Union Berlin in Hoffenheim
: Sieg mit Theater – Platzverweise, Tennisbälle und Verletzung

Der 1. FC Union Berlin feiert bei 1899 Hoffenheim wieder einen Auswärtssieg in der Bundesliga. Es ist ein Dreier mit viel Theater – und der Verletzung von Rani Khedira.
Von
Jan Lehmann
Hoffenheim
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  • Kevin Volland sah in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit Gelb-Rot. Zuvor war Hoffenheims Stanley Nsoki ebenfalls vom Platz geflogen.

    Kevin Volland sah in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit Gelb-Rot. Zuvor war Hoffenheims Stanley Nsoki ebenfalls vom Platz geflogen.

    Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
  • Rani Khedira musste bereits früh in der Partie verletzt ausgewechselt werden.

    Rani Khedira musste bereits früh in der Partie verletzt ausgewechselt werden.

    Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
  • Die Proteste der Fans der 1. FC Union Berlin sorgten auch in Hoffenheim wieder für eine Spielunterbrechung. Viermal flogen in der ersten Halbzeit Tennisbälle aufs Feld. Dann wurden die Mannschaften in die Kabinen geschickt.

    Die Proteste der Fans der 1. FC Union Berlin sorgten auch in Hoffenheim wieder für eine Spielunterbrechung. Viermal flogen in der ersten Halbzeit Tennisbälle aufs Feld. Dann wurden die Mannschaften in die Kabinen geschickt.

    Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
  • Turbulentes Spiel in Hoffenheim: Der 1. FC Union Berlin holt trotz Platzverweises den Auswärtssieg in der Fußball-Bundesliga.

    Turbulentes Spiel in Hoffenheim: Der 1. FC Union Berlin holt trotz Platzverweises den Auswärtssieg in der Fußball-Bundesliga.

    Jan-Philipp Strobel/dpa
  • Brenden Aaronson (links) erzielte das Siegtor für den 1. FC Union Berlin bei 1899 Hoffenheim.

    Brenden Aaronson (links) erzielte das Siegtor für den 1. FC Union Berlin bei 1899 Hoffenheim.

    Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
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Zwei Platzverweise, ein Verletzungsschock, wieder Tennisbälle – und ein Auswärtssieg. Der 1. FC Union Berlin holt mit dem 1:0 (0:0) bei 1899 Hoffenheim am Samstag den ersten Dreier in der Fremde seit knapp sechs Monaten. Durch den späten Treffer von Brenden Aaronson (84.) bauen die Eisernen den Vorsprung auf die Abstiegszone auf acht Punkte aus. Union-Trainer Nenad Bjelica erklärte zufrieden: „Das Glück hat sich ein bisschen auf unsere Seite gedreht. Das ist sehr wichtig, für jeden der bei Union Berlin arbeitet – ich freue mich für jeden Einzelnen.“

Union-Profi Kevin Vogt, der nach siebeneinhalb Jahren in Hoffenheim auch Pfiffe über sich ergehen lassen musste, konstatierte „einen Abnutzungskampf mit Feldvorteilen für Hoffenheim. Es sah lange nach einem klassischen Unentschieden aus. Dann haben wir eine Lucky-Punch gesetzt, der sehr schön herausgespielt war“, so der neue Berliner Abwehrchef.

Verletzung von Rani Khedira

Dieses Fußballspiel hatte hohen Unterhaltungswert, auch wenn es nur selten filigrane Spielzüge zu sehen gaben. Dafür boten die Akteure auf dem Rasen großes Theater – und das von Beginn an: Bereits in der zweiten Minute kam Hoffenheims Ihlas Bebou zu einer kuriosen Doppelchance, als er erst an Union-Keeper Frederik Rönnow scheiterte und sein Nachschuss dann vom eigenen Mitspieler an den Pfosten gelenkt wurde.

Bitter für Union, dass Bebou in dieser Szene dem Berliner Führungsspieler Rani Khedira unabsichtlich auf die Achillessehne getreten war. Khedira versuchte zwar nach einer Behandlungspause noch einmal ins Spiel zurückkehren, musste dann aber früh ausgewechselt werden. Eine schmerzhafte Bundesliga-Saison für den 30-Jährigen: Neun Spiele hat er bereits wegen einer Wadenverletzung verpasst – zudem fehlte er drei Partien nach einer Rot-Sperre. Nun droht ein erneuter Ausfall des Vize-Kapitäns.

Union-Fans provozieren Spielunterbrechung

Auf der Gegenseite stand dann Benedict Hollerbach im Mittelpunkt. Nach sehenswerter Vorlage von Kevin Volland setzte der Union-Angreifer den Ball an den Pfosten (18.). Bis auf eine weitere Bebou-Chance, die Rönnow erneut entschärfte, geriet der Fußball dann aber erstmal in den Hintergrund.

Die Fans des 1. FC Union hatten auch dieses Mal die Tennisbälle mit dabei. Die Partie wurde in der 36. Minute unterbrochen, weil die Anhänger der Eisernen wie schon in den zurückliegenden Partien gegen den Entscheid für einen möglichen Investoreneinstieg in der Deutschen Fußball-Liga (DFL) protestierten. Dabei skandierten die Eisernen: „Ihr macht unseren Sport kaputt.“

Union Berlin in Hoffenheim – Platzverweise in der Nachspielzeit

Als zum vierten Mal die Tennisbälle aus dem Gästeblock flogen, wurden die Mannschaften in die Kabine geschickt. Dort konnte einige Spieler offenbar ihren Puls nicht richtig beruhigen, in den zwölf Minuten Nachspielzeit wurde es hektisch. Erst gerieten Unions Kevin Volland und Hoffenheims Stanley Nsoki aneinander. Mit Gelb (44.) waren die beiden noch gut bedient.

Doch schon beim nächsten Zweikampf der beiden Kontrahenten holte sich Nsoki Gelb-Rot (45.+3) ab. Kurz darauf hatte Volland seine Nerven ebenfalls nicht richtig im Griff und musste wegen eines Trikotzupfers auch vom Feld (45.+6). Bereits der zweite Platzverweis des Berliner Sommer-Neuzugangs in dieser Saison.

Zehn gegen Zehn, da war nach dem Seitenwechsel eigentlich mehr Platz für Kombinationen. Doch die Partie fand sehr oft nur noch in der Hälfte der Berliner statt. Hoffenheim drängte auf den ersten Sieg seit acht Spielen. Für Union wurde es nun eine Abwehrschlacht, die Gastgeber vergaben beste Chancen durch Anton Stach (54.), Wout Weghorst (67.) und den Ex-Cottbuser Maximilian Beier (73./77.).

Als die Platzherren aber immer mehr verzweifelten, schlugen die Berliner zu. Gerade eingewechselte setzten Jerome Roussillon, Yorbe Vertessen und Torschütze Aaronson den entscheidenden Nadelstich-Konter. Danach zirkelte Josip Juranovic noch einen Freistoß an den Hoffenheim-Pfosten (88.) und Vertessen vergab die nächste Konterchance (89.) – dann war Schluss und der erste Berliner Auswärtssieg seit dem 26. August 2023 perfekt.

Hoffenheims Coach Pellegrino Matarazzo konnte es indes kaum glauben: „Es ist schwer zu verdauen, dass wir dieses Spiel verlieren.“