Aktionstag am 21. September: IG Metall: Arbeitgeber zerstören Industriestandort

Gewerkschaftschefin Christiane Benner kritisiert einen „Angriff auf das deutsche Wohlstandsmodell“.
dpa- IG Metall plant am 21. September einen bundesweiten Aktionstag mit über 200 Aktionen.
- Mehr als 100 000 Beschäftigte von Autoherstellern und Zulieferern wollen protestieren.
- Benner kritisiert Angriffe auf Rechte und warnt vor der Zerstörung des Industriestandorts.
- Gefordert werden Investitionen, Volumenmodelle und ein Bekenntnis zu deutschen Standorten.
- Von Berlin und Brüssel verlangt IG Metall strengere Local-Content-Vorgaben und rasches Handeln.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Einen „Weckruf in Richtung Arbeitgeber und Politik“, verbunden mit scharfer Kritik an den Unternehmensmanagern, will die IG Metall mit einem bundesweiten Aktionstag am 21. September aussenden. Mehr als 100 000 Beschäftigte von Autoherstellern und Zulieferern sollen in den Betrieben und auf der Straße für die Zukunft der Automobilindustrie protestieren. Geplant sind mehr als 200 dezentrale Aktionen im Bereich von ca. 80 IG Metall-Geschäftsstellen. Ein Schwerpunkt soll die Region Stuttgart sein.
„Ständig neue Angriffe auf erkämpfte Rechte“
„Wir erleben einen beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten in der Automobilindustrie“, kritisiert die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Ungeachtet sehr vieler Konflikte bei den Zulieferern „eskalieren Geschäftsleitungen und Vorstände noch mal massiv“. Es gebe ständig neue „Angriffe auf erkämpfte Rechte“ wie den Acht-Stunden-Tag oder die 35-Stunden- Woche. „Das muss aufhören.“
Der „Frust unter den Beschäftigten ist wirklich riesig, weil Opfer im Wert von mehreren Milliarden Euro anscheinend nicht genug sind“. Gemeint sind „schmerzhafte Einschnitte“ in Tarifverträgen als Gegenleistung für Jobsicherungen und Investitionen. „Jetzt kommt die nächste Runde, das macht die Leute wütend.“ Hunderttausende bangten um ihren Arbeitsplatz, weil die Situation in der Automobilindustrie so prekär sei.
„Angriff auf unser deutsches Wohlstandsmodell“
„Es wird schofelig – da melden viele den Autostandort Deutschland ab“, rügt die Vorsitzende. Dies sei „unanständig“. Ganze Forschungs- und Entwicklungsstandorte würden dicht gemacht, hinzu komme ein Aderlass bei Entwicklungsdienstleistern. „Niemand sollte sich täuschen: Das ist ein Angriff auf unser deutsches Wohlstandsmodell und auch auf unsere Demokratie.“ Die „Arbeitgeber zerstören den Industriestandort Deutschland, ohne die Probleme in der Substanz anzugehen“.
Die IG Metall fordere ein Bekenntnis der Arbeitgeber zu den Standorten und den Beschäftigten. Nötig seien Investitionen statt Dividenden. „Wir müssen mehr Substanz in den Unternehmen halten“, mahnt Benner. Die IG Metall beteilige sich daran, Kosten zu senken, „aber wenn ein Werk nicht ausgelastet ist, können die Leute Geldsäcke mitbringen und kriegen die Fabrikkosten nicht günstig dargestellt“. Insofern liege es nicht an den Löhnen.
„Luxusstrategie ist gescheitert“
Vielmehr fordert die Gewerkschaft unter anderem mehr Volumenmodelle an den deutschen Standorten. Die vor allem von Mercedes-Chef Ola Källenius betriebene Luxusstrategie sei genauso gescheitert wie die Strategie der riesigen Produktpaletten. Es brauche Autos, die als einheitliches Modell in großer Stückzahl produziert werden. Das senke die Kosten, dann könnte man mehr gleiche Teile verwenden und weniger unterschiedliche Arbeitsschritte wären notwendig. „Wir hätten eine Perfektionierung bestimmter Modelle, auf die wir uns konzentrieren könnten“, meint Benner. Damit würden die Margen auch wieder ansteigen. „Wir wollen hier echt nicht in Schönheit sterben.“
Auch die Politik in Berlin und Brüssel ist gefordert
Von der Bundesregierung wird ein entschiedeneres Eintreten für die deutsche Autoindustrie in Brüssel erwartet. Der freie Handel komme an seine Grenzen. „Die USA betreiben einen knallharten Protektionismus“, moniert Gewerkschaftsvize Jürgen Kerner. „China perfektioniert den Staatskapitalismus und überschwemmt die Weltmärkte mit Produkten, die schamlos billig sind und versuchen, die Preisschwelle zu unterlaufen.“ Nötig seien mehr Local-Content-Vorgaben - also Bedingungen für eine Produktion in Europa - „und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt muss die EU-Kommission handeln“, so Kerner.
Noch herrscht Friedenspflicht
Eigentlich sei der Aktionstag schon vor der Sommerpause nötig gewesen, ergänzt die Vorsitzende. „Von der Stimmung her hätten wir es früher machen müssen.“ Keinesfalls hätte man damit bis zum Ende der Friedenspflicht in der Metalltarifrunde warten können, weil der Druck der Basis so groß sei.
Konkret plant die IG Metall vielfach interne Betriebsversammlungen, die teils durch sogenannte aktive Mittagspausen unterbrochen werden – Gelegenheit für Protestaktionen wie etwa Sternmärsche vor den Werktoren. Dabei sollen sich auch Belegschaften diverser Firmen verbünden. Ob Produktionen dadurch beeinträchtigt werden, sagt die IG Metall nicht. Streiken darf sie derzeit nicht, weil noch Friedenspflicht herrscht, die in Baden-Württemberg erst am 31. Oktober endet.
Ihre Forderungen zur Tarifrunde sollen die Großen Tarifkommissionen gleich nach dem Aktionstag am 22. September beschließen. Tags drauf segnet der Vorstand die Forderung ab.
