Union Berlin gegen Bayern München: Verwegene Idee für mehr Torgefahr – „es kotzt mich an“

Torflaute in der Fußball-Bundesliga: Danilho Doekhi (Mitte) gehört zu den kopfballstärksten Spielern im Kader von Union Berlin
Arne Dedert/dpaWenn der 1. FC Union Berlin am Samstag (20. April) in der Fußball-Bundesliga auf Bayern München trifft, dann hängt in diesem ungleichen Duell natürlich viel von der Tagesform des hochkarätigen Gegners ab. Es kommt aber auch darauf an, ob die Eisernen aus Köpenick endlich ihre Torflaute beenden können.
„Ich hoffe, dass wir am Samstag effektiver sind als zuletzt. Wir hatten zwar unsere Chancen, aber wir haben vor dem Tor zu wenig Konsequenz gezeigt“, sagt Trainer Nenad Bjelica vor dem Heimspiel gegen den deutschen Rekordmeister. Anstoß ist um 18.30 Uhr im Stadion An der Alten Försterei. Seine Kurzzusammenfassung der vergangenen Spiele: „Torgefährlich ja, aber nicht effektiv.“
In der Tat zieht sich diese Torflaute wieder ein roter Faden durch die letzten Wochen. In 29 Spielen hat Union Berlin erst 25 Tore erzielt. Sogar das abgeschlagene Schlusslicht SV Darmstadt ist mit 28 Treffern in diesem Bereich besser als der FCU. Lediglich der 1. FC Köln (23) hat noch weniger Tore erzielt als die Eisernen. Inzwischen hat diese Torflaute den 1. FC Union wieder an den Rand der Abstiegszone gebracht. Der Relegationsplatz 16 ist nur noch drei Punkte entfernt. Und die Tordifferenz von minus 20 könnte zum Problem im Kampf um den Klassenerhalt werden.
Ein Grund für die Torflaute ist aus Sicht von Nenad Bjelica die fehlende Bundesliga-Erfahrung von Spielern wie Benedict Hollerbach (22 Jahre), Mikkel Kaufmann (23) oder auch Yorbe Vertessen (23). „Das sind alles junge Leute, die vielleicht noch etwas Zeit brauchen. Wir müssen Geduld mit ihnen haben, weiterarbeiten und sie unterstützen“, betont der Kroate. Lediglich Kevin Volland (31) besitzt deutlich mehr Erfahrung auf diesem Niveau – Volland ist aber eher im offensiven Mittelfeld als ganz vorn in der Sturmspitze zu Hause.
Nenad Bjelica fordert mehr Torgefahr
Nenad Bjelica will von seiner Mannschaft vor allem mehr Torabschlüsse sehen. Keine Frage: Bjelica hat seit seiner Amtsübernahme im Herbst zwar die Defensive stabilisiert. Nach vorn läuft aber weiterhin nicht viel zusammen. Seit drei Spielen wartet Union Berlin auf einen Torerfolg. „Wer nicht aufs Tor schießt, der kann auch keine Tore erzielen“, konstatiert Bjelica nüchtern. Dabei nimmt er ausdrücklich auch die Mittelfeldspieler in die Pflicht. Auch sie seien aufgerufen, für mehr Torgefahr zu sorgen.
Im Anschluss an die 0:2-Niederlage am vergangenen Wochenende in Augsburg hatte er derbe Worte der Kritik gewählt: „Die Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor kotzt mich an. Wir versuchen, wie Barcelona ins gegnerische Tor zu kommen. Wir schießen nicht aufs Tor, das ist in unserer Lage sehr falsch.“
Ob sich das Thema Torflaute auf die Schnelle lösen lässt oder womöglich erst durch Personalwechsel in der Sommerpause, werden die verbleibenden fünf Partien zeigen. Dabei ist Bjelica auch bereit, unorthodoxe Wege zu gehen. Eine auf den ersten Blick verwegene Idee ist es beispielsweise, Abwehrspieler Danilho Doekhi von der Dreierkette in die Offensive zu beordern. Doekhi gilt als einer der kopfballstärksten Spieler im Kader der Köpenicker und könnte dadurch vorn für zusätzliche Impulse sorgen. „Diese Idee hatte ich in der Tat zuletzt gegen Augsburg. Aber dann ist das 2:0 gefallen“, berichtet Bjelica.
Womöglich ist diese Idee im Heimspiel gegen Bayern München wieder ein Thema. Aber eigentlich will Bjelica den Innenverteidiger in der Schlussphase lieber hinten in der Abwehr anstatt im Sturm sehen, denn: „Das würde bedeuten, dass wir in Führung liegen.“


