Bundesliga 1. FC Union Berlin
: Fans protestieren mit Tennisbällen – Sieg nach Fast-Abbruch

Die Bundesliga-Partie von Union Berlin gegen Wolfsburg steht wegen erneuter Fan-Proteste mit Tennisbällen vor dem Abbruch. Die erste Halbzeit ist so lang wie noch nie. Der FCU holt einen wichtigen Sieg.
Von
Frank Noack
Berlin
Jetzt in der App anhören

Danilho Doekhi von Union Berlin jubelt sein Kopfballtor zum 1:0 gegen den VfL Wolfsburg.

Andreas Gora/dpa

Wieder Tennisball-Proteste der Fans, wieder eine lange Unterbrechung und sogar der Abbruch stand im Raum: Diese unschönen Begleitumstände überschatten den 1:0 (1:0)-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg.

In sportlicher Hinsicht durften die Eisernen beim Comeback von Trainer Nenad Bjelica über drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga jubeln. Danilho Doekhi erzielte in der 21. Minute der Nachspielzeit in der ersten Halbzeit mit einem wuchtigen Kopfball die Führung und gleichzeitig den entscheidenden Treffer für die Gastgeber.

Es war unter dem Strich ein glücklicher Sieg. „Wolfsburg war die bessere Mannschaft und etwas frischer. Wir hatten acht Spieler, die am Mittwoch auf tiefem Boden in Mainz gespielt haben. Deshalb war der einzige Weg, dieses Spiel zu gewinnen, über Standards, Kampf und Zusammenhalt“, erklärte Union-Trainer Nenad Bjelica.

Unterdessen sorgten die Fans mit ihrem erneuten Tennisball-Protest für eine neue Stufe der Eskalation. Nach 27 Minuten flogen zunächst die Tennisbälle von der Waldseite der Union-Fans auf den Rasen. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Widerstand einiger Fangruppen gegen den Einstieg eines Investors bei der Deutschen Fußball Liga. Nach zwölf Minuten gab Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck die Partie zwar kurz wieder frei. Als erneut Tennisbälle flogen, schickte Jöllenbeck beide Mannschaften in die Kabine.

Wegen der Fan-Proteste mit Tennisbällen war die Partie zwischen Union Berlin und Wolfsburg minutenlang unterbrochen und stand vor dem Abbruch.

Matthias Koch

Bereits am Mittwoch beim Nachholspiel gegen den FSV Mainz 05 (1:1) hatten die Union-Fans mit ihren Tennisbällen für eine minutenlange Unterbrechung gesorgt. Auch diesmal geriet der Spielrhythmus komplett verloren. Erst nach einer erneuten Erwärmung beider Teams konnte weitergespielt werden. Stadionsprecher Christian Arbeit warnte die Fans deutlich davor, weiter Gegenstände auf das Feld zu werfen – und erntet dafür laute Pfiffe.

Warnung vor Abbruch des Spiels

Kurz danach flogen dann aus dem Gästeblock die Tennisbälle. Stadionsprecher Christian Arbeit musste erneut zum Mikrofon greifen. „Die Botschaft ist sehr deutlich angekommen. Viel deutlicher ist es kaum möglich“, sagte er in Richtung der protestierenden Fans und gab gleichzeitig eine deutliche Warnung des Schiedsrichters weiter: „Wir sind kurz davor, das Spiel nicht weiter austragen zu dürfen. Es ist der letzte Versuch, dieses Spiel sportlich zu Ende zu bringen.“

Nach Wiederbeginn wurden 21 Minuten Nachspielzeit in der ersten Halbzeit angezeigt – es ist damit die längste Halbzeit in der Vereinsgeschichte. Der gesperrte Union-Kapitän Christopher Trimmel war in der Pause hin- und hergerissen. „Protest sollte schon wehtun, sonst hört und versteht man ihn nicht. Deshalb verstehe ich den Protest in gewisser Art und Weise. Aus Spielersicht ist es aber für den Rhythmus natürlich nicht ideal. So eine Unterbrechung zerstört vielleicht nicht das Spiel, aber es kann eine Mannschaft aus dem Rhythmus bringen“, erklärte Trimmel am Sky-Mikrofon.

Dabei bot die Partie auch so jede Menge Gesprächsstoff. Denn es gab gleich zwei emotionale Comebacks. Auf Seiten der Gastgeber kehrte Cheftrainer Nenad Bjelica nach seiner Drei-Spiele-Sperre wegen der Unsportlichkeit gegenüber Leroy Sané von Bayern München an die Seitenlinie zurück.

Pfiffe bei Rückkehr von Kevin Behrens

Auch Wolfsburgs Kevin Behrens erlebte ein Comeback: Der Stürmer war erst vor 13 Tagen zu den Niedersachsen gewechselt. Bei seiner Rückkehr nach Köpenick gab es zwar auch Beifall für Behrens – aber mindestens genau so viele Pfiffe. Der Ex-Unioner hatte Teile der Anhänger der Eisernen mit einer umstrittenen Video-Botschaft („In Wolfsburg geht es ein stückweit professioneller zu als bei Union“) verärgert.

Für den Ex-Unioner Kevin Behrens (VfL Wolfsburg) gab es auch Pfiffe bei der offiziellen Verabschiedung.

Matthias Koch

Verzichten mussten die Gastgeber auf ihren neuen Abwehrchef Kevin Vogt. Der Winter-Neuzugang hatte sich am Mittwoch in Mainz die Fünfte gelbe Karte abgeholt. Und auch auf der rechten Außenbahn gab es eine erneute Umstellung. Josip Juranovic verletzt, Kapitän Christopher Trimmel (Rot) und sogar Notlösung Jannik Haberer (5. Gelbe) gesperrt – deshalb durfte gegen Wolfsburg Alex Kral ran. Er machte seine Sache sehr solide.

In fußballerischer Hinsicht hatte es die Partie schwer, sich gegen die Protest-Begleiterscheinungen zu behaupten. Beide Teams setzten auf viel Kampf und hohe Bälle. Die wenigen spielerischen Lichtblicke kamen von den Gästen aus Wolfsburg.