Union Berlin
: Protest mit Tennisbällen – Robin Gosens erklärt den Zwiespalt

Auch beim Spiel des 1. FC Union in Mainz protestierten die Fans mit Tennisbällen gegen einen Investoreneinstieg. Ausgerechnet nach der XXL-Unterbrechung fielen die Tore. Präsident Zingler fordert eine erneute Abstimmung.
Von
Frank Noack
Mainz
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  • Tennisbälle im Fußballstadion – auch beim Spiel des 1. FC Union beim FSV Mainz 05 protestierten die Berliner Fans gegen den Einstieg von Investoren.

    Tennisbälle im Fußballstadion – auch beim Spiel des 1. FC Union beim FSV Mainz 05 protestierten die Berliner Fans gegen den Einstieg von Investoren.

    dpa/Arne Dedert
  • Robin Gosens erzielte in der XXL-Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich für Union Berlin gegen Mainz. Auch nach dem Spiel bezog Gosens klar Stellung zur Protestaktion der Fans.

    Robin Gosens erzielte in der XXL-Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich für Union Berlin gegen Mainz. Auch nach dem Spiel bezog Gosens klar Stellung zur Protestaktion der Fans.

    dpa/Arne Dedert
  • Union-Präsident Dirk Zingler kritisiert die DFL und fordert eine neue Abstimmung zum Einstieg von Investoren.

    Union-Präsident Dirk Zingler kritisiert die DFL und fordert eine neue Abstimmung zum Einstieg von Investoren.

    Andreas Gora
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Neben dem Dauerregen regnete es plötzlich auch noch Tennisbälle, Flummis und sogar Pokerchips in Mainz. Die rund 1400 Fans des 1. FC Union Berlin sorgten beim Nachholspiel gegen den FSV Mainz 05 (1:1) in der Fußball-Bundesliga für eine minutenlange Unterbrechung – und viele Diskussionen.

Die Anhänger der Eisernen schlossen sich damit den Protesten gegen einen Einstieg von Investoren bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen soll ein Finanzinvestor eine Milliarde Euro zahlen. Seit Wochen laufen die Fans dagegen Sturm.

Am Mittwochabend (8. Februar) in Mainz wollte der Tennisball-Regen gar kein Ende mehr nehmen. Leidtragende waren in erster Linie die Spieler beider Mannschaften, die sich bei Dauerregen und empfindlicher Kühle während der Unterbrechung irgendwie warmhalten mussten. Union-Kapitän Rani Khedira sprintete in die Fankurve, um für die Fortsetzung des Spiels zu werben. Robin Gosens winkte frustriert ab.

Gosens bezieht Stellung

Nach dem Spiel ordnete Gosens dann seine emotionale Reaktion ein. „Es gibt auf der einen Seite die Fan-Sicht, die ich absolut nachvollziehen kann. Und es gibt auf der anderen Seite die Spielersicht. Die Spielersicht ist, dass man sich dort 20 Minuten lang den A… abfriert“, erklärte der Verteidiger mit drastischen Worten. Eines war Gosens aber ganz wichtig: „Diese Emotionen sollten auf dem Spielfeld bleiben. Inzwischen sind sie auch schon wieder heruntergekocht. Wie gesagt: Die Fan-Sicht ist total nachvollziehbar. Sie haben jedes Recht der Welt zu protestieren. Solche Aktionen ziehen natürlich Aufmerksamkeit nach sich.“

Stimmt. Denn der Konflikt schwelt weiter und droht, weiter zu eskalieren. Der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel appellierte deshalb nach dem Schlusspfiff an die Fans, mit dem Protest aufzuhören. „Wir haben es verstanden, dass ein Teil der Fans eine andere Auffassung hat. Das haben wir zu akzeptieren“, sagte er und warnte: „Man sollte es irgendwann aber mal beenden, sonst hat das mit Fußball nicht mehr viel zu tun.“

Dass die beiden Treffer in diesem Kellerduell ausgerechnet in der XXL-Nachspielzeit fielen, schien Heidel in seiner Warnung zu bestätigen. Nach der minutenlangen Unterbrechung mussten sich beide Teams neu sortieren. Jonathan Burkardt brachte Mainz in Führung (45.+8 Minute), fünf Minuten später erzielte Robin Gosens den Ausgleich. Zufall oder nicht? Diese Frage blieb am Mittwochabend in Mainz unbeantwortet.

Präsident Dirk Zingler kritisiert die DFL

Passend zu den Protesten hat sich auch Union-Präsident Dirk Zingler erneut zu Wort gemeldet. Er sprach sich für eine neue Abstimmung über den Investoren-Einstieg aus. „Wir tun hier etwas, was es im deutschen Profifußball noch nie gegeben hat und was ihn verändern wird. Wenn wir damit Erfolg haben wollen, unabhängig von der Art und Weise möglicher Investitionen, darf es keinerlei Zweifel an der Rechtmäßigkeit der dafür notwendigen Abstimmungen geben“, sagte Zingler der Zeitung „Die Welt“.

Der 1. FC Union sei zudem überzeugt, dass nicht alle Alternativen ausreichend untersucht wurden, um Investitionen zu ermöglichen. Zingler: „Unser Ansinnen ist es zudem, dass das Präsidium das Modell, für das man sich letztlich entscheidet, noch einmal in einer Mitgliederversammlung der DFL offen und transparent zur Abstimmung stellt. Denn ohne sattelfeste Legitimation gibt es keine Akzeptanz.“

Bei der finalen Abstimmung der 36 Proficlubs für den milliardenschweren Deal im Dezember war die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit nur knapp zustande gekommen. Zingler zeigte Verständnis für die Fans und kritisierte die DFL für mangelnde Kommunikation. Die über ein Jahr sehr friedlichen und moderaten Proteste seien völlig ignoriert worden. „Die logische Entwicklung ist daher eine Steigerung der Protestformen bis dahin, dass nun offenbar Spielabbrüche in Kauf genommen werden.“ Er habe den Eindruck, dass die DFL-Geschäftsführung das Thema aussitzen wolle. Union Berlin hatte bei der Abstimmung gegen den Antrag gestimmt.

Das Thema ist mittlerweile so groß geworden, dass selbst der sportliche Kampf um den Klassenerhalt im Kellerduell zwischen Mainz 05 und dem FCU fast ein wenig in den Hintergrund rückte. Dabei hatte die Schlammschlacht im Mainzer Dauerregen für beide Teams wegweisenden Charakter. „Die klare Devise war, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen“, bekannte Union-Stürmer Kevin Volland. Diese Vorgabe hat die Mannschaft zwar erfüllt. Den erhofften Befreiungsschlag in Form von drei Punkten gab es jedoch nicht – dafür aber viele Tennisbälle von den Rängen.