Union Berlin: Bjelica vor Aus ‒ wer wird neuer Trainer?

Laut Fachmagazin „Kicker“ sind die Tage von Nenad Bjelica als Trainer des 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga gezählt.
Tom Weller/dpaIn der Fußball-Bundesliga kämpft der 1. FC Union Berlin am Sonntag gegen den VfL Bochum weiter um den Klassenerhalt. Die Partie gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf könnte der vorletzte Auftritt von Nenad Bjelica als Trainer der Eisernen im Stadion an der Alten Försterei sein.
Laut Fachmagazin „Kicker“ ist die Trennung vom Kroaten beim 1. FC Union nach Saisonende bereits beschlossene Sache. Damit beginnt nun erneut die Trainersuche für die Verantwortlichen in Köpenick. Die Schwierigkeit dabei: Noch steht nicht fest, für welche Liga ein neuer Chefcoach gesucht wird.
Im September 2023 war Bjelica ein Überraschungskandidat. Eigentlich wurden Oliver Glasner oder auch Ralph Hasenhüttl als mögliche Trainer gehandelt. Steffen Baumgart galt ebenso als Kandidat wie der Ex-Mainer Bo Svensson.
Vom vermeintlichen Trainer-Beben beim 1. FC Union Berlin bekam Nenad Bjelica zunächst nichts mit. Der Kroate bereitete seine Mannschaft bei Kaiserwetter auf das richtungsweisende Spiel gegen den VfL Bochum vor, als ein Bericht über sein Ende in Köpenick aufpoppte. Wie der „Kicker“ am Mittwoch vermeldete, hat das Projekt Bjelica bei Union keine Zukunft. Der stark abstiegsbedrohte Bundesligist und der strenge Osteuropäer sollen sich im Sommer trennen ‒ ob der Klassenerhalt gelingt oder nicht.
Bjelica als Wunschlösung von Präsident Zingler
Der Verein wollte sich zu den Gerüchten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht äußern. Überraschend wäre die Trennung jedenfalls nicht. Ja, nach seiner Amtsübernahme im November hatte Bjelica die Berliner aus dem Tabellenkeller auf Rang zwölf geführt und vorübergehend stabilisiert. Doch auf das zwischenzeitliche Hoch folgte der erneute Absturz. Nach nur einem Sieg aus neun Spielen herrscht Krisenstimmung rund um die Alte Försterei.
Bjelica sollte nach dem Abgang von Erfolgstrainer Urs Fischer die nächste Ära bei den Unionern prägen. Der frühere Bundesliga-Profi des 1. FC Kaiserslautern hatte bei seinem Start keine Trainer-Erfahrung in Deutschland oder außerhalb seiner kroatischen Heimat auf internationalem Top-Niveau vorzuweisen. Dem Vernehmen nach war der 52-Jährige die Wunschlösung von Club-Präsident Dirk Zingler gewesen.
Bjelicas Spielvorbereitung stößt auf Kritik
In fünf Monaten schaffte es Bjelica aber nicht, aus einem verunsicherten Kader eine selbstbewusste Mannschaft zu formen. Ausbleibende Erfolgserlebnisse, die zweitschlechteste Offensive der Liga und fußballerische Magerkost: Vor dem Kellerduell mit Bochum an diesem Sonntag ist der Vorsprung vor dem Relegationsplatz auf zwei Zähler geschrumpft. Union, das mit der Champions-League-Qualifikation in der Vorsaison den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte feierte, muss zittern.
Bjelica wird offenbar nicht zugetraut, die Mannschaft auf lange Sicht weiterzuentwickeln. Sein Rückhalt bröckelt. Bei der Clubführung hat der Kroate schon länger keinen einfachen Stand. Wie der „Kicker“ berichtete, soll das Präsidium zu Wochenbeginn sogar darüber diskutiert haben, noch vor dem Spiel gegen Bochum die Reißleine zu ziehen.
Zuletzt mehrten sich außerdem Gerüchte über eine Entfremdung mit Teilen des Teams. Bjelicas Spielvorbereitung, etwa der Verzicht auf Videoanalysen, sollen nach „Kicker“-Informationen einige Spiele kritisch sehen.
Bjelica stand schon im Januar vor dem Aus
Schon im Januar diskutierte man in Köpenick über eine vorzeitige Trennung, nachdem Bjelicas Ausraster gegen Leroy Sané für mächtig viel Aufsehen und unzählige Negativschlagzeilen gesorgt hatte. Bei einem Disput an der Seitenlinie hatte der 52-Jährige dem Offensivspieler des FC Bayern München aggressiv ins Gesicht gefasst. Vom DFB-Sportgericht wurde er dafür für drei Spiele gesperrt.
Danach half er zwar dabei, die Unioner etwas zu stabilisieren und die Talfahrt zu stoppen. Allerdings gibt es weiterhin große Probleme in der Offensive. Deshalb hat sich die Tor-Misere längst zum Existenzkampf ausgeweitet. „Mit fünf oder sechs Toren mehr“, sagte Trainer Nenad Bjelica nach dem 0:0 zuletzt bei Borussia Mönchengladbach, „würden wir nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben.“
Gegen Bochum sollen am Sonntag deshalb Tore her. Für den Klassenerhalt ‒ und so wie es aussieht auch für Bjelica als vorzeitige Abschiedsgeschenke.


