Union Berlin: Druck auf Trainer Urs Fischer wächst – „keine Jobgarantie“

Trainer Urs Fischer steht für den Erfolg von Union Berlin in den vergangenen Jahren. In der laufenden Bundesliga-Saison hat Fischer neun Niederlagen in Folge kassiert.
David Inderlied/dpaXabi Alonso genoss mit Bayer Leverkusen die Tabellenführung – Urs Fischer saß nachdenklich daneben. Denn er kämpft mit dem 1. FC Union Berlin um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga. Die Gefühlslage der beiden Trainer hätte nach der 0:4-Niederlage des FCU in Leverkusen nicht unterschiedlicher sein können.
Dabei ist es an sich schon ein kleines Wunder, dass Urs Fischer überhaupt noch auf der Trainerbank der Köpenicker sitzt. Neun Bundesliga-Niederlagen in Folge, seit 419 Minuten ohne eigenen Torerfolg, dazu der Absturz auf den letzten Tabellenplatz – Fischer nimmt einen Sack voller Probleme mit in die Länderspielpause.
All das sind Horror-Zahlen, die in anderen Clubs die Trainer schon reihenweise zu Fall gebracht haben. Und längst wird auch in Berlin-Köpenick, also dem Urs-Fischer-Land, die entscheidende Frage diskutiert: Ist der 57-jährige Schweizer noch der richtige Mann, um Union Berlin aus der schlimmsten Krise seit dem Aufstieg vor viereinhalb Jahren zu führen? Die Erfolge der Vergangenheit sind zwar eng mit dem Namen Urs Fischer verbunden. Den Nachweis des Krisenmanagers konnte er in der Gegenwart aber bislang nicht erbringen.
Hat Urs Fischer noch das Vertrauen der Vereinsführung?
Präsident Dirk Zingler stapfte nach dem 0:4 in Leverkusen mit versteinertem Gesicht aus der Kabine. Zingler lief wort- und grußlos an den Journalisten vorbei. Der Absturz des Clubs geht dem Vereinschef sichtlich nahe. Vor der 0:3-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt hatte Zingler im Stadionheft noch ein flammendes Statement pro Urs Fischer abgegeben. Er stellte mit Blick auf den Kampf um den Klassenerhalt klar, dass man an Fischer nicht aus Dankbarkeit für seine Leistungen in der Vergangenheit festhalte, „sondern weil wir überzeugt davon sind, dass er ein hervorragender Trainer ist, der diese schwierige Aufgabe lösen kann“.
Aber mit jeder Niederlage wächst der Druck auf Fischer. Und damit auch auf Dirk Zingler. Einerseits weiß Zingler, dass der Erfolg der Eisernen in den vergangenen Jahren untrennbar mit Urs Fischer verbunden ist. Andererseits muss der Präsident zum Wohle des Clubs in der Zukunft entscheiden.
Wie sieht Urs Fischer seine Situation bei Union Berlin?
Der Coach der Eisernen gab sich auch nach dem Debakel in Leverkusen kämpferisch und kündigte harte Arbeit in der Länderspielpause an. „Es geht um Körpersprache und Mentalität. Wenn du um den Klassenerhalt spielst, gilt es zu kämpfen. Wir werden versuchen, die 14 Tage bestmöglich zu nutzen, um wieder stabiler zu sein“, sagte Fischer.
Seit 2018 ist der Schweizer bei Union Berlin im Amt. Aber auch Urs Fischer weiß, dass er die unerbittlichen Gesetze der Profifußball nicht dauerhaft außer Kraft setzen kann. Er braucht also endlich Siege. So sieht Fischer seine persönliche Situation: „Ich nehme weiterhin das Vertrauen wahr. Der Club hat sich ja auch deutlich geäußert. Ich habe aber auch gesagt, dass es keine Jobgarantie ist. Die Situation wird immer wieder von Neuem beurteilt.“
Wie steht die Mannschaft zu Urs Fischer?
Fest steht: Sie spielt auf keinen Fall gegen Urs Fischer. „Wir haben weiter Vertrauen zum Trainer, das kann ich zu einhundert Prozent sagen. Wir haben einen guten Charakter in der Mannschaft. Wir werden das nie hinterfragen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Wir versuchen, immer unser Bestes zu geben“, versichert Christopher Trimmel. Grundsätzlich will sich der Kapitän aber aus der Trainerfrage raushalten: „Es ist nicht unsere Aufgabe, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Wir sind für das Sportliche zuständig. Der Rest hat uns nicht zu interessieren.“
Wie stehen die Fans zu Urs Fischer?
Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt schallten noch laute Urs Fischer-Sprechchöre durch das Stadion An der Alten Försterei. Doch die Kritik am Schweizer wächst – vor allem in den Sozialen Netzwerken.
Dort betonen zwar viele Fans des 1. FC Union Berlin, dass man Fischer vieles zu verdanken habe und notfalls auch in die 2. Fußball-Bundesliga mit ihm gehen würde. Andere jedoch hinterfragen, ob man die Entwicklung der vergangenen Jahre nun zunichtemachen wolle, indem man nicht reagiert. „Bei aller Dankbarkeit für Urs [...], aber es geht um den Verein. Und der muss erstklassig bleiben, sich entwickeln, das Nachwuchsleistungszentrum entwickeln und es geht um Arbeitsplätze. Der Verein muss jetzt reagieren“, schreibt einer. Ein anderer sagt: „Aktionismus ist sicher kein guter Ratgeber, aber sehenden Auges die Basis des Vereins gefährden, geht auch nicht.“
Wie wichtig sind die nächsten Spiele für Urs Fischer?
Die Antwort auf diese Frage lässt sich mit einem einzigen Wort zusammenfassen: überlebenswichtig! Vor allem im ersten Spiel nach der Länderspielpause gegen den FC Augsburg am 25. November muss Union Berlin mit Fischer im heimischen Stadion An der Alten Försterei die Wende schaffen. Denn anschließend reisen die Eisernen zu Bayern München, wo die Erfolgschancen eher gering sind.
In den drei verbleibenden Spielen gegen Borussia Mönchengladbach, VfL Bochum und den 1. FC Köln sind Erfolgserlebnisse gefragt. Ob mit oder ohne Urs Fischer werden die nächsten Wochen zeigen.
