Volleyball: Eine Schwedterin in der Bundesliga
Frau Imoudu, Sie wechseln nach nur einem Jahr beim SC Potsdam wieder nach Schwerin. Warum?
Es ist für mich wieder eine neue Herausforderung. Schwerin ist einfach noch mal etwas anderes als Potsdam. Deshalb habe ich das Angebot angenommen.
Der SSC hat sportlich sicher eine andere Perspektive. Ist auch Bundestrainer Felix Koslowski, der dort arbeitet, ein Grund für den Wechsel?
Ich sage mal so – jein. Ich kenne ihn natürlich schon länger, weil ich ja schon in Schwerin gespielt habe. Ich weiß, dass er ein guter Trainer ist. Ich gehe aber nicht nur dorthin, um die Chance zu haben, in der Nationalmannschaft zu spielen. Es geht vorrangig um die Erfahrung, die man in Schwerin bekommt. Das Gesamtpaket stimmt.
Ist es auch eine Ehre, als Zuspielerin auf einer wichtigen Position so ein Angebot bekommen zu haben?
Ich habe, ehrlich gesagt, gar nicht damit gerechnet und darüber nachgedacht, aus Potsdam wegzugehen, weil es mir hier sehr gut gefallen hat. Der Club ist mein Herzensverein.
Was erwarten Sie sich von Ihrem Wechsel?
Ich will mich spielerisch wie auch menschlich weiterentwickeln. Und hoffentlich erfolgreich sein.
Was wäre erfolgreich?
Deutsche Meisterschaft, in der Champions League weit kommen, ins Pokalfinale einziehen und solche Sachen. In Schwerin hat man als Verein ganz andere Ziele. Auch in Potsdam wollte man das Meisterschafts-Finale gewinnen oder den Pokal. Aber mit dem SSC rückt das einfach näher für einen selber.
Sie wohnen aber weiter in Potsdam?
Ja, ich habe zwar in Schwerin auch eine Wohnung, aber ich behalte mit meinem Freund zusammen die in Potsdam Er arbeitet als Physiotherapeut und kann leider nicht mitkommen.
Sie haben mit Schwerin, Hamburg, Aachen und Potsdam bereits mehrere Stationen als Volleyball-Profi erlebt. Wo war es am schönsten?
Ich würde schon sagen Potsdam. Das ist meine Herzensstadt geworden. Da vereint sich alles für mich. Man hat die Nähe zur Großstadt Berlin, aber hier ist trotzdem Leben, ist was los. Das ist genau das richtige Mittelmaß.
Sie sind jetzt 24 Jahre alt. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich würde es nicht ausschließen, ins Ausland zu gehen. Die vergangenen Jahre waren sportlich nicht die besten. Das waren immer so Versuche wie Aachen, wo ich mir mehr Spielzeit erhofft hatte. Oder das letzte Jahr in Potsdam. Ich wusste, worauf ich mich einlasse, aber ich habe nicht so viel gespielt. Erst am Ende, als sich Valerie Nichol einen Fingerbruch zuzog. Da habe ich mich zwar weiterentwickelt, sonst wäre das Angebot aus Schwerin nicht gekommen. Aber ich habe schon darüber nachgedacht, wie es weitergehen soll.
Was heißt das?
Ich habe meinen Bachelor in Gesundheitsmanagement. Da hätte ich mir halt einen Job gesucht. Ich werde auch den Master im Fernstudium machen. Da brauche ich keine Angst mehr zu haben, wenn irgendetwas schiefläuft. Ich hatte schließlich schon zwei Kreuzbandrisse in meiner Karriere. Es kann ja auch schnell vorbei sein.
Wie gehen Sie mit der Coronakrise und dem frühen Saisonende um?
Ich habe gerade ein normales Arbeitsleben, bin in Vollzeit bei meinem Freund in der Physio-therapiepraxis. Es ist interessant zu erfahren wie es ist, wenn man normal arbeiten geht. Das macht total Spaß. Aber ich vermisse den Volleyball schon sehr. Ich habe seit Mitte März keinen Ball mehr angefasst.
Das ist eine lange Zeit für eine Zuspielerin ...
Auf jeden Fall. Und keiner weiß genau, wie es weitergeht. Wenn ich wüsste, es dauert noch drei Wochen, wäre das konkret. Aber so hängen wir alle in der Luft. Ich hoffe, es geht im August normal weiter mit der Vorbereitung.
Wie halten Sie sich fit?
Ich habe ein paar Pläne vom Schweriner Athletiktrainer erhalten. Da bin ich fleißig dabei.
Und für das Ballgefühl, spielen Sie da den Ball zu Hause an die Wand?
Da würden sich die Nachbarn doch aufregen (lacht). Das wird beim ersten Training sicher etwas komisch werden, aber man verlernt das Ballgefühl nicht. Und spätestens jetzt im Mai möchte ich etwas mit dem Ball machen.
Ist die Pause finanziell schwierig?
Nein, der SC Potsdam zahlt das Gehalt weiter. Das ist sehr fair.
Mal zurück in die Vergangenheit. Haben Sie noch Kontakt in die Heimat?
Wenig. Ich bin schon mit 13 Jahren nach Berlin auf die Sportschule. Und die Leute, mit denen ich damals Kontakt hatte, sind auch gar nicht mehr da. Die sind nach Berlin oder andere größere Städte gegangen. Wenn ich zu Hause in Meyenburg bin, dann bei meinen Eltern.
Wie haben Sie eigentlich mit Volleyball begonnen?
Ich habe erst Leichtathletik getestet, aber Einzelsport war nicht so meins. Dann war in der 2. Klasse so ein Schnuppertraining mit Volleyball. Da bin ich mit ein paar Freundinnen hin und dann dabei geblieben. Und meine Eltern waren selbst sportlich und haben mich immer unterstützt.
Schwedt hat viele Talente herausgebracht. Wie erklären Sie sich das?
Zu meiner Zeit haben Sie da einfach gute Arbeit geleistet und Talente in den Schulen rausgefischt.
Zur Person
Denise Imoudu wurde am 14. Dezember 1995 in Schwedt geboren. Sie begann ihre Karriere beim TSV Blau-Weiß. Von dort wechselte sie zum Nachwuchsteam VC Olympia Berlin. 2011 nahm sie mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft an der U-18-EM in Ankara teil. Ab der Saison 2011/12 spielte sie mit dem VC Olympia in der Bundesliga, bevor sie im Sommer 2013 erstmals zu Meister und Pokalsieger Schweriner SC wechselte. In dieser Zeit hatte sie auch ihre ersten Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft, mit der sie 2018 in der Nations League spielte. Weitere Stationen waren Aurubis Hamburg, die Ladies in Black Aachen und zweimal der SC Potsdam (2016-18, 2019/20).
Imoudus Vater Marcus stammt aus Lagos/Nigeria und studierte in der DDR.⇥red

