Union Berlin
: Große Emotionen, große Sorgen – Fans feiern Fischer trotz Niederlage

Union Berlin taumelt trotz großer Unterstützung durch die Fans durch den Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga. Gegen Eintracht Frankfurt gab es die zwölfte Niederlage in Folge – sie fiel verdient aus.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Früher Dämpfer für Union Berlin: Omar Marmoush erzielte bereits in der 2. Minute den Führungstreffer für Eintracht Frankfurt.

    Früher Dämpfer für Union Berlin: Omar Marmoush erzielte bereits in der 2. Minute den Führungstreffer für Eintracht Frankfurt.

    Uwe Koch/Eibner-Pressefoto
  • Kapitän Christopher Trimmel (links) und der Frankfurter Philipp Max kämpfen um den Ball.

    Kapitän Christopher Trimmel (links) und der Frankfurter Philipp Max kämpfen um den Ball.

    Uwe Koch/Eibner-Pressefoto
  • Trainer Urs Fischer (rechts) wurde von den Fans schon vor dem Anpfiff mit Sprechchören gefeiert.

    Trainer Urs Fischer (rechts) wurde von den Fans schon vor dem Anpfiff mit Sprechchören gefeiert.

    Andreas Gora/dpa
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Es sollte eigentlich der Tag der großen Emotionen mit dem langersehnten Erfolgserlebnis für den 1. FC Union Berlin werden. Und diese Emotionen gab es auch – aber nur vor dem Anpfiff des Heimspiels in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt.

Auf dem Rasen ging dagegen die Leidenszeit der Eisernen aus Köpenick ungebremst weiter. Sie kassierten mit dem 0:3 (0:2) die zwölfte Niederlage in Folge und rutschten in der Tabelle auf Relegationsrang 16. Den Willen konnte man der Mannschaft auch am Samstagnachmittag nicht absprechen. Aber sie offenbarte erneut zahlreiche Defizite und fing sich bereit in der Startphase mit dem Doppelschlag von Omar Marmoush (2., 14. Minute) zwei Gegentreffer ein. In der 82. Minute traf Ignacio Ferri Julia zum 3:0-Endstand.

„Wir hatten keinen guten Start und haben frühzeitig wieder ein unnötiges Gegentor bekommen. Diese Fehler wiederholen sich“, kritisierte Trainer Urs Fischer: „Danach hat die Mannschaft aber eine tolle Reaktion gezeigt. Wir hatten genügend Möglichkeiten, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Die Mannschaft hat viel aufgewendet – es ist frustrierend.“

Fans feiern Trainer Urs Fischer

Wie gesagt: Gänsehaut-Atmosphäre gab es lediglich vor dem Anpfiff – trotz oder gerade wegen der langen Niederlagenserie. Denn die Union-Fans machten deutlich, was sie von der Diskussion um Trainer Urs Fischer halten: nämlich gar nichts. Die ersten „Urs Fischer“-Sprechchöre hallten bereits durch das Stadion, als der Rasen noch leer war. Als der Coach dann zum TV-Interview vor dem Spiel erschien, wurden die Sprechchöre noch energischer. „Es ist großartig und beschreibt den Zusammenhalt von Union Berlin. Es ist toll, wenn man in so einer schwierigen Situation diese Unterstützung spürt“, sagte Fischer nach dem Spiel.

Zudem hatte auch Präsident Dirk Zingler im Stadionheft ein Machtwort im Kampf um den Klassenerhalt gesprochen. Fischer sei „ein hervorragender Trainer, der diese schwierige Aufgabe lösen kann“.

Im Vergleich zur 0:1-Niederlage im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart am Dienstag rotierte Fischer von der Vierer- wieder zurück zu gewohnten Dreierkette in der Abwehr. Außerdem kehrten Leonardo Bonucci, Robin Gosens und der zuletzt suspendierte David Fofana in die Startelf zurück.

Früher Rückschlag für Union Berlin

Bereits in der 2. Minute musste der FCU den nächsten Rückschlag hinnehmen. Nach einem Freistoß fiel der Ball an der Strafraumgrenze Omar Marmoush vor die Füße, der mit einem Flachschuss zur Frankfurter Führung traf. Beim 2:0 wurde die Union-Defensive mit einem langen Ball ausgehebelt. Im Zentrum war dann erneut Omar Marmoush (14.) erfolgreich. Das ging in dieser frühen Phase des Spiels ziemlich einfach für die Gäste aus Hessen. Zu den gravierenden Abwehrschwächen kam Pech hinzu: In der 19. Minute landete der Kopfball von David Fofana an der Latte.

Das Positive der ersten Halbzeit ist schnell zusammengefasst: Die Eisernen ergaben sich trotz des 0:2-Rückstandes nicht in ihr Schicksal, sondern rannten fast schon verzweifelt an. Aber der Ertrag aus reichlich Ballbesitz war dürftig. Die selbstbewussten Frankfurter ließen sich die Spielkontrolle nicht aus der Hand nehmen und konterte immer wieder gefährlich. Sie legten dabei schonungslos die Köpenicker Schwächen offen. Bezeichnend: Stürmer Sheraldo Becker musste mit seiner Schnelligkeit mehrmals hinten in höchster Not retten.

In der zweiten Halbzeit sahen die Fans im Stadion An der Alten Försterei zwar die Angriffsbemühungen der Gastgeber in Dauerschleife. Aber mit jeder Minute ohne Torerfolg wuchsen auch die Verzweiflung sowie die Gewissheit der zwölften Niederlage in Serie. David Fofana, der zu den wenigen Lichtblicken zählte, scheiterte mit seinem Flachschuss an Torhüter Kevin Trapp (59.). Die insgesamt dürftigen Ideen, die der FCU am Samstag hatte, reichten bei weitem nicht für die Wende in diesem Spiel aus.

Das ernüchternde Fazit von Kapitän Christopher Trimmel: „Wir machen und tun – am Ende ist die aktuelle Situation aber so, dass wir nicht gut genug sind für das Toreschießen. Außerdem kriegen wir auch wieder drei Gegentore. Das reicht aktuell einfach nicht. Es ist schwer zu erklären.“

Aufmunternde Worte gab es immerhin von Dino Toppmöller. „Es gibt Mannschaften, die in so einer Situation auseinanderbrechen. Union hat uns bis zum 3:0 das Leben extrem schwergemacht“, sagte der Gäste-Trainer.