Trainer Urs Fischer strahlte kurz vor Mitternacht über das ganze Gesicht. Das Grinsen des Schweizers war mindestens so breit wie derzeit die Offensivabteilung im Kader des 1. FC Union Berlin. Dank der insgesamt drei Stürmertore hatten sich die Eisernen am späten Donnerstagabend mit dem souveränen 3:0 (1:0) gegen Maccabi Haifa aus Israel den ersten Sieg in der Gruppe der Europa Conference League geholt.
„Vorn haben wir im Moment wirklich die Qual der Wahl. Das ist doch schön für einen Trainer“, erklärte Fischer. Durch den ersten Dreier in der spannenden Gruppe E schob sich Union Berlin auf Tabellenplatz zwei hinter Feyenoord Rotterdam vor, übrigens punkt- und torgleich mit Slavia Prag.
Für diese positiven Trainer-Qualen sorgten im erneut rot erleuchteten Olympiastadion vor allem Andreas Voglsammer (33. Minute), Kevin Behrens (48.) und der eingewechselte Taiwo Awoniyi (76.) mit ihren Toren. Fischer hatte sein Team im Vergleich zur letzten Bundesliga-Partie gegen Arminia Bielefeld auf insgesamt fünf Positionen umgestellt – ein Qualitätsverlust war nicht zu spüren.

Union Berlin besiegt Maccabi Haifa

Dass der israelische Meister nicht die mannschaftliche Stärke von Slavia Prag im ersten Gruppenspiel hatte, war ein Aspekt, den bei Union Berlin am Donnerstagabend niemand aus den Augen verlor. „Haifa war sicher nicht ganz so stark wie Prag“, räumte Torschütze Kevin Behrens ein. Und dennoch: Auf seine Offensivabteilung kann sich Union-Trainer Urs Fischer derzeit verlassen. Alle sieben Pflichtspieltore im Monat September gehen auf das Konto der Stürmer. „Natürlich kann man nicht jeden Spieler zufriedenstellen. Aber es ist gut, wenn man von der Bank nachlegen kann und die Jungs auf ihren Einsatz brennen, auch wenn sie nicht von Anfang an spielen“, sagte Fischer. Er ergänzte mit Blick auf das Mammutprogramm der Eisernen in Bundesliga, DFB-Pokal und Conference League: „Wenn das nicht da ist, dann wird es schwierig für uns.“ Am Sonntag steht bereits das nächste Bundesliga-Spiel beim FSV Mainz 05 an (Beginn um 15.30 Uhr).

Frankfurt/Oder

Union Berlin spielt am Sonntag in Mainz

Vor allem Kevin Behrens zeigt in diesen Tagen exemplarisch, wie man sich von der Bank in die Startelf spielt. Der Stürmer glänzte zuletzt mit seinen Joker-Qualitäten. Gegen Haifa durfte er nun erstmals von Beginn an ran. Tor Nummer eins durch Andreas Voglsammer bereitete Behrens mit einem energischen Sprint zur Grundlinie vor, Tor Nummer zwei wuchte er dann selbst per Kopf ins Netz. Sein Fazit: „Ein Tor und eine Vorlage – ja, ich bin ganz zufrieden mit meiner Leistung.“
Deshalb hat Trainer Urs Fischer für das Spiel am Sonntag beim FSV Mainz erneut die Qual der Wahl in der Offensive. Das etatmäßige Sturmduo Max Kruse und Taiwo Awoniyi saß gegen Haifa zunächst auf der Bank. Behrens und Voglsammer empfahlen sich mit jeweils einem Treffer. Und Sheraldo Becker blieb zwar torlos. Er spielte aber eine starke Partie auf der rechten Außenbahn, wo die Gastgeber letztlich den Grundstein für ihren ungefährdeten Sieg legten.
Zumal den Köpenickern am Sonntag in Mainz ein ganz besonderes Jubiläum winkt: der 100. Treffer in der Bundesliga. In seiner Premieren-Saison 2019/21 in der höchsten Spielklasse erzielte der 1. FC Union insgesamt 41 Treffer. 50 waren es im zweiten Jahr. Und jetzt stehen Fischer und sein Team bei acht Toren. Bei der obligatorischen Frage nach dem Namen des möglichen Jubiläumstorschützen in Mainz hätte sich der Schweizer als Prophet versuchen können. Stattdessen reagierte er gewohnt nüchtern. „Das ist mir eigentlich egal, wer das 100. Tor schießt“, antworte Fischer. Nur sein breites Grinsen bei der Pressekonferenz am späten Donnerstagabend verriet: Auf seine Offensivabteilung kann sich der Union-Trainer derzeit verlassen.

Maccabi-Fans offenbar antisemitisch beleidigt

Am Rande des Spiels sind Fans von Maccabi Haifa offenbar antisemitisch beleidigt worden. Zudem soll versucht worden sein, eine Flagge Israels anzuzünden, wie das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Potsdam bei Twitter berichtet. „Im gemischten Block wurden wir von Union-Fans bedroht, mit Bier beworfen“ und unter anderem „als 'scheiß Juden' beleidigt“, heißt es in einem Tweet: „Ein Union-Fan hat versucht, die Israel-Fahne einer unserer Zuschauerinnen anzuzünden, was glücklicherweise schnell durch Zivilpolizisten verhindert werden konnte.“
Es habe auch Union-Fans gegeben, „die sich gegen dieses Verhalten ausgesprochen haben“, hieß es weiter, dennoch sei die Gruppe „sicherheitshalber in den Maccabi-Block gewechselt.“ Union bat via Twitter um Hilfe bei der Ermittlung der mutmaßlichen Täter.