Union Berlin in Bochum
: Abstiegskampf statt Champions League – Teamgeist auf dem Prüfstand

Champions League und Real Madrid sind Vergangenheit. Die Gegenwart für Union Berlin heißt: Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Für Trainer Nenad Bjelica stehen schwere Entscheidungen an.
Von
Frank Noack,
Jan Lehmann
Berlin
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Champions League mit Union Berlin: Kevin Volland (rechts) jubelt gemeinsam mit Janik Haberer über sein Tor gegen Real Madrid. Am Samstag (16. Dezember) spielt der FCU beim VfL Bochum.

Uwe Koch/Eibner-Pressefoto

Gut 500 Kilometer liegen zwischen dem Olympiastadion in Berlin und dem Ruhrstadion des VfL Bochum. Wenn der 1. FC Union am Samstag (16. Dezember) zum wegweisenden Kellerduell in Bochum antritt, dann sind die Champions-League-Nächste inklusive des dramatischen Abschlusses gegen die Königlichen von Real Madrid (2:3) schon wieder weit, weit weg.

Denn: In Bochum ist am Samstag um 15.30 Uhr knallharter Abstiegskampf für die Eisernen aus Köpenick angesagt. Der Sieger in diesem Kellerduell streckt zumindest vorsichtig den Kopf aus dem Keller in Richtung Tabellenmittelfeld heraus. Der Verlierer geht dagegen mit viel Druck in die englische Woche kurz vor Weihnachten und damit dem Abschluss des Fußballjahres 2023.

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir weiter in Europa spielen. Jetzt legen wir natürlich den absoluten Fokus auf die Bundesliga. Wir haben zum Abschluss noch zwei schwere Spiele gegen direkte Konkurrenten“, erklärt Trainer Nenad Bjelica. Nach dem Auswärtsspiel in Bochum kommt am nächsten Mittwoch (20. Dezember) der 1. FC Köln ins Stadion An der Alten Försterei. Bjelica verspricht: „Wir werden jetzt unsere ganze Kraft dafür einsetzen, um in der Bundesliga zu bleiben.“

Angesichts von Tabellenplatz 15 und Punktgleichheit mit dem Relegationsrang 16 wird das auch dringend nötig sein, um nicht ausgerechnet in der Champions-League-Saison aus der Bundesliga abzusteigen. Aus in der Champions League, Aus im DFB-Pokal – erstmals seit dem Aufstieg 2019 überwintert der FCU nur noch in einem einzigen Wettbewerb. Ist es ein Vorteil, dass sich die Eisernen jetzt ganz auf die Bundesliga konzentrieren können? „Schwer zu sagen“, findet Torhüter Frederik Rönnow. In jedem Fall müsse sich das Team jetzt „zu einhundert Prozent auf die Bundesliga fokussieren“, fordert Rönnow.

Genau darin liegt die große Herausforderung. Am Dienstagabend war Real Madrid, am Samstagnachmittag ist VfL Bochum. Nach der kräftezehrenden und überaus emotionalen Königsklassenpartie muss das Team jetzt schnell den Übergang in den Bundesliga-Alltag schaffen. „Die Situation ist nicht einfach. Aber wir machen gerade einen guten Schritt in die richtige Richtung. Jetzt heißt es – alles raushauen“, betont Kapitän Christopher Trimmel mit Blick auf den Trainerwechsel.

Unter dem Kroaten Nenad Bjelica hatte der 1. FC Union mit dem 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach die 16 Partien andauernde Sieglosserie beendet. Und gegen Real Madrid durften die Köpenicker über eine zwischenzeitliche Führung jubeln. „Real Madrid ist ein anderes Level – nicht nur für Union Berlin. Aber wir haben gesehen, dass wir auch gegen so einen Gegner mithalten können. Wenn wir als Team auftreten, können wir jeden Gegner schlagen. Die Mannschaft kann selbstbewusst die nächsten Spiele angehen“, appelliert Bjelica an die mannschaftliche Geschlossenheit.

Schwere Entscheidungen für Nenad Bjelica

Allerdings muss der neue Coach mit einer Besonderheit klarkommen. Der Kader, mit dem Bjelica den Klassenerhalt schaffen soll, wurde nicht für den Abstiegskampf, sondern für die Champions League zusammengestellt. Spieler wie Robin Gosens, Kevin Volland und natürlich vor allem Italien-Star Leonardo Bonucci sind mit einer ganz anderen Erwartungshaltung nach Berlin gewechselt. Sie müssen sich genau wie die Premier-League-Leihspieler Brenden Aaronson und David Fofana jetzt mit dem harten Bundesliga-Alltag anfreunden. Das bedeutet, dass Bjelica reihenweise schwere Entscheidungen zu treffen hat. Nur noch in einem einzigen Wettbewerb vertreten zu sein, bedeutet auch: Es gibt weniger Möglichkeiten zur Rotation.

Der Konkurrenzkampf wird also deutlich größer. Zum Beispiel auf der rechten Abwehrseite, wo Kapitän Christopher Trimmel derzeit nicht über Kurzeinsätze hinauskommt. Bjelica setzt stattdessen auf Josip Juranovic.

Der eiserne Teamgeist steht deshalb schon am Samstag im Kellerduell beim VfL Bochum auf dem Prüfstand. „Wenn wir so spielen wie gegen Mönchengladbach und auch über weite Strecken gegen Real Madrid, wenn wir also als Team agieren – dann können wir erfolgreich sein und den eingeschlagenen Weg weitergehen. Das muss wieder die Basis sein“, betont Rani Khedira.

Dann nämlich dürfte der Weg vom Olympiastadion zum Ruhrstadion des VfL Bochum aus Berliner Sicht gar nicht so weit sein.