Union Berlin: Verrückte Niederlage gegen Bochum und Rückendeckung für Bjelica

Danilho Doekhi (rechts) von Union Berlin hat in dieser Szene das Nachsehen gegen Bochums Doppeltorschütze Maximilian Wittek.
Matthias KochEs war ein verrücktes Spiel, aber auch eine bittere Niederlage: Der 1. FC Union Berlin rutscht durch das 3:4 (0:3) gegen den VfL Bochum immer tiefer in den Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga. Die Abstiegssorgen der Eisernen sind zwei Spieltage vor dem Saisonende riesengroß. Dazu kommen die Diskussionen um Trainer Nenad Bjelica, die für den Krisen-Club aus Köpenick mehr und mehr zur Zerreißprobe werden.
Maximilian Wittek mit einem Doppelpack in der 16. und 31. Minute sowie der Ex-Unioner Keven Schlotterbeck (37.) sorgten für die 3:0-Pausenführung der Gäste aus dem Ruhrpott in diesem Kellerduell. Doch die Gastgeber meldeten sich dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit den Toren von Yorbe Vertessen (59.) und Chris Bedia (62.) zurück. Vor 22.012 Zuschauern im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei erzielte Philipp Hofmann das vierte Tor für Bochum (70.). Benedict Hollerbach konnte nur noch zum 3:4-Endstand (74.) verkürzen.
Es war am Sonntagnachmittag das erste Spiel nach dem Bekanntwerden der Trennungsgerüchte um Nenad Bjelica. Der „Kicker“ hatte vermeldet, dass der Kroate spätestens am Saisonende gehen muss – unabhängig davon, ob der Klassenerhalt gelingt oder nicht. Angelastet wird Bjelica vor allem die fehlende spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft.
Union Berlin: Präsident Zingler hält an Bjelica fest
Sogar eine sofortige Trennung sei laut „Kicker“ von den Union-Bossen diskutiert worden. Dem widersprach Präsident Dirk Zingler am Rande des Bochum-Spiels bei DAZN und äußerte sich erstmals zu den Gerüchten. „Es berührt und nicht, was außerhalb des Vereins gesprochen oder geschrieben wird. Es gilt nur, was wir untereinander besprechen. Nenad Bjelica hat unsere volle Unterstützung“, versicherte Zingler: „Wir spielen keine gute Saison. Das hat aber nichts mit Nenad Bjelica zu tun. Wir haben in der Hinrunde insgesamt als Club nicht geliefert.“
Nicht geliefert – dieses Fazit passte durchaus auch zur katastrophalen ersten Halbzeit der Gastgeber. Union präsentierte sich in der Abwehr nicht wach genug und in der Offensive einmal mehr harmlos. Der Kopfball von Diogo Leite in der 34. Minute nach einer Standardsituation blieb die einzige wirkliche Torchance bis zur Pause.

Trainer Nenad Bjelica bekam zwar von Präsident Dirk Zingler das Vertrauen ausgesprochen. Doch der Druck auf den Kroaten wächst.
Andreas Gora/dpaDer immer wieder von Kevin Stöger angetriebene VfL Bochum machte seine Sache in puncto Effizienz und auch Zweikampfstärke deutlich besser. Die drei Treffer waren das Ergebnis einer couragierten Leistung. Das 1:0 von Wittek bereitete der Ex-Cottbuser Moritz Broschinski mit einer präzise Flanke von der rechten Seite vor. Beim 2:0 düpierte Wittek erst Danilho Doekhi und dann auch noch Diogo Leite. Sein Spaziergang durch die Union-Abwehr war symptomatisch für den desolaten Auftritt der Eisernen in Halbzeit eins.
Union Berlin gegen VfL Bochum: Wechsel bringen neuen Schwung
In der Halbzeitpause brachte Nenad Bjelica mit Brenden Aaronson, Yorbe Vertessen und Chris Bedia gleich drei frische Offensivkräfte. Durch diese personellen und auch taktischen Umstellungen bekam Union Berlin jetzt deutlich mehr Zugriff auf das Spiel. Die Eisernen belagerten das Bochumer Tor ‒ die Zuschauer sahen nun ein ganz anderes Spiel. Yorbe Vertessen sorgte mit seinem Distanzschuss zum 1:3 in der 59. Minute für neue Hoffnungen. Als Chris Bedia den 2:3-Anschlusstreffer erzielte, waren die Gastgeber endgültig zurück im Spiel.
Es war gleichzeitig der Auftakt für die dramatische Schlussphase. Beim Stand von 4:3 für Bochum warf der FCU in den letzten Minuten alles nach vorn ‒ inklusive Innenverteidiger Danilho Doekhi. Brenden Aaronson hatte in der 90. Minute per Kopf die Chancen zum Ausgleich, es blieb jedoch beim Sieg für Bochum.
Das Fazit von Rani Khedira: „Wenn man sieht, was auf den Rängen schon vor dem Anpfiff los war, sieht man, wie hoch die Motivation hier ist. Das sollte uns eigentlich beflügeln. Es hat uns aber vielleicht ein Stück weit den Stecker gezogen. Ich kann es nicht erklären. Die erste Halbzeit war eine glatte Sechs.“


