Union Berlin gegen Wolfsburg: Fußballgott? Pfeifkonzert und Beifall für Kevin Behrens

Der Empfang von Kevin Behrens (VfL Wolfsburg) durch die Fans von Union Berlin fiel unterkühlt aus.
Matthias KochDiese Frage stellten sich viele Fans: Wird Kevin Behrens von den Anhängern des 1. FC Union Berlin nach seiner umstrittenen Video-Botschaft jetzt noch als Fußballgott empfangen? Am Samstagnachmittag kehrte der 33 Jahre alte Stürmer des VfL Wolfsburg mit seinem neuen Verein zum Bundesliga-Spiel in das Stadion An der Alten Försterei zurück.
Zweieinhalb ging Kevin Behrens für die Eisernen aus Köpenick auf Torejagd und reifte hier nicht nur zum Bundesliga-Profi, sondern auch zum Nationalspieler. Bei seiner Rückkehr nur 13 Tage nach dem Vereinswechsel fiel der Empfang durch die Union-Fans unterkühlt aus.
Dabei gibt es ja eigentlich dieses ganz besondere Ritual im Stadion An der Alten Försterei: Von den Fans werden nicht nur die eigenen Spieler, sondern auch Ex-Unioner beim Verlesen des Namens vor dem Anpfiff mit dem Titel „Fußballgott“ bedacht. Ganz anders diesmal: Als Stadionsprecher Christian Arbeit den Namen von Kevin Behrens vorlesen wollte, gab es ein Pfeifkonzert. Arbeit verzichtete deshalb auf die Namensnennung im Rahmen der Wolfsburger Aufstellung.
Bei der offiziellen Verabschiedung kurz vor dem Anpfiff durch Präsident Dirk Zingler und Sportchef Oliver Ruhnert war die Stimmung dann gemischt. „Es gehört sich in unserem Stadion, dass wir Jungs, die für uns viel gegeben haben, ordentlich verabschieden“, rief Christian Arbeit den Fans zu. Am Ende gab es von den Rängen zwar doch den Titel „Fußballgott“ für Behrens. In den Applaus mischten sich jedoch auch viele Pfiffe.
Kevin Behrens auf dem Weg zur Vereins-Ikone
Rückblick: Noch vor ein paar Tagen schien Kevin Behrens auf dem besten Weg zur Vereins-Ikone bei Union Berlin zu sein. Ende Januar kam dann jedoch der Lockruf des VfL Wolfsburg – und damit des Geldes. Das allein hätten die Fans der Eisernen wohl noch verkraftet. Überhaupt nicht gut kam indes ein clubeigenes Video der Niedersachsen unmittelbar nach der Verpflichtung von Behrens am 31. Januar an. Auf die Frage nach dem Grund für seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg antwortete der Stürmer: „Weil es nochmal ein Verein in der Bundesliga mit Ambitionen ist. Nochmal stückweit professioneller als bei Union.“
Über diese Aussage von Kevin Behrens wurde in den Tagen vor dem Heimspiel des FCU gegen Wolfsburg heftig diskutiert. „Jeder weiß, dass es in Wolfsburg professioneller zugeht, das ist nicht das Problem. Aber ein paar Tage nach dem Wechsel, kurz bevor man als Gastspieler zurückkommt, kann man das einfach mal für sich behalten, ein paar nette Worte verlieren und gut ist“, sagte ein Fan am Rande des Wolfsburg-Spiels gegenüber MOZ.de: „Allein für diese Dummheit hat er für mich das ,Fußballgott‘ verloren.“
Fans von Union Berlin diskutieren im Internet
In den Internetforen gehen die Meinungen weit auseinander. „Undankbarer Typ“, meinte ein Union-Fan kurz und bündig. Ein anderer Anhänger sagt zu den umstrittenen Aussagen von Kevin Behrens: „Ein Max Kruse oder Sheraldo Becker etc. sind mit Anstand gegangen, aber das muss er mit sich selbst ausmachen.“ Es gibt unter den Anhängern der Eisernen jedoch auch Fürsprecher für Behrens. „Einmal Fußballgott, immer Fußballgott“, findet ein Fan.
Für Union-Präsident Dirk Zingler gehören solche Vereinswechsel zum Geschäft dazu. Warum Kevin Behrens für die kolportierte Ablösesumme von 1,3 Millionen Euro nach Wolfsburg gewechselt ist? „Weil er gehen wollte. Wir haben ihn nicht angeboten oder gesagt, er soll sich einen neuen Verein suchen. Kevin ist auf uns zugekommen“, stellte Zingler klar: „Spieler, die gehen wollen und mit dem Kopf schon woanders sind, sollte man nicht aufhalten. Wir haben allen Spielern gesagt: Wenn sie aus ihrer Sicht den nächsten Karriereschritt machen wollen, dann werden wir diesen Schritt nicht verhindern. Das wäre einfach unfair.“


