Kurseinbruch um 15 %: Warum fällt die Rheinmetall-Aktie? - Das steckt dahinter

Warum fällt die Rheinmetall-Aktie? Nach erneuter Gewinnwarnung bricht der Kurs ein. Analysten senken Kursziele und Anleger reagieren verunsichert.
Karolis Kavolelis / Shutterstock.comDie Rheinmetall-Aktie erlebt am Donnerstag (5. November 2026) einen heftigen Kurssturz. Kurz nach Börsenstart notiert das Papier bei rund 845 Euro. Verglichen mit dem Xetra-Schlusskurs vom Mittwoch bei 1.003,40 Euro entspricht das einem Minus von über 15 Prozent. Bereits im vorbörslichen Handel war die Aktie auf Tradegate zeitweise auf etwa 915 Euro gefallen. Auslöser des Kursrutsches ist eine erneute Senkung der Jahresprognose. Am Mittwochabend hatte Rheinmetall mitgeteilt, dass sich wichtige Projekte verzögern und geplante Umsätze teilweise erst im kommenden Jahr anfallen dürften.
Rheinmetall senkt Umsatz- und Margenprognose
Konkret rechnet der Düsseldorfer Rüstungskonzern für 2026 nur noch mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte Rheinmetall Erlöse zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro erwartet. Auch die operative Ergebnismarge soll mit rund 18,5 Prozent niedriger ausfallen als die bislang prognostizierten 19 Prozent. Verantwortlich dafür sind insbesondere Verzögerungen beim Projekt Arminius, das die Modernisierung der Boxer-Panzerflotte der Bundeswehr betrifft. Rheinmetall rechnet nicht mehr damit, dass der entsprechende Auftragseingang noch 2026 erfolgt. Zudem verschieben sich im Geschäft mit Artilleriemunition voraussichtlich Losabnahmen und damit verbundene Umsätze ins kommende Jahr. Besonders belastend ist dabei, dass Rheinmetall seine Jahresziele bereits im August nach dem Stopp des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts reduzieren musste.
JPMorgan senkt Kursziel deutlich
Zusätzlichen Druck auf die Rheinmetall-Aktie üben negative Analysteneinschätzungen aus. Die US-Bank JPMorgan hat ihr Kursziel von 1.350 auf 1.150 Euro gesenkt und die Einstufung auf „Neutral“ belassen. Analyst David Perry verweist darauf, dass Rheinmetall innerhalb von elf Monaten bereits fünf Umsatz- oder Gewinnwarnungen veröffentlicht habe. Außerdem sieht er zunehmende Unsicherheiten bei den langfristigen Umsatzaussichten einzelner Heeresprodukte. Auch die ambitionierten Ziele für zahlreiche Gemeinschaftsunternehmen betrachtet Perry skeptisch. Zwar hält er die grundsätzliche Strategie von Rheinmetall nicht für falsch, die bisherigen Zielsetzungen erscheinen ihm jedoch zunehmend unrealistisch.
Mit Blick auf den Kapitalmarkttag am 27. November hält der Analyst an seiner Einschätzung „Negative Catalyst Watch“ fest. Er rechnet damit, dass Rheinmetall auch seine langfristigen Ziele für 2030 deutlich nach unten korrigieren muss. Andere Analysten bleiben etwas optimistischer. Die Citigroup senkte ihr Kursziel auf 1.374 Euro, hält aber an ihrer Kaufempfehlung fest. Auch Jefferies bestätigte zunächst die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro. Allerdings überraschte auch die Jefferies-Analystin Chloe Lemarie das Ausmaß der Prognosesenkung.
Trotz starker Quartalszahlen: Anleger verlieren Vertrauen
Bemerkenswert ist der Kursrutsch insbesondere deshalb, weil Rheinmetall für das dritte Quartal durchaus starke Geschäftszahlen vorgelegt hat. Der Umsatz stieg um fast ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte sogar um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro zu. Die operative Marge verbesserte sich von 14,8 auf 17,5 Prozent. Dennoch scheinen die Anleger derzeit stärker auf die wiederholten Prognosesenkungen und die Unsicherheiten bei künftigen Aufträgen zu reagieren als auf das Wachstum im abgelaufenen Quartal.
Die Rheinmetall-Aktie hatte bereits vor dem jüngsten Einbruch erheblich an Wert verloren. Von ihrem Rekordhoch bei 2.008 Euro vor gut einem Jahr war sie bis Mittwoch bereits um rund die Hälfte gefallen. Beim aktuellen Kurs beträgt der Abstand zum Höchststand inzwischen knapp 58 Prozent. Entscheidend dürfte nun sein, ob Rheinmetall beim Kapitalmarkttag am 27. November überzeugende Perspektiven für die kommenden Jahre präsentieren kann. Bis dahin bleiben insbesondere die möglichen Anpassungen der langfristigen Unternehmensziele ein Unsicherheitsfaktor für die Aktie.
