Taiwo wer? Na gut, zugegeben: Dass die Union-Fans den Namen von Taiwo Awoniyi, dem besten Köpenicker Torschützen der letzten zwei Jahre vergessen, ist äußerst unwahrscheinlich – wenn nicht gar unmöglich. Das zeigte auch die Reaktion der Union-Fans, die ihren Ex-Stürmer im Testspiel gegen den Nottingham Forest FC mit viel Applaus und Fangesängen empfingen.
Auf Trainer Urs Fischer kommt dennoch die Aufgabe zu, den Nigerianer wenigstens sportlich vergessen zu machen. Nach Max Kruse, der in der Winterpause zum VfL Wolfsburg wechselte, muss Union diesen Sommer erneut einen Top-Stürmer ersetzen. Bei Freigeist Kruse gelang das nach ein paar Anlaufschwierigkeiten, Sheraldo Becker und Winter-Neuzugang Sven Michel sprangen in die Bresche. Doch wer füllt die Lücke von Taiwo Awoniyi?

Das Sturm-Duo Jordan Siebatcheu und Sheraldo Becker überzeugt bei Union Berlin

„Es braucht einen Stürmer“, weiß Union-Trainer Urs Fischer. Der Angreifer, der Awoniyi am ehesten eins-zu-eins ersetzen könnte, ist Jordan Siebatcheu. Der US-Nationalspieler kam im Sommer für sieben Millionen Euro von den Young Boys Bern. In der gelungenen Generalprobe gegen Nottingham Forest am Sonnabend zeigte der 26-Jährige, was ihn auszeichnet. Er bringt Wucht und den richtigen Torriecher mit, traf in Bedrängnis aus kurzer Distanz mit seinem ersten Tor im Union-Trikot zum Siegtreffer.
„Er hatte Möglichkeiten, nicht nur heute, sondern auch vorher schon“, lobte Fischer nach Abpfiff. „Er war immer ganz knapp dran.“ Das Lob schränkte der Schweizer aber ein: „In gewissen Situationen sieht man, dass noch ein bisschen die Bindung fehlt.“ Dafür reichten fünf Wochen mit dem Team bei weitem nicht aus.
Zusammen mit dem Neu-Köpenicker stürmte der bewegliche Sheraldo Becker, der in der vergangene Rückrunde mit drei Toren und vier Vorlagen aufgefallen war. Auch gegen Nottingham zeigte der 27-Niederländer seine Stärken, zog immer wieder auf den rechten Flügel, während Siebatcheu als Anspielstation im Zentrum lauerte. So gelang Becker mit einer flachen Hereingabe auch die Vorlage zum Siegtor.

Auch Sven Michel, Tim Skarke und Kevin Behrens haben gegen Nottingham Forest Chancen

Die beiden Angreifer, die gegen Nottingham starteten und wohl zunächst die Nase vorne haben dürften, sind bei weitem nicht die einzigen Offensivoptionen in Unions Kader. Am Sonnabend durften sich auch Sven Michel, Tim Skarke und Kevin Behrens präsentieren, die sich nach ihren Einwechslungen allesamt Chancen erarbeiteten. Und dann wäre da auch noch der flinke Jamie Leweling, der verletzt einen Teil der Vorbereitung verpasste, aber bereits vergangene Saison bei Greuther Fürth seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellte.

Neukirchen am Großvenediger

Weitere Offenisve wie Levin Öztunali, Milos Pantovic, Tim Maciejewski und Andreas Voglsammer waren am Sonnabend gar nicht erst dabei – nicht etwa, weil sie verletzt waren, wie Fischer erklärte: „Die waren alle gesund. Am Schluss musst du dich entscheiden.“

Taiwo Awoniyi ist bei Union Berlin noch lange nicht vergessen

Die Optionen im Angriff sind bei Union also auch ohne Awoniyi reichlich vorhanden, vergessen ist der Nigerianer bei den Köpenickern aber noch lange nicht. Nach Abpfiff genoss der Stürmer die Zeit alleine auf dem Rasen, wurde noch einmal gefeiert und überraschte danach seinen Ex-Trainer in den Katakomben. Während Fischer mit den Journalisten redete, schlich sich Awoniyi von hinten an ihn ran, umarmte den Trainer und hob ihn hoch.
„Taiwo!“, erkannte der sonst so zurückhaltende Schweizer sogleich, freute sich merklich über das Wiedersehen und scherzte mit seinem ehemaligen Schützling. „Tut mir leid“, entschuldigte der sich auf Deutsch bei den währenddessen wartenden Journalisten, ehe er Fischer noch einmal in die Arme fiel und sich aus dem Stadion an der Alten Försterei verabschiedete.