Fußball
: FIFA-Direktor Lamour zu Infantinos Plänen: Wurden hintergangen

Der Betriebsdirektor des Fußball-Weltverbandes steht sonst nicht im Rampenlicht. Doch die Aussagen von Kevin Lamour zu den Investorenplänen haben es nun in sich.
Von
red/dpa
Zürich

Florence Hardouin (r) aus Frankreich, Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, und Kevin Lamour. Lamour erhebt nun Vorwürfe gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino (Archivfoto).

Harold Cunningham/UEFA via Getty Images/dpa
  • FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour wirft Präsident Gianni Infantino Täuschung vor.
  • Hintergrund sind Investorenpläne für eine neue Tochter FFE mit Anteilen für private Geldgeber.
  • Lamour fordert ein Ende des Projekts und Konsequenzen – er nimmt einen Jobverlust in Kauf.
  • Zuvor trat Berater Carlos Cordeiro aus Protest zurück und kritisierte fehlende Einbindung.
  • UEFA droht mit Rückzug ihrer 55 Verbände von FIFA-Wettbewerben, Mehrheit erscheint fraglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein weiterer hochrangiger FIFA-Mitarbeiter hat wegen der Investorenpläne schwere Vorwürfe gegen Gianni Infantino erhoben, den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes. Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hieß es in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

Zuvor war Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, aus Protest gegen das Vorhaben zurückgetreten. Er hatte dies ebenfalls mit scharfer Kritik verbunden. Auch er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein.

Lamour möchte „zumindest nachts ruhig schlafen“

„Es ist das Projekt einer Person“, schrieb Lamour und forderte indirekt Konsequenzen. „Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen.“

Lamour erklärte zwar nicht den Rücktritt von seinem Amt, das er seit dem 1. November 2024 ausübt, und begründete dies mit der Verpflichtung gegenüber seinen Kollegen. Der Franzose, der auch Schweizer Staatsbürger ist, stellte aber klar: „Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.“

Mehrheit für Pläne scheint inzwischen fraglich

Seit dem Bekanntwerden der FIFA-Pläne hat sich massiver Widerstand dagegen formiert. Die Europäische Fußball-Union droht sogar damit, dass ihre 55 Mitgliedsverbände nicht mehr bei FIFA-Wettbewerben wie Weltmeisterschaften antreten.

Nach Angaben der FIFA sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt.

Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben auch weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks. Derzeit ist allerdings fraglich, ob sich eine Mehrheit der weltweit 211 Verbände für die Pläne aussprechen würde.