Union Berlin: Bitterer Rückschlag beim VfL Bochum – Bjelica sortiert den Kader
Der 1. FC Union Berlin hat in der Fußball-Bundesliga einen bitteren Rückschlag erlitten. Die deutliche 0:3 (0:1-)-Niederlage im Kellerduell beim VfL Bochum stoppt vorerst den Aufwärtstrend, den der neue Trainer Nenad Bjelica ausgelöst hatte.
Takuma Asanoa (45.+5), Goncalo Paciencia (54.) und Kevin Stöger (78./Foulelfmeter) trafen für die Bochumer, die damit einen wichtigen Schritt aus dem Tabellenkeller schafften. Union hingegen bleibt weiterhin bei nur drei Siegen und hat am Mittwoch noch die Möglichkeit, im letzten Spiel des Jahres zu Hause gegen den 1. FC Köln zu punkten.
Zuvor müssen die Berliner die Enttäuschung über den trostlosen Auftritt in Bochum verarbeiten. Trainer Nenad Bjelica konstatierte: „Mit so einem Gegner, der lauffreudiger war, giftiger war, schneller war in jedem Zweikampf – da waren wir heute kein Gegner für Bochum.“
Kapitän Rani Khedira kritisierte mit deutlichen Worten: „Wenn du nicht kompakt stehst und nicht deine Positionen einhältst, die abgesprochen sind, dann ist es schwierig, in der Bundesliga Punkte zu holen.“
Becker zurück in der Startelf – Fofana nicht im Kader
Bei den Eisernen war Sheraldo Becker zurück in der Startelf, nachdem er wegen einer Verletzung einen Monat in der Bundesliga nicht zur Verfügung gestanden hatte. Trainer Nenad Bjelica verzichtete dagegen erneut auf David Fofana. Der Leihspieler vom FC Chelsea stand wie schon zuletzt beim Sieg gegen Borussia Mönchengladbach nicht im Kader.
Der Coach hatte die Einstellung des Angreifers öffentlich bemängelt, der Ivorer gilt inzwischen als einer der Streichkandidaten für die Winterpause. Lucas Tousart war am Samstag ebenfalls nicht im Aufgebot. Der 1. FC Union ist offenbar dabei, unter dem neuen Trainer den Kader für den bevorstehenden Abstiegskampf zu sortieren. Aus der Türkei gibt es zudem Meldungen, dass die Eisernen am nordmazedonischen Nationalspieler Enis Bardhi (28) von Bjelicas früherem Clubs Trabzonspor interessiert seien.
Stimmungsboykott der Fans von Union Berlin und Bochum
Union begann wie zuletzt gegen Real Madrid stürmisch und hatte bereits nach 37 Sekunden durch Kevin Volland die erste Möglichkeit. Beide Mannschaften hatten zu Beginn das Visier nach oben geklappt und lieferten sich einen Schlagabtausch bei seltsamer Atmosphäre. Die Fanszenen beider Clubs beteiligten sich am zwölfminütigen Stimmungsboykott, um gegen den DFL-Entscheid zu protestieren, der einen künftigen Einstieg eines Investors ermöglicht hatte.

Die Fans des 1. FC Union Berlin beteiligten sich auch wie die Fanszene des VfL Bochum am bundesweiten Stimmungsboykott. In den ersten zwölf Minuten herrschte aus Protest gegen die Deutsche Fußball-Liga schweigen in den Fanblocks.
David Inderlied/dpaZum Ende der Schweigeminuten warfen zudem die Union-Fans Unmengen von Tennisbällen auf das Spielfeld, die Partie musste für vier Minuten unterbrochen werden. Danach geriet Union im Spielverlauf immer mehr ins Hintertreffen. Berlins Keeper Frederik Rönnow parierte zwar wie schon zuletzt in der Champions League zweimal überragend gegen Goncalo Paciencia (27.) und Takuma Asano (31.). In der fünften Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte war er dann aber gegen Asano machtlos.
Union-Schokolade für Torschütze Asano
Nach einem Eckball hatte Benedict Hollerbach den Japaner am langen Pfosten aus den Augen gelassen – der entscheidende Fehler vor diesem Gegentor. Bittersüße Geschichte am Rande: Torschütze Asano hatte sich zuvor einen Schokoladentaler schmecken lassen, der mit den Tennisbällen aus dem Union-Block geflogen war.
Union verzeichnete bis zur Pause indes nur wenig Möglichkeiten. Allein ein Kopfball von Diogo Leite (37.) und ein abgeblockter Schuss von Hollerbach (40.) waren halbwegs gefährlich. Nach dem Seitenwechsel versuchten die Berliner, mehr Zug zum Tor zu entwickeln. Dabei ließen sie sich aber klassisch auskontern: Kapitän Rani Khedira stand nicht gut postiert zu Asano und konnte den Bochumer Angriff nicht stoppen – Pacienca vollendete unhaltbar ins Eck (54.).

Zum Abschluss des zwölfminütigen Stimmungsboykotts warfen die Union-Anhänger unzählige Tennisbälle auf das Spielfeld. Die Partie musste für vier Minuten unterbrochen werden.
David Inderlied/dpaDanach hatte Union den euphorisierten Gastgebern nichts mehr entgegenzusetzen. Die Berliner gewannen kaum noch Zweikämpfe, stattdessen verursachte Diogo Leite noch einen Foulelfmeter. Stöger verwandelte sicher zur Entscheidung (78.).
Ein frustrierender Nachmittag für die Eisernen. Trainer Bjelica kassierte sogar noch eine Gelbe Karte, weil er sich zu sehr über die Elfmeter-Entscheidung nach Videobeweis aufgeregt hatte. Der dritte Advent dürfte an der Alten Försterei alles andere als ein fröhlicher Sonntag werden.





