Union Berlin
: Robin Gosens macht Mut für Madrid – „Ehrfurcht brauchen wir nicht“

Robin Gosens ist einer der wenigen Spieler von Union Berlin mit Erfahrung in der Champions League. Deshalb ist der Neuzugang vor dem Spiel gegen Real Madrid auch als Mutmacher gefragt.
Von
Frank Noack
Berlin
Jetzt in der App anhören
  • Robin Gosens macht klare Ansagen vor dem Spiel von Union Berlin in der Champions League bei Real Madrid.

    Robin Gosens macht klare Ansagen vor dem Spiel von Union Berlin in der Champions League bei Real Madrid.

    Swen Pförtner
  • Unions Robin Gosens (links) ist in dieser Szene eher am Ball als Patrick Wimmer vom VfL Wolfsburg.

    Unions Robin Gosens (links) ist in dieser Szene eher am Ball als Patrick Wimmer vom VfL Wolfsburg.

    Matthias Koch
1 / 2

Robin Gosens ist in diesen historischen Tagen für den 1. FC Union Berlin gleich in mehrfacher Hinsicht gefragt: Er ist der erste Nationalspieler des Vereins, er ist Leistungsträger auf dem Rasen, Torschütze und – ganz besonders wichtig – auch Mutmacher vor der Champions-League-Premiere der Eisernen am Mittwoch bei Real Madrid (18.45 Uhr).

Neuzugang Robin Gosens ist nach seiner Verpflichtung kurz vor dem Saisonstart jedenfalls ganz schnell angekommen in Berlin-Köpenick. Bei der 1:2-Niederlage am Samstag gegen den VfL Wolfsburg erzielte der 29 Jahre alte Abwehrspieler bereits sein drittes Saisontor. Zufrieden war Gosens logischerweise dennoch nicht. „Trotz meines Tores stehe ich als trauriger Mann hier. Wir haben ein Spiel verloren, dass wir auf keinen Fall verlieren müssen. Wir müssen im letzten Drittel galliger sein und unbedingt das Tor machen wollen“, kritisierte er.

Als Robin Gosens mit heruntergelassen Stutzen und verschwitztem Gesicht am Samstag in der Interview-Zone der Volkswagen-Arena stand, wanderten seine Gedanken natürlich auch schon voraus zur Partie im Bernabeu-Stadion. Und man merkte Gosens an, wie wichtig ihm die Rolle als Mutmacher für seine in der Königsklasse noch unerfahrenen Mitspieler ist. In der vergangenen Saison stand der Nationalspieler mit Inter Mailand noch im Finale der Champions League gegen Manchester City (0:1).

Bei Union Berlin haben nur wenige Spieler Champions League Erfahrung

So etwas hat bei Union Berlin mit Ausnahme des neuen Innenverteidigers Leonardo Bonucci noch niemand erlebt. Bonucci wartete allerdings auch in Wolfsburg vergeblich auf sein Bundesliga-Debüt und dürfte dementsprechend am Mittwoch erneut auf der Bank sitzen. Gosens wichtigste Botschaft vor dem Spiel bei Real Madrid: „Ehrfurcht und Angst sind genau die beiden Sachen, die wir nicht brauchen.“

Denn Robin Gosens ahnt, was für eine emotionale Achterbahnfahrt die Mannschaft am Mittwoch im Bernabeu-Stadion erwartet. Auf der einen Seite ist es für den Verein und auch für die meisten Union-Profis das erste Spiel in der Champions League. Und dann auch noch bei Real Madrid, also bei einer „der besten Mannschaften der Welt“, wie Innenverteidiger Danilho Doekhi den Rekordgewinner in diesem europäischen Wettbewerb beinahe ehrfürchtig beschrieb.

Union Berlin will nicht nur Zuschauer sein

Auf der anderen Seite wollen die Eisernen in diesem Spiel nicht nur staunender Zuschauer sein, sondern Real Madrid so gut wie möglich fordern. Und sie wollen natürlich eine Klatsche unter allen Umständen vermeiden. „Wenn du in Europa nicht auf Zack bist und die richtigen Entscheidungen triffst, dann wird es ganz, ganz bitter. In der Champions League wird – noch mehr als in der Bundesliga – jeder einzelne Fehler bestraft“, warnte Gosens.

Der Abwehrspieler hat als einer der wenigen Union-Profis auch schon Erfahrung im Bernabeu-Stadion gesammelt. Im März 2021 verlor er mit Atalanta Bergamo (1:3) bei Real, musste nach einer knappen Stunde verletzt ausgewechselt werden. 28 Partien in der Königsklasse stehen in seiner persönlichen Bilanz.

Robin Gosens weiß also, wie man auf dieser großen Bühne agieren muss. Sein Tipp für die Mitspieler: „Man braucht Selbstvertrauen, man braucht aber auch eine gewisse Freude und einen Genuss am Spiel. Die Kombination aus beidem sollte dann im besten Fall dazu führen, dass wir ein Riesenspiel machen. Damit wir dann hinterher in der Kabine sitzen und sagen können: Wir haben ja nicht nur das Spiel genossen, sondern auch was Zählbares mit nach Hause genommen.“ Wenn dieser Plan aufgeht, dann hätte Robin Gosens auch seinen Job als Mutmacher mit Bravour erfüllt.