Bundesliga Union Berlin: Schweigen im Block – Weckruf der Fans in der schlimmen Krise

Das hat es lange nicht mehr bei Union Berlin gegeben: Nach der 0:4-Niederlage in Leverkusen schlug den Spielern ein Schweigen aus der Fankurve entgegen.
Matthias KochUpdate: Der 1. FC Union Berlin hat am Mittwoch die Trennung von Trainer Urs Fischer bekannt gegeben. Hier erklärt Präsident Dirk Zingler die Hintergründe für diese Entscheidung.
Die Mannschaft wird vorerst von Marco Grote und Co-Trainerin Marie-Louise Eta übernommen. Sie sorgt damit für ein Novum in der Fußball-Bundesliga. Hier gibt es alle Informationen in über die erste Co-Trainerin der Bundesliga-Geschichte.
Die Fans des 1. FC Union gelten als verlässlicher Indikator für die Stimmung in Berlin-Köpenick. Nach dem 0:4-Debakel bei Bayer Leverkusen machten die Anhänger das, was sie schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gemacht haben: Sie verweigerten der Mannschaft den Support.
Das Verhalten der Fans war eine unmissverständliche Botschaft: Es läuft derzeit etwas schief in Köpenick – und zwar gewaltig. Nach der neunten Niederlage in Folge sind die Eisernen in der Fußball-Bundesliga auf den letzten Tabellenrang abgestürzt.
An sich wäre das nach dem 11. von 34 Spieltag zunächst einmal eine statistische Notiz. Aber: Union ist nicht nur Tabellenletzter. Union trat in der letzten Partie vor der Länderspielpause auch wie ein Schlusslicht auf. „Wir haben deutlich gesagt, dass wir um den Klassenerhalt spielen. Dafür war das einfach zu wenig“, kritisierte Trainer Urs Fischer nach dem chancenlosen Auftritt beim Tabellenführer.
Das sah offenbar auch der Großteil der rund 1400 Union-Fans in der BayArena so. Denn nach dem Schlusspfiff passierte etwas Bemerkenswertes im Gästeblock: nämlich gar nichts. Normalerweise wird die Mannschaft auch nach Niederlagen supportet – zuletzt sogar nach der sechsten, siebten oder achten Pleite am Stück. Auch am Sonntag kamen die Spieler wie gewohnt in die Fankurve. Statt des gewohnten Beifalls und den gemeinsam geballten Fäuste schlug ihn diesmal eisiges Schweigen entgegen. Erst als sich die Spieler wieder umdrehten, gab es vereinzeltes Klatschen von einigen Fans.
Kapitän Christopher Trimmel ging zwar kurz auf die Fans zu – zumindest an diesem Tag gab es vonseiten der Anhänger jedoch keinen Gesprächsbedarf. Trimmel zeigte Verständnis dafür. „Ganz ehrlich – das verstehe ich komplett. Am Ende gibt es nicht viel zu sagen. Wir sind Letzter und haben 0:4 verloren“, erklärte er.
Die Ultras hatten ihren stimmlichen Support sogar schon gegen Ende des Spiels eingestellt. Auch das kommt nicht oft vor bei Union Berlin. Das kollektive Schweigen in Leverkusen klang wie ein lauter Weckruf an das Team. Christopher Trimmel erinnerte seine Mitspieler indirekt noch einmal daran, dass es in vielen anderen Stadien in vergleichbaren Situation vermutlich ein gellendes Pfeifkonzert gegeben hätte. „Die Fans kommunizieren sehr direkt mit. Uns geht es gut bei diesem Verein, weil der Support unglaublich ist. Das kennen viele Spieler auch anders“, erklärte der Kapitän.
Allerdings ist das Schweigen von Leverkusen nur auf den ersten Blick überraschend. In den sozialen Medien wurde aufgrund der vielen Niederlagen schon seit Wochen die brisante Diskussion geführt, wie man die Mannschaft am wirkungsvollsten aufwecken kann. Mit Schweigen? Oder gar mit Pfiffen? Auch bei der Mannschaft ist diese Diskussion angekommen. „Die Unterstützung ist etwas ganz Besonderes und einzigartig“, sagte Rani Khedira kürzlich. Manchmal sei das aber vielleicht gar nicht so angebracht, wenn man immer wieder verliert, so mutmaßte Khedira.
Union Berlin muss sich Unterstützung erkämpfen
Nun hat es den Anschein, dass sich die Profis von Union Berlin die jahrelang selbstverständliche Unterstützung durch die Fans erst wieder erkämpfen müssen. Am 25. November geht es im Stadion An der Alten Försterei mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg weiter. In den nächsten Tagen haben beide Seiten erst einmal Zeit, das Schweigen von Leverkusen zu verarbeiten. Der Verein hat angekündigt, dass in dieser Woche sämtliche Trainingseinheiten nichtöffentlich sind.
Klar ist natürlich, dass die Fans das Team weiterhin unterstützen wollen – und sei es eben mit einem schweigenden Weckruf wie in Leverkusen. Trainer Urs Fischer weiß, dass die Mannschaft die Fans am besten mit Siegen wieder versöhnen kann. Mit Blick auf die bisherige Rückendeckung für das Team und auch für sich selbst, erklärte Fischer: „Wenn du die Unterstützung der Fans genießt, obwohl es beschissen läuft, kann das ein wichtiger Punkt sein, um wieder in die Spur zu kommen.“ Im Moment signalisiert der Fan-Indikator jedoch erst einmal eine ziemlich angespannte Stimmung in Köpenick.


