Radsport: Tokio ist das Ziel der schnellen Emma

Jung und erfolgreich: die Cottbuserin Emma Hinze
(c) Arne Mill„Dass ich hier gewinne – damit habe ich ehrlich nicht gerechnet“, sagte die junge Frau mit den langen blonden Haaren und lächelte. „Ich konnte mich vor dem Rennen nicht richtig einschätzen. Aber dann lief alles gut, die Übersetzung stimmte, und ich kam schnell auf Tempo.“ In starken 33,743 Sekunden blieb Emma Hinze als einzige Fahrerin unter der bedeutsamen 34-Sekunden-Marke und verbesserte „nebenbei“ ihren Hausrekord um neun Hundertstel. Die elffache Meisterin und Titelverteidigerin Miriam Welte, 2014 und 2018 Weltmeisterin in dieser nichtolympischen Disziplin, musste sich in 34,005 geschlagen geben.
Emma Hinze ist damit auf dem besten Weg, zur Überfliegerin der Meisterschaften zu werden, denn sie absolviert das volle Programm mit Starts in allen vier Kurzzeit-Disziplinen: am Freitagabend (nach Redaktionsschluss) den Teamsprint zusammen mit Miriam Welte sowie am Sonnabend und Sonntag noch Keirin (als Titelverteidigerin) und Sprint.
Das Rennen um die Startplätze bei den nächsten Höhepunkten mit den Europameisterschaften im Oktober in Apeldoorn und den Weltmeisterschaften Ende Februar in Berlin ist damit bei den deutschen Sprinterinnen eröffnet. Das große Ziel aber ist Olympia 2020 in Tokio. „Das wird ein harter Kampf zwischen uns vier“, weiß Emma Hinze. Uns vier – das sind neben Hinze und Welte die beiden mehrfachen Junioren-Weltmeisterinnen Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich. Anders als bei EM und WM ist die Zahl der Starterinnen bei Olympia aber stark limitiert. Nur zwei Sprinterinnen pro Land können in Tokio dabei sein.
Gedanken ans Karriereende
Emma Hinze will im nächsten Jahr eine der beiden Frauen sein, die Bundestrainer Detlef Uibel mit nach Fernost nimmt. „Ja, das ist mein festes Ziel. Dafür werde ich hart arbeiten“, sagt sie mit fester Stimme. Dabei war die gebürtige Hildesheimerin, die seit 2015 in Cottbus trainiert und als Juniorin bei EM und WM nahezu alles an Medaillen abräumte, was abzuräumen war, noch vor nicht allzu langer Zeit mit Problemen an Knie und Rücken in ein tiefes sportliches Loch gefallen. Olympia in Rio erlebte sie zwar – allerdings nur als Ersatzfahrerin. Als die Beschwerden nicht enden wollten, kamen sogar Gedanken an ein frühzeitiges Karriere auf.
Erst als Emma Hinze wieder die Zusammenarbeit mit Alexander Harisanow suchte, der als Lehrertrainer im Cottbuser Leistungszentrum arbeitet, fand sie in die Erfolgsspur zurück. Seitdem rollt es im wahrsten Wortsinne für die Sportsoldatin wieder. Die Bronzemedaille – ihre erste WM-Plakette bei den Frauen – in Pruszkow Anfang des Jahres im Teamsprint zusammen mit Miriam Welte war ein erster Beleg dafür. Möglich, das dieses Duo auch in Tokio dabei sein wird. „Aber noch ist längst nichts entschieden“, weiß Emma Hinze nur zu gut. „Die Konkurrenz im eigenen Lager ist groß.“
Jürgen Leibner