zur Handball-WM
: Handballer haben sich clever positioniert

Sympathisch, nahbar und bodenständig - die Handballer sorgen gerade in Deutschland für Begeisterung
Von
Sebastian Schmid
Berlin
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Sebastian Schmid

SWP

Das Überraschendste an dieser Erkenntnis ist die Überraschung selbst. Dass Handballer bodenständig sind, sich vernünftig ausdrücken und körperlich einiges einstecken können, ist nicht neu. Nur interessiert sich dafür niemand, solange Deutschland nicht bei einem großen Turnier erfolgreich ist. Dass Uwe Gensheimer und Co. sind, wie sie sind, liegt auf der Hand. Sie haben keinen Grund, abzuheben. Zwar verdienen auch sie gutes Geld. Aber das steht in keiner Relation zu den Gehältern von Fußball-Profis. Zum Vergleich: Für den Titelgewinn erhalten die Handballer vom Verband 450 000 Euro – für das gesamte Team wohlgemerkt. Jogi Löws Kicker hätten für den Weltmeisterschaftstriumph in Russland pro Kopf 350 000 Euro bekommen.

Deshalb hat kaum ein Handballer nach seiner Karriere ausgesorgt, fast alle studieren nebenbei. Handballer und Fußballer zu vergleichen, ist eigentlich nicht fair. Zu unterschiedlich sind die Welten, in denen sie leben. Den Kickern ist das zum Teil nicht einmal vorzuwerfen. Sie werden von Fans und Medien in jungen Jahren so gehypt, dass sie zwangsläufig die Bodenhaftung verlieren.

Die Handballer dachten sich deshalb etwas aus und haben sich bei der WM clever positioniert. Von Beginn an haben sie sich als bodenständige Alternative bezeichnet. Nun, da der Erfolg da ist, begeistern sie mit ihrer Art. Die Euphorie wird aber nicht nachhaltig sein. Bereits in zwei Monaten werden der breiten Masse die Handballer wieder egal sein. Ein paar Kinder mehr in den Vereinen, ein paar mehr Zuschauer bei Heimspielen – das war’s. Trotzdem benötigen andere Sportarten solche Erfolge, um zumindest für einen Moment aus dem alles erdrückenden Schatten des Fußballs hervortreten zu können. Die Handballer nutzen die große Bühne optimal. Jede Sekunde im Rampenlicht ist dieser sympathischen Mannschaft aus vollem Herzen zu gönnen. An der Allmacht der Fußballer werden sie aber nichts ändern. Egal wie bodenständig sie bleiben.