„Hat es uns denn geschadet?“: Günther Jauch spottet über Umgang mit Grimms Märchen

Günther Jauch kommt in der Staatskanzlei Potsdam zur Verleihung des Landesverdienstordens. (Archivbild)
Annette Riedl/dpaEigentlich ging es nur darum, einen Platz auf dem Ratestuhl zu ergattern. Doch bei „Wer wird Millionär?“ entwickelte sich eine Auswahlfrage zu den Märchen der Brüder Grimm am Montagabend schnell zu einem ganz anderen Thema.
Günther Jauch wollte von den Kandidaten wissen:
„Was fällt in den Grimm-Märchen vom Froschkönig, Hans im Glück, Wolf und den sieben Geißlein sowie von Frau Holle in einen Brunnen?“
Die vier Antworten mussten den Märchen in der richtigen Reihenfolge zugeordnet werden.
Die Lösung: Beim „Froschkönig“ ist es die goldene Kugel, bei „Hans im Glück“ sind es zwei Steine, beim „Wolf und den sieben Geißlein“ landet der Wolf im Brunnen und bei „Frau Holle“ fällt die Spule hinein.
Als einziger Kandidat ordnet Axel Pante die Antworten richtig und darf anschließend bei Jauch Platz nehmen.
Jauch spricht plötzlich über die Grausamkeit der Märchen
Doch bevor es mit den regulären Fragen weitergeht, kommt der Moderator noch einmal auf das Thema Märchen zurück.
„Heute darf man Grimms Märchen wegen Grausamkeit ja praktisch gar nicht mehr vorlesen“, sagt Jauch.
Sein Kandidat stimmt ihm zu und erklärt, dass er es schlimm finde, wenn solche Geschichten heute nicht mehr vorgelesen würden.
Jauch greift den Gedanken auf – und steigert ihn mit deutlich erkennbarem Augenzwinkern ins Absurde.
„Hat es uns denn geschadet? Sind wir Massenmörder geworden? Haben wir Kinder in Käfige gesteckt und haben jeden Tag geguckt, ob sie dicker geworden sind, um zu sehen, ob wir sie irgendwann braten können?“
Axel Pante reagiert trocken. „Ich nicht.“
Damit ist das Thema für Jauch auch schon wieder beendet.
Grimms Märchen sind natürlich nicht verboten
So zugespitzt Jauchs Bemerkung klingt: Ein Verbot von Grimms Märchen gibt es selbstverständlich nicht.
Tatsächlich wird aber schon seit langer Zeit darüber diskutiert, wie geeignet manche der ursprünglichen Geschichten für Kinder sind. Viele Märchen enthalten Gewalt, Tod, Bedrohung und teilweise äußerst grausame Strafen.
Das ist auch historisch wenig überraschend.
Die Sammlung der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm entstand ursprünglich keineswegs ausschließlich als Kinderunterhaltung. Vielmehr sammelten die Brüder im frühen 19. Jahrhundert überlieferte Geschichten und Volksmärchen und verstanden ihre Arbeit zunächst auch als Beitrag zur Bewahrung deutscher Sprache und Kultur.
Die später weltberühmt gewordenen „Kinder- und Hausmärchen“ wurden erst im Laufe der Zeit stärker mit Kinderliteratur und Gute-Nacht-Geschichten verbunden.
Viele Geschichten wurden im Laufe der Zeit verändert
Hinzu kommt: Auch die Grimms selbst bearbeiteten ihre Märchen mehrfach. Spätere Ausgaben unterschieden sich zum Teil deutlich von frühen Fassungen.
Geschichten wurden sprachlich verändert, ausgeschmückt oder an ein anderes Publikum angepasst. Gleichzeitig blieben viele der heute berühmten Motive erstaunlich drastisch.
Genau daraus entsteht bis heute die Debatte: Sollten Kinder Märchen mit brutalen Szenen unverändert hören – oder sollten Eltern und Pädagogen sie altersgerecht auswählen und einordnen?
Von einem generellen Verbot kann allerdings keine Rede sein.
Bei „Wer wird Millionär?“ reichte die Frage zumindest für einen kurzen Schlagabtausch zwischen Günther Jauch und seinem Kandidaten.



