Union Berlin
: Warum auch Zingler nicht mehr von Bjelica überzeugt war

Nach der Trennung von Nenad Bjelica soll ein Trainertrio um Marco Grote den 1. FC Union Berlin retten. Präsident Dirk Zingler erklärt den Plan.
Von
Frank Noack
Berlin
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Die Zusammenarbeit zwischen Union Berlin mit Präsident Dirk Zingler (rechts) und Trainer Nenad Bjelica ist seit Montag beendet.

Die Zusammenarbeit zwischen Union Berlin mit Präsident Dirk Zingler (rechts) und Trainer Nenad Bjelica ist seit Montag beendet.

Matthias Koch

Wenn der Präsident eines Bundesliga-Clubs zum dritten Mal während der Saison eine Pressekonferenz zum Thema Cheftrainer abhalten muss – dann läuft etwas falsch. Das wusste Dirk Zingler, als er am Dienstag im Stadion Alten Försterei vor die Presse trat und die Gründe für die Trennung von Nenad Bjelica erläuterte. „Eine solche Trennung ist immer auch eine Niederlage für uns als Club und ein Zeugnis dafür, dass die Dinge nicht wie gewünscht funktionieren“, räumte Zingler ein.

Union Berlin hatte sich am Montag nach nur 162 Tagen von Nenad Bjelica getrennt. Den Klassenerhalt sollen nun U19-Coach Marco Grote, Bjelica-Assistentin Marie-Louise Eta sowie Sebastian Bönig schaffen. Grote und Eta hatten schon im November nach der Trennung von Urs Fischer für eine Partie das Kommando übernommen. Mit Bönig kehrt auch Fischers langjähriger Co-Trainer auf die Bank zurück.

Aber was war der konkrete Grund für die Trennung? Die fehlende Weiterentwicklung der Mannschaft sei es jedenfalls nicht gewesen, versicherte Zingler. Bjelica habe bei seiner Verpflichtung im sportlich so schwierigen Herbst nur einen einzigen Auftrag erhalten: den Klassenerhalt. Und zwar mit einer „klaren, einfachen Spielidee, die für die Mannschaft leicht umsetzbar ist“, erklärte Zingler. Auch der Vorwurf, Bjelica mache zu wenig Video-Studium, taugt also nicht als Grund für die Entlassung.

Letztlich dürfte es eine Mischung aus verschiedenen Ursachen gewesen sein. Aus den zurückliegenden sechs Spielen hat der FCU nur zwei Remis geholt. Union spielt am Samstag beim 1. FC Köln (15.30 Uhr). Die Eisernen als Tabellen-15. und der FSV Mainz auf Platz 16 werden wohl an den letzten beiden Spieltagen den Relegationsrang unter sich ausmachen.

Die Angst vor dem Abstieg ist mittlerweile in Köpenick allgegenwärtig. Diese Angst hat den Druck auf den Präsidenten weiter erhöht. „Wenn irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo wir sagen, dass wir nicht mehr überzeugt sind und eine andere Lösung die Wahrscheinlichkeit des Erfolges erhöht, dann treffen wir diese Entscheidung. Und dieser Punkt ist am Montag eingetreten“, sagte Zingler.

Es klang ein wenig wie eine Verteidigung in eigener Sache. Immerhin hat Zingler die Verpflichtung des Kroaten zu verantworten. Und er hatte vor dem Spiel gegen den VfL Bochum (3:4) am Sonntag ein „Unterstützungsbekenntnis“ (O-Ton Zingler) pro Bjelica abgegeben.

Am Montagvormittag hatte Nenad Bjelica noch das Training geleitet und sich danach gut gelaunt vom Club-Gelände verabschiedet. Die gute Laune legt den Schluss nahe, dass der Kroate in diesem Moment noch nichts von seiner Entlassung wusste.

Union Berlin spielt beim 1. FC Köln

Dirk Zingler hatte bei der Pressekonferenz dagegen keine gute Laune. Angesichts der Nachfragen der Journalisten zu den Details der Entlassung redete sich der Präsident regelrecht in Rage. „Sie spekulieren permanent über Menschen. Das geht mir richtig auf den Zeiger", polterte er.

Ein weiterer Punkt war Zingler auch noch wichtig. Der Impuls, sich von Bjelica zu trennen, sei nicht aus der Mannschaft gekommen. Die Entscheidung habe allein das Präsidium mit ihm an der Spitze getroffen. „Die Mannschaft hat gut zu trainieren und zu arbeiten. Ich habe Entscheidungen zu treffen.“

Das Trio Marco Grote, Marie-Louise Etat und Sebastian Bönig soll die Saison nun mit dem Klassenerhalt einigermaßen unfallfrei zu Ende bringen. Neuerdings sprühe der Kabinenflur wieder vor Energie, teilte Dirk Zingler am Dienstag zuversichtlich mit – und lieferte damit gleichzeitig ein Indiz dafür, was zuletzt unter Bjelica offenbar gefehlt und letztlich zu seiner Entlassung geführt hat.

Zwei Spiele hat das neue Trio Zeit, um das Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Vielleicht auch vier, denn die Relegation ist für Zingler kein Tabuthema. „Niemand darf Angst vor der Relegation haben. Ich sehe es als Chance, diese beiden Spiele zu gewinnen“, betonte der Präsident und stellte gleichzeitig klar: „Wir wollen die Relegation natürlich vermeiden.“

Allerdings ohne Nenad Bjelica. Am trainingsfreien Dienstag kehrte Bjelica am Nachmittag mit seinen Co-Trainern noch einmal zurück. Um 15.32 Uhr rollten sie vom Parkplatz – das Kapitel Union Berlin war damit endgültig beendet.