Union Berlin im Abstiegskampf
: „Nix Casting“ – Marco Grote über Köln und Zukunft als Cheftrainer

Kann Interimstrainer Marco Grote den 1. FC Union Berlin vor dem Abstieg aus der Bundesliga retten? Vor dem Kellerduell beim 1. FC Köln gibt der 51-Jährige eine bemerkenswerte Pressekonferenz.
Von
Jan Lehmann
Berlin
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1. FC Union Pressekonferenz 2023/24: Fussball, Herren, Saison 2023/2024, 1. Bundesliga, 1. FC Union Berlin, Pressekonferenz, Trainer Marco Grote (1. FC Union Berlin), 10.05. 2024, Foto: Matthias Koch

Bemerkenswerte Pressekonferenz: Interimstrainer Marco Grote startet beim 1. FC Union Berlin mit ganz viel Energie in das schwierige Amt. Am Samstag geht es gegen den 1. FC Köln um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga.

Matthias Koch

Der 1. FC Union Berlin kämpft in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt und bekommt dabei von Interimstrainer Marco Große eine Extra-Portion Zuversicht eingeflößt. Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstag beim direkten Abstiegskampf-Konkurrenten 1. FC Köln sprühte der 51-Jährige nur so vor Optimismus.

Sollte der 1. FC Union am Samstag so auftreten, wie der Interimstrainer sein Naturell beschreibt, dann dürfen die etwa 5000 mitreisenden Union-Fans eine stürmische Vorstellung ihrer Mannschaft erwarten. Grote erklärte seine Arbeitsweise zumindest so: „Gern attackieren, gern offensiv denken.“

Der gebürtige Bremer erklärte bei der bemerkenswerten Pressekonferenz, die sich deutlich von den eher nüchternen Auftritten seines Vorgängers Nenad Bjelica abhebte, dass er „sowas von gar nicht“ nervös sei. Er setzt dabei vor allem auf den großen Zusammenhalt in der Union-Kabine. Grote stößt dabei in das gleiche Horn wie zuvor Präsident Dirk Zingler, der mitgeteilt hatte, dass der Kabinenflur nach der Trennung von Bjelica wieder vor Energie sprühe.

Vorteil für Union Berlin beim 1. FC Köln

„Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel Bock ich habe“, so Grote, der anfügte: „Wir brauchen ganz viel Energie und Freude – aber auch Inhalt und einen Plan.“ Zweifel lässt der Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz nicht zu: „Ich bin mir tausendprozentig sicher, dass wir dermaßen fit und präsent sein werden – in allen Facetten die für das Spiel notwendig sind.“

Die seit sechs Spielen sieglosen Unioner, die zuletzt beim 3:4 gegen den VfL Bochum vor allem in der ersten Halbzeit auf ganzer Linie enttäuschten, schickt der Trainer trotz der schwierigen Ausgangslage mit viele Enthusiasmus in das Spiel im Rhein-Energie-Stadion.

Die Eisernen haben zumindest den Vorteil, dass der 1. FC Köln einen Sieg braucht, um überhaupt weiter zumindest auf den Relegationsrang hoffen zu dürfen. Allerdings: Sollte der 1. FC Union nicht gewinnen, droht der Absturz auf den Relegationsrang. Verfolger Mainz 05 spielt am Samstagabend gegen Borussia Dortmund. Grote versucht, die komplizierte Abstiegskampfkonstellation aus den Köpfen der Spieler zu bekommen. „Ob da noch mehr Druck bei denen auf dem Kessel ist, hat für uns keine Bedeutung“, so der Interimscoach mit Blick auf die Kölner Ausgangslage.

Chris Bedia mit erstem Treffer für Union Berlin

Der bisherige U19 Trainer ist bereits zum zweiten Mal die Interimslösung beim 1. FC Union. Bereits im November hatte er das Team nach dem Abgang von Urs Fischer gemeinsam mit Co-Trainerin Marie-Louise Eta beim 1:1 gegen den FC Augsburg betreut. Damals hatte Kevin Volland mit einem späten Treffer die Berliner Niederlagenserie beendet.

Auf den Angreifer, der seither nur noch ein weiteres Tor erzielt hat, hält Grote weiter große Stücke und betonte: „Kevin Volland kann ein Unterschiedsspieler sein.“ Inwieweit er aber auf Volland, oder auch Winter-Neuzugang Chris Bedia nach dessen Tor-Premiere in der Startelf setzen wird, ließ Grote nicht durchblicken. Klar wurde indes, dass er die Mannschaft in der bedrohlichen Situation vor allem stark reden will. „Die Qualitäten sind da“, so Grote der verdeutlichte: „Ich mache mir sehr wenig Sorgen. Auch in der Offensive bin ich sehr davon überzeugt, dass wir richtig gut aufgestellt sind.“

Union-Präsident Zingler hatte nach der Bjelica-Verabschiedung angedeutet, dass auch Grote ein Kandidat für die langfristige Lösung auf dem Trainerstuhl an der Alten Försterei sein könnte. Der Interimscoach hat, zumindest seinen öffentlichen Äußerungen zufolge, für derartige Gedankenspiele keine Zeit: „Nix Casting, das juckt mich nicht. Ich kann nur sagen: 1. FC Köln, diese Aufgabe reizt mich ungemein.“

Pressekonferenz von Union Berlin im Video