Volleyball: Ostbrandenburger Nachwuchs in der Bundesliga etabliert
Pia Kästner nahm wohl die auffälligste Entwicklung des Trios. Nach den Stationen VC Olympia Berlin und SC Potsdam kam die Zuspielerin 2017 nach Stuttgart und wurde mit dem Allianz MTV im Vorjahr Deutsche Meisterin. Im Sommer war sie fünf Monate mit dem Nationalteam unterwegs und kehrte im September mit starken Rückenbeschwerden nach Stuttgart zurück. Ein echter Leidensweg begann. Kästner absolvierte keine einzige Saisonpartie. Hätten die Stuttgarterinnen erneut das Play-off-Finale um den Liga-Titel erreicht, vielleicht wäre das Comeback im Frühjahr noch möglich gewesen. Jetzt hofft sie auf das neue Spieljahr, um wieder voll einsteigen zu können.
Sindy Lenz ist seit knapp zwei Jahren bei Schwarz-Weiß Erfurt aktiv. Der Liga-Zehnte der inzwischen abgebrochenen Saison durchlebt zurzeit eine doppelt schwere Belastung. „Keine Spiele, kein Training – und hinzu kommt, dass wir momentan auch ohne Trainer sind.“ Florian Völker zieht sich vom Thüringer Verein zurück, der neue sei zwar inzwischen intern bekannt, „hat ja aber noch keine Möglichkeit, mit dem Team zu trainieren“, erzählt Lenz am Telefon. „Wir sind uns ziemlich selbst überlassen. Mit Stabi-Übungen wie Unterarmstütz, Sit-ups, Kniebeugen und Liegestützen sowie ausgedehnten Radtouren halte ich mich zumindest körperlich fit“, erzählt die 21-Jährige, die bei Blau-Weiß Schwedt das Einmaleins des Volleyballs erlernte, an den Bundesstützpunkt zum VC Olympia nach Berlin wechselte und dort seit der Saison 2014/15 bereits vier Spielzeiten in der 1. Bundesliga absolvierte.
Danach gab es verschiedene Angebote. „Erfurt war aus heutiger Sicht die absolut richtige Entscheidung. Hier kann ich mein Fernstudium in Chemischer Verfahrenstechnik an der Hochschule Wilhelm Büchner Darmstadt absolvieren, habe viel Spielzeiten – und auch mein privates Glück gefunden“, zieht die Außenangreiferin ein Zwischenfazit. Ihr Vertrag läuft bis 2021.
Zuschauereinnahmen fehlen
Das Trio vervollständigt Sophie Dreblow, mit ihren nur knapp 1,70 m auf der Libera-Position zu Hause. SC Potsdam, VC Olympia und nochmals Potsdam waren ihre Stationen, ehe sie 2018 zum jetzigen Liga-Achten NawaRo Straubing in Bayern wechselte.
Ein weiteres Schwedter Talent, die zwei Jahre jüngere Natalie Wilczek, spielt seit 2014 beim SC Potsdam und nun die dritte Saison in der 1. Bundesliga. Aus Brandenburgs Landeshauptstadt kommen derzeit allerdings nicht so gute Signale: Nach einem grandiosen dritten Platz zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs ist jetzt, wie auch in Erfurt, Kurzarbeit angesagt. Normalerweise lebt ein Verein im Jahr nach einer solch tollen Saison von den (finanziellen) Lorbeeren, die er sich erarbeitet hat, ist vom SCP zu lesen. Das sei nun nicht möglich.
Sportdirektor Toni Rieger sagt: „Die Play-offs sind die attraktivsten Spiele. Uns sind allein an Zuschauer-Einnahmen und Prämien 70 000 Euro durch die Lappen gegangen.“ Bei einem Etat von 700 000 Euro eine ordentliche Hausnummer. Nun müsse wohl sogar der Kader für die nächste Saison auf nur elf Spielerinnen reduziert werden. Und mit Denise Imoudu fehlt dann eine ambitionierte gebürtige Schwedterin.


