordzeit von 3:58,793 Minuten beendete, war das Tagewerk für die neuen Weltmeister noch lange nicht abgeschlos-sen.
„Sieger müssen grundsätzlich zur Dopingkontrolle – und das hat fast zwei Stunden gedauert, weil die Vier nur nacheinander getestet werden konnten“, berichtete Bundestrainer Tim Zühlke. Das Abendessen für die WM-Teilnehmer war da längst vorbei. „Da mussten die Jungs mit einer Mahlzeit aus der Assiette vorliebnehmen.“ Auch das Leben eines Weltmeisters ist eben manchmal kein Zuckerschlecken. Um 22.30 Uhr waren die jungen Rad-Helden schließlich im Bett. „Ich hatte ihnen noch gesagt, hängt eure Regenbogentrikots auf, schaut sie euch noch mal an und dann schlafen“, erzählte Zühlke am Freitagnachmittag.
Da ging das WM-Programm für drei der fünf deutschen Gold-Verfolger (auch der in der Qualifikation eingesetzte Moritz Kretschy hatte seine verdiente Medaille erhalten) ohne Pause weiter. Nach einer Stunde lockerer Ausfahrt auf dem Straßenrad hieß es für Nicolas Heinrich und Tobias Buck-Gramcko, alle Kraft in die Qualfikation der Einerverfolgung über 3000 Meter zu legen. Und als ob die Anstrengungen des Vortages nicht gewesen wären, zeigte sich das deutsche Duo auch als Solisten der Konkurrenz überlegen. Europameister Heinrich in deutscher Rekordzeit von 3:11,850 Minuten und Buck-Gramcko in 3:12,287 legten die besten Zeiten aufs Holzoval der Oderlandhalle und standen am Abend im Finale. Gold und Silber für die Gastgeber waren sicher, wobei der Deutsche Meister diesmal den Spieß gegen den Europameister umdrehen konnte und die nationale Bestmarke in 3:09,926 noch einmal steigerte.
Bundestrainer Tim Zühlke, der das Amt erst zu Jahresanfang übernommen hatte, hofft, dass aus seiner Truppe der eine oder andere Fahrer den Sprung in den Elitebereich schafft. „Das wäre wichtig, schon mit dem Blick auf Olympia 2024 in Paris. Es würde sich auf jeden Fall lohnen, mit diesen Jungs weiterzuarbeiten.“ Aber der Nachwuchs-Coach weiß auch, dass es die jungen Burschen meist auf die Straße zieht, weil dort die Verdienstmöglichkeiten einfach viel besser sind, als auf der Bahn. Und die Profiteams locken die Besten immer wieder mit guten Angeboten zu sich. So hat beispielsweise das deutsche WorldTour-Team Sunweb bereits seine Fühler nach Weltmeister Hannes Wilksch ausgestreckt.
WM-Programm am Wochenende
●Sonnabend11.00: Omnium m⇥Qualifikation11.48: 500 m Zeitfahren w⇥Qualifik.12.28: Sprint m⇥Viertelfinale, 1. Lauf12.44: Omnium m Scratch13.01: Sprint m⇥Viertelfinale, 2. Lauf13.17: Einerverfolgung w⇥Qualifikation14.42: Sprint m⇥Viertelfinale, ev. 3. Lauf14.46: Omnium m⇥Temporunden15.03: Punktefahren w⇥Qualifikation17.23: 500 m Zeitfahren w⇥Finale17.23: Omnium m ⇥Ausscheidungsf.17.49: Sprint m⇥Halbfinale, 1. Lauf17.57: Punktefahren w⇥Finale18.27: Sprint m⇥Halbfinale, 2. Lauf18.43: Sprint m ⇥Halbfinale, ev. 3. Lauf18.47: Einerverfolgung w⇥Finale18.55: Sprint m Finale⇥1. Lauf19.11: Omnium m⇥Punktefahren19.46: Sprint m⇥Finale, 2. Lauf20.02: Sprint m ⇥Finale, ev. 3. Lauf
● Sonntag11.30: Keirin w⇥1. Runde12.01: 1000 m Zeitfahren m⇥Qualifik.13.13: Keirin w ⇥Hoffnungsläufe13.44: Madison w⇥Qualifikation14.14: Madison m⇥Qualifikation16.00: Keirin w⇥2. Runde16.12: Madison w⇥Finale16.42: 1000 m Zeitfahren m⇥Finale17.28: Keirin w⇥Finale17.34: Madison m⇥Finale