Union Berlin
: Bo Svensson von Mainz-Fans gefeiert – „Mainzer Herz in der Brust“

Union-Berlin-Trainer Bo Svensson erlebte eine emotionale Rückkehr zum FSV Mainz 05. Dabei gab es auch eine leidenschaftliche Diskussion an der Seitenlinie.
Von
Peter Mertes
Mainz
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1BL Mainz 05 - 1. FC Union 2024/25: Fussball, Herren, Saison 2024/25, 1. Bundesliga (1. Spieltag), 1. FSV Mainz 05 - 1. FC Union Berlin (1:1), v. l. Trainer Bo Svensson (1. FC Union Berlin), Co-Trainer Babak Keyhanfar (1. FC Union Berlin), 24.08. 2024, Foto: Matthias Koch

Emotionen: Für Bo Svensson (l.) und seinen Co-Trainer Babak Keyhanfar war es mit Union Berlin eine ganz besondere Rückkehr zum Bundesliga-Spiel bei Mainz 05.

Matthias Koch

Ganz so Recht schien Bo Svensson die ganze Aufmerksamkeit nicht zu sein, die sich am Samstag (24. August) auf ihn statt die Bundesliga-Partie von Union Berlin gegen Mainz 05 (1:1) richtete. „Ich war froh, als das Spiel angefangen hat, weil das den Fokus auf den Fußball gebracht hat“, gestand der neue Union-Trainer nach dem Spiel.

Aber wie konnte sich die Aufmerksamkeit am ersten Spieltag auch nicht auf ihn richten? Der Spielplan führte Svenssons neues Team zu dem Verein, den er 16 Jahre als Spieler, Co-Trainer, Jugendtrainer und schließlich Chefcoach prägte. Und in die Stadt, die ihn 16 Jahre prägte: Svenssons ältester Sohn wurde in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt geboren, als der Trainer später beim FC Liefering in Österreich arbeitete, blieb seine Familie in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt wohnen.

Union-Trainer Bo Svensson bekommt Gesänge von Mainz-Fans

„Es war besonders, keine Frage“, sagte der 45-Jährige nach dem Spiel über seine Rückkehr, wollte aber nicht zu viele Emotionen nach außen kehren und meinte lediglich: „Vorm Spiel war es schon ein bisschen komisch.“ Auf eine Platzbegehung verzichtete der Däne und erklärte humorvoll: „Ich gehe nie auf den Platz vor dem Spiel. In Greifswald war es eine Ausnahme, da war so viel Zeit und die Kabine klein.“

Auf den Platz musste der Union-Coach natürlich trotzdem, weil das Interview mit Fernsehsender Sky anstand. Die Mainzer Fans feierten ihn mit Gesängen, beim Verlesen der Gästeaufstellung gab es für Svensson genauso lauten Applaus wie später für die Mainzer Spieler. Stadionsprecher Andreas Bockius hatte eine emotionale Botschaft im Gepäck: „Wir begrüßen ihn hier in seiner Heimat in Mainz, in seiner Brust schlägt das Mainzer Herz.“

Svensson begleitet Union Berlin an der Seitenlinie emotional

Bei aller Mainz-Liebe tat der Union-Trainer aber sein Möglichstes für einen Berliner Erfolg. Das wurde schon früh deutlich, nachdem Svensson auf der ihn für ungewohnten Gästebank in der Mewa Arena Platz genommen hatte. Nach zehn Minuten hatte der Trainer bereits drei Gespräche mit dem Vierten Offiziellen hinter sich.

Sein neues Team begleitete der Däne gewohnt emotional und nutzte jede Gelegenheit, um sich für seine Spieler einzusetzen, die sich harte Zweikämpfe lieferten. In einen zumindest verbalen Zweikampf ging auch Svensson, als er in der Schlussphase mit seinem Landsmann, Nachfolger und Namensvetter Bo Henriksen auf der Mainzer Bank mit großen Gesten diskutierte.

1BL Mainz 05 - 1. FC Union 2024/25: Fussball, Herren, Saison 2024/25, 1. Bundesliga (1. Spieltag), 1. FSV Mainz 05 - 1. FC Union Berlin, v. l. Trainer Bo Svensson (1. FC Union Berlin), Trainer Bo Henriksen (Mainz 05), 24.08. 2024, Foto: Matthias Koch

Im Gespräch: Die beiden Trainer Bo Svensson (Union Berlin, l.) und Bo Henriksen (Mainz 05) lieferten sich beim Bundesliga-Spiel ihrer Mannschaft eine leidenschaftliche Diskussion, die diplomatisch endete.

Matthias Koch

Union-Trainer Svensson diskutiert mit Mainz-Coach Henriksen

Als die beiden Trainer später die Pressekonferenz betraten, unterhielten sie sich angeregt in ihrer Muttersprache. Was das Thema dabei war? „Gut, dass Sie kein Dänisch verstehen“, scherzte Henriksen nach einer entsprechenden Journalisten-Frage. Der Mainzer Trainer wollte die dänische Debatte aus dem Spiel nicht zu hoch hängen: „Am Ende des Tages ist das Fußball. Man redet, man ist emotional – wenn es nicht so wäre, würde Fußball keinen Spaß machen. Nach dem Spiel interessiert das aber nicht mehr.“

Svensson pflichtete dem bei: „Es versuchen beide mit allen Mitteln zu gewinnen und unsere Mannschaften zu pushen, das ist normal.“ Pushen konnte Svensson seine Mannschaft nicht nur verbal, sondern auch mit einem Dreifachwechsel: In der 72. Minute kamen mit Jannik Haberer, Tim Skarke und László Bénes drei neue Kräfte ins Spiel, zwei Minuten später kombinierten sich Skarke und Torschütze Bénes zum Ausgleich.

Es war die einzige kleine Überraschung, die Svensson seinem Ex-Verein in einem ausgeglichenen Spiel bereiten konnte. Ansonsten wussten beide Teams genau, was sie erwartet: „Es war wie erwartet ein sehr intensives Spiel, wie es Duelle zwischen Mainz und Union oft sind“, bilanzierte der Union-Coach über das gerechte 1:1-Remis.