So ein bisschen fehlten Union Fürstenwaldes Doppeltorschütze Lukas Stagge nach dem historischen 2:1-Erfolg im Finale des Fußball-Landespokals über den SV Babelsberg 03 im Luckenwalder Werner-Seelenbinder-Stadion und dem damit verbundenen Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals noch die Worte. "Es ist wirklich unglaublich. Das ist das, was wir uns die ganze Woche gewünscht haben", sagte der 23-Jährige.
In einer offenen Partie, in der die beiden Regionalligisten immer den schnellen Weg nach vorne suchten, gehörte Babelsberg die Anfangsphase, aber Fürstenwalde bewies Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Eine Flanke von Kay Michel köpfte Stagge nach 13 Minuten ungehindert ins Tor. Und nur sieben Minuten später machte sich eine einstudierte Standardvariante der Domstädter bezahlt. Nach der Ecke von Anton Kanther stieg der 1,84 Meter große Stagge am zweiten Pfosten hoch und köpfte den Ball ins Tor.
"Ich war früher mal Stürmer. Der Trainer wusste, dass ich für Torgefahr sorgen kann und der Plan ist super aufgegangen", kommentierte Stagge. In der abgelaufenen Saison erzielte er in 24 Spielen zwei Tore. "Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal zwei Kopfballtore gemacht habe. Das war vielleicht in der Jugend." Fürstenwaldes Trainer Matthias Maucksch erzählte nach dem Spiel, dass er den Doppeltorschützen unter der Woche nicht extra ans Kopfballpendel geschickt hat. "Er ist einfach ein guter Kopfballspieler und Verwerter. Wir haben zielgerichtet Standards geübt." Babelsbergs Trainer Predrag Uzelac war nach dem Spiel bedient. "Wir haben bei den Gegentoren zwei Mal nicht aufgepasst. Wir waren nicht konzentriert genug, obwohl wir vor dem Spiel genau davor gewarnt haben."
In der zweiten Halbzeit kamen die Babelsberger druckvoller aus der Kabine und drängten auf den Anschlusstreffer. Das Spiel wurde insgesamt immer zerfahrener und war geprägt von vielen Zweikämpfen und härteren Fouls. Schiedsrichter Marcel Riemer aus Eisenhüttenstadt hatte die Partie bis auf ein paar strittige Entscheidungen jedoch weitestgehend unter Kontrolle.  "Babelsberg hat nach der Halbzeit alles riskiert und nach dem Anschlusstreffer hatten sie das Momentum auf ihrer Seite, da mussten wir einfach gegenhalten. Zum Ende hin war es ein richtig dramatischer Pokalfight und es wurde nochmal eng, aber zum Glück hat es gereicht", analysierte Union-Trainer Maucksch. Und Torschütze Stagge fügte hinzu: "Bei uns hat das frühe Anlaufen, wie in der ersten Halbzeit, gefehlt. Da konnten sie gezielte Bälle nach vorn spielen, aber wir haben gut dagegen gehalten und verdient gewonnen."
Babelsbergs Uzelac haderte zudem mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft um Torjäger Daniel Frahn. "Heute war einfach nicht unser Tag. Wir hatten Chancen für zwei Spiele, aber da müssen wir vielleicht einfach vom Gegner lernen. Er war in den wichtigen Situationen einfach cleverer."
Am Mikrofon des rbb gab sich der Fürstenwalder Doppeltorschütze Stagge nach dem Spiel auch ganz pragmatisch. "Das ist eine Riesenstütze. Jetzt können wir unser Flutlicht bauen", sagte er mit Blick auf die über 130 000 Euro, die der Verein als Prämie für den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals erhält. Dabei blieb er jedoch nicht lange trocken, denn seine Teamkollegen übergossen ihn zur Feier des Tages mit einem großen Eimer Wasser.
Nächstes Spiel bereits Mittwoch
Doch gefeiert wurde der historische Triumph am Samstagabend nur mit angezogener Handbremse. "Wir werden ein bisschen feiern, aber müssen uns ab Sonntag auch wieder schnell regenerieren, um fit für das nächste Punktspiel zu sein", sagte Lukas Stagge. Sein Trainer war da schon ein wenig euphorischer. "Wir sollten diesen Moment auf einfach mal genießen." Bereits am Mittwochabend ist für Fürstenwalde wieder Ligaalltag angesagt. Der Favorit der Regionalliga Nordost, Carl-Zeiss Jena, ist zu Gast in Brandenburg.
Am Wochenende vom 11. bis 13. September geht es für den FSV Union Fürstenwalde nun gegen Bundesligist und Europa-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg.  Für Fürstenwaldes Coach Matthias Maucksch ist es in gewisser Weise eine Reise in die Vergangenheit. Von 1995 bis 1997 machte der gebürtige Dresdner 41 Spiele und erzielte fünf Tore für die "Wölfe". "Sie spielen in der 1. Liga und wir spielen in der 4. Liga, also die Verhältnisse sind eigentlich klar", blickte Matthias Maucksch bereits auf die Partie. "Aber wir wollen einen Plan haben, wie wir sie vielleicht ärgern können."
Dass es für die Fürstenwalder "nur" der VfL Wolfsburg geworden ist und nicht Bayern, Dortmund oder Gladbach, stört Matchwinner Stagge nicht. "Ich denke, das ist schon ein geiler Bundesligist. Dass wir überhaupt gegen einen spielen dürfen, ist schon eine große Ehre. Wir freuen uns und gucken einfach, ob da was geht." Vielleicht klappt es dann auch wieder mit einem Kopfballtor von Lukas Stagge.

Die Statistik zum Finale

FSV Union Fürstenwalde - SV Babelsberg 03 2:1

Fürstenwalde: Richter – Kanther (61. Atici), Turci (55. Martynets), Wunderlich, Mares, Geurts, Weiß, Stagge, Putze, Michel, Shoshi

Babelsberg: Gladrow – Montcheu, Lela, Saalbach, Hoffmann, Wilton, Danko (46. Wolf), Rangelov (83. Müller), Frahn, Schmidt, Dombrowa

Tore: 1:0, 2:0 Stagge (13./21.), 2:1 Rangelov (61.)

Schiedsrichter: Riemer (Eisenhüttenstadt)

Zuschauer: 729