Union Berlin
: Warnung von Urs Fischer am Ende des Trainingslagers – „dann wird es gefährlich“

Der 1. FC Union Berlin beendet bald das Trainingslager in Österreich. Das Fazit von Trainer Urs Fischer fällt positiv aus. Ein Punkt bereitet ihm vor dem Start der Fußball-Bundesliga jedoch Sorgen.
Von
Frank Noack
Bramberg
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Trainer Urs Fischer muss in der kommenden Saison mit Union Berlin den Spagat zwischen Fußball-Bundesliga und Champions League hinbekommen.

Matthias Koch

Der meteorologische Rahmen passte im Prinzip perfekt zur wichtigsten Botschaft, die Urs Fischer am Ende des Trainingslagers in Bramberg am Wildkogel unbedingt loswerden wollte. Als der Trainer des 1. FC Union Berlin zweieineinhalb Wochen vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison sein Trainingslager-Fazit im Kreise der anwesenden Journalisten zog, öffnete der Himmel über dem Salzburger Land seine Schleusen. Um es mal unverblümt und ohne den Glanz der bevorstehenden Champions-League-Saison zu sagen: Es schüttete aus Kübeln. Und es war plötzlich so richtig ungemütlich.

Fischers Botschaft unter dem kleinen Pavillon auf dem Sportplatz der TSU Bramberg war trotz des Regens nicht zu überhören. Sie richtete sich natürlich zunächst einmal an die Handvoll Journalisten, welche das Team hier in den vergangenen zehn Tagen gemeinsam mit hunderten Anhängern beobachtet haben. Vor allem aber richtete Fischer seine Botschaft an alle jene, die es aus emotionalen Gründen mit den Eisernen aus Köpenick halten: Sponsoren, Fans und Freunde des Vereins. Vielleicht ist die Botschaft ja sogar auch ein stückweit an die eigene Mannschaft gerichtet. „Glauben Sie mir, jetzt wird es ja wieder losgehen mit der Champions-League-Geschichte“, sprach Fischer im Regen von Bramberg. Und mit seinem gewohnten knorrigen Schweizer Dialekt ergänzte er: „Aber – ich bereite die Mannschaft auf eine ganz schwierige Saison in der Bundesliga vor und nicht für die Champions League. Unser Kerngeschäft ist die erste Bundesliga.“

Im Regen lassen sich solche Warnungen natürlich viel besser verkaufen, als wenn einem die Sonne ins Gesicht scheint. Dabei hat der 1. FC Union in den zurückliegenden eineinhalb Wochen durchaus auch Sonne abbekommen. Aber es war vor allem der Wettermix, der dieses Trainingslager geprägt hat. Und auch die Saison 2023/24 wird für Fischer und sein Team ein herausfordernder Mix aus Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal. Am 13. August spielt Union in der 1. Runde des DFB-Pokals beim Südwest-Regionalligisten Astoria Walldorf. Eine Woche später am 20. August gastiert dann der FSV Mainz 05 zum Bundesliga-Auftakt im Stadion An der Alten Försterei. Zuvor steigt am kommenden Samstag die Generalprobe gegen den italienischen Erstligisten Atalanta Bergamo (15.30 Uhr).

Natürlich war es Urs Fischer am Ende des Trainingslagers auch wichtig hervorzuheben, dass sich die insgesamt acht Neuzugänge schon gut integriert haben. Insgesamt habe man die Übungseinhalte trotz des wechselhaften Wetters wie geplant durchziehen können, konstatierte er und verband seine positive Bilanz mit einem Dank „an die Platzwarte und die Leute im Hotel. Es war ja nicht so einfach, weil es viel Niederschlag gab. Alle Leute haben sich sehr um uns bemüht“.

All das war Urs Fischer wichtig. Aber noch wichtiger war ihm die Warnung vor zu viel Euphorie rund um die eiserne Premiere in der Champions League. Immerhin dröhnte die berühmte Hymne der Königsklasse natürlich auch in Bramberg immer wieder aus dem mitgebrachten Lautsprecher der Union-Fans. Er selbst denke derzeit „keine Sekunde an die Champions League“, beteuerte Fischer derweil.

Aber auch der Schweizer spürt in seinem Umfeld natürlich die riesengroße Vorfreude auf mögliche Spiele gegen Manchester City, Paris Saint-Germain oder Real Madrid. „Wenn ich Glückwünsche bekomme, dann wünschen mir sieben von zehn Leuten viel Glück für die Champions League. Nur drei Leute wünschen mir Glück für die kommende Spielzeit“, berichtete der Coach fast schon ein wenig entrüstet: „Ich sage dann immer: Wünscht mir lieber viel Glück für die Meisterschaft. Weil das unser Kerngeschäft ist.“ Fischer hat nach eigenen Angaben sein Saisonziel schon im Kopf. Er möchte „auch in der nächsten Saison Bundesliga spielen“. Mit anderen Worten: Trotz Platz vier in der Vorsaison geht es auch 2023/24 zuerst um den Klassenerhalt.

Union Berlin hat ein Luxusproblem

In seinen Worten schwingt die Sorge mit, dass Union Berlin angesichts der bevorstehenden Fußball-Feiertage am Dienstag und Mittwoch das Bundesliga-Wochenende sowohl mental als auch körperlich ein wenig aus den Augen verlieren könnte. Es ist zweifellos ein Luxusproblem, das vier Jahre nach dem Bundesliga-Aufstieg immer noch surreal erscheint. Und dennoch könnte dieses Problem der Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten zu schaffen machen. Denn der Kader wurde zwar auch in diesem Sommer wieder verstärkt. Aber er ist logischerweise noch weit davon entfernt, den Dreitages-Rhythmus in allen drei Wettbewerben einfach mal so wegzustecken.

„Wir haben vor und nach der Champions League jeweils ein Bundesliga-Spiel. Wir können uns nicht nur auf die Kirsche fokussieren“, warnt Urs Fischer. Die Kirsche ist die Champions League. Die Bundesliga etwa als Graubrot? Wer so denkt, ist bei Fischer komplett an der falschen Adresse. „Es gilt, das richtig einzuordnen. Das ist entscheidend. Das wird für alle eine Herausforderung“, prophezeit der Union-Trainer.

Wer jetzt den Eindruck gewinnen sollte, Urs Fischer freue sich gar nicht so sehr auf die Champions League – der kann an dieser Stelle ausdrücklich beruhigt werden. Natürlich freut sich Fischer auf die Königsklasse. Er freut sich sogar sehr darauf. „Wir dürfen stolz sein, in diesem Jahr Champions League zu spielen. Und wir wollen natürlich auch erfolgreich sein“, betont der Schweizer. Aber – er bleibt gleichzeitig bei seiner Warnung, die er am Ende des Trainingslagers in Österreich allen mit auf den Heimweg gab: „Wenn uns nur die Champions League interessiert, dann wird es gefährlich, wirklich gefährlich.“

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