Freizeit und Ferien lokal: Großkatzen begegnen
Tempelfelde. Shenzi hat etwas von einem Teddygesicht, wie sie aufmerksam und interessiert den Gärtner beobachtet. Die weibliche Tüpfelhyäne sei die Königin ihres Clans, berichtet Kuratorin Constanze Mattes, der hier im Wildkatzenzentrum Felidae nur sie und ihren Partner Ed umfasst.
Von den insgesamt vier bekannten Hyänenarten beherbergt der kleine Zoo in Tempelfelde drei. Neben den Tüpfelhyänen haben die kleineren Streifenhyänen ihr Gehege, die in der Wildbahn bis nach Indien verbreitet sind und dort in Rudyard Kiplings Dschungelbuch Aufnahme fanden. Peanut ist die einzige Schabrackenhyäne in Deutschland, so Mattes stolz. „Sein Erzfeind ist der Wasserschlauch, auch wenn der ihm noch nie etwas getan hat, sondern nur zum Gießen verwendet wird“, erzählt sie – solche persönlichen Geschichten seien für Besucher viel spannender als die harten Fakten zu Habitat, Tragzeit oder Zahl der Jungen. „Die kann man sich spätestens nach dem dritten Tier nicht mehr merken.“
Dabei sollen die Bewohner hier doch Botschafter sein für ihre wild lebenden Verwandten. Das umfasst nicht nur Geparden oder Nebelparder, sondern alle Katzenartigen: Im Wildkatzenzentrum leben auch weniger bekannte Tiere von der madagassischen Fossa über den im antiken Ägypten verehrten Ichneumon bis zu Schleichkatzen wie dem nach Popcorn riechenden Binturong. Nein, das ist nicht die Art, die den teuren Schleichkatzenkaffee produziert. Constanze Mattes weist an dieser Stelle trotzdem darauf hin, diesen Kaffee bitte nicht zu kaufen. Die Tiere würden dafür wie in einer Legebatterie in viel zu kleinen Käfigen gehalten und tagein tagaus mit Kaffeekirschen vollgestopft, um die Nachfrage bei den Touristen möglichst billig zu bedienen.
Ebenso schlecht ergehe es Zibetkatzen, denen für die Parfümherstellung der Duftstoff Zibet aus den Analdrüsen ausgeschabt wird. „Wir sind an einem Forschungsprogramm der TU München beteiligt, die den Duft im Labor nachbilden wollen“, berichtet die Kuratorin. „Dafür stellen wir ihnen die Proben zur Verfügung, die wir hier vom Bambus abkratzen können – ohne dass es die Tiere stört.“
Als das Wildkatzenzentrum Felidae 2015 die Zoogenehmigung erhielt, wurde vom Amt als Auflage festgelegt, dass Besucher das Gelände ausschließlich im Rahmen von Führungen betreten dürfen. Der Grund dafür ist, dass man den Gehegen und Tieren dort sehr nahekommt. Daraus hat sich ein besonderes Konzept entwickelt: Die Führungen sind nicht nur für die Gäste ein einzigartiges Erlebnis, sondern aufgrund der Unregelmäßigkeit und unterschiedlichen Dynamiken auch für die Tiere noch interessant.Denn das Zentrum versteht sich nicht nur als außerschulischen Bildungsort, sondern auch als Tierbegegnungsstätte.
Die schwarzen Leoparden etwa horchen nicht nur auf, wenn Mattes sie wie zuhause ihre Hauskatzen beim Namen ruft. Weibchen Coco leckt ihr durch das Gitter sogar die Finger. Und wenn der VIP-Besucher – unter Aufsicht – die flache Hand daneben legt, wird er mit dem Gefühl von weichem Fell belohnt. Bis der erstaunte Ausruf die Großkatze aufschreckt. Auch wenn alle Tiere hier in x-ter Generation in Menschenhand leben, meist aus Artenschutzzuchten in Zoos stammen: Sie bleiben Wildtiere, keine zahmen Kuschelkatzen.
Nicht einmal Tiger Diego, der 2015 Berühmtheit erlangte, als er im Alter von wenigen Tagen und schwer dehydriert vor der Tür von Tierärztin Doris Tesch ausgesetzt wurde. Von Hand aufgezogen, hat er inzwischen sein eigenes Gehege auf dem Erweiterungsgelände des Katzenzentrums ihres Kollegen Renato Rafael. Dort stolziert Diego wie ein klassischer Zoo-Tiger am Zaun entlang, während seine Partnerin, die weiße Tigerin Heike, sich an schüchternen Tagen vor Besuchern auch hinter dem kleinen Hügel im Gehege verstecken kann.
Auf dem neuen Geländeteil gibt es Abstandsflächen, einen Tigertunnel, um die Tiere von unten zu beobachten, Platz für einen Picknickbereich und viele weitere Pläne und Projekte. Constanze Mattes hofft: „Perspektivisch – so in zehn, fünfzehn Jahren – können hier Besucher vielleicht irgendwann ohne Führung her kommen.“⇥eis
Führungen
Ein Besuch des Wildkatzenzentrum Felidae ist nur im Rahmen einer Führung und mit gültigem Ticket möglich.
Reguläre Führungen von etwa 90 Minuten finden ganzjährig samstags und an Feiertagen statt, in der Sommersaison auch sonntags. In den Ferien werden zusätzliche Führungen unter der Woche angeboten. Die genauen Termine sind auf der Website unter www.wildkatzen-barnim.de/fuehrungen abzufragen. Bei einer Gruppengröße von circa 25 Personen pro Führung zahlen Erwachsene 15 Euro Eintritt, Kinder 10 Euro.
Außerdem sind exklusive Führungen für bestehende Gruppen möglich. Der feste Gruppenpreis für bis zu 15 Personen beträgt 180 Euro, darüber hinaus gelten die individuellen Ticketpreise.
Eigene Angebote gibt es auch für Kindergeburtstage (ab etwa 7 Jahren). Für 180 Euro für bis zu 15 Personen enthält das Paket neben einer Kurzführung und Spielen rund um die Tiere ein Geschenk für das Geburtstagskind und den Versuch, ein Tier mit der Zange zu füttern.
Ein besonderes Erlebnis ist eine VIP-Führung, bei der auch Tiere gefüttert werden und die Pfleger versuchen, einen individuellen Kontakt zwischen Tier und Besucher herzustellen. Sie kostet 99 Euro für Erwachsene und 49 Euro für Kinder, jeweils plus einen optionalen Euro für den Artenschutz.

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