Amt Joachimsthal1: Jederzeit ein offenes Ohr

Mit tierischer Unterstützung: Luisa Berger und ihre Stoff-Schildkröte Resi wollen Ansprechpartner für alle Kinder, Eltern und Lehrer an der Georg-Büchner-Schule sein.
Eva EismannDrei Jahre lang hat die Schule darum gerungen, jetzt ist sie da: An der Georg-Büchner-Grundschule in Joachimsthal unterstützt mit Luisa Berger erstmals eine Schulsozialarbeiterin Kinder, Eltern und Lehrer im Alltag. Für Schulleiterin Katharina Brunsch ist das ein wichtiger Schritt – gerade weil soziale Probleme auch vor einer kleinen Schule auf dem Land nicht haltmachen.
„Wir haben seit bestimmt drei Jahren darum gekämpft, eine Schulsozialarbeit zu bekommen“, sagt Brunsch. Zeitweise habe sie der Schule „keine großen Chancen eingeräumt“. Der Grund: Andere Schulen hätten durch Programme wie „Startchancen“ oder aufgrund eines höheren Sozialindex eher Anspruch auf solche Unterstützung. „Wir sind vom Sozialindex knapp darunter“, so die Schulleiterin. „Trotzdem haben wir WG-Kinder, aber auch andere, die Hilfe benötigen.“
Hilfe trotz knapper Kasse
Dass die Stelle nun doch geschaffen wurde, sei nicht selbstverständlich gewesen. „Am Ende hat die Stadt gesagt: Wir haben zwar knappe Kassen, aber wir machen es trotzdem“, sagt Brunsch. Sie könne diese Entscheidung „nicht hoch genug bewerten“. Dabei habe die besondere Stellung der Schule im Ort eine Rolle gespielt. „Wir sind die einzige Grundschule im Ort, viele Aktive in der Politik haben hier Kinder oder Enkelkinder und konnten nachvollziehen, was gebraucht wird.“
Für Brunsch ist klar: Schulsozialarbeit ist keine Kür, sondern ein wichtiger Baustein. „Es geht auch ganz viel um Prävention“, sagt sie. Berger sei täglich da, könne regelmäßig in die Klassen gehen und Kinder früh erreichen. Denn: „Wenn sozial in irgendeiner Form etwas beeinträchtigt ist, kann man nicht lernen.“
Gerade im Schulalltag entstünden immer wieder Situationen, in denen zusätzliche Unterstützung fehle. „Wenn in der Hofpause etwas eskaliert, muss der Lehrer Unterricht machen – oder er zerreißt sich“, beschreibt Brunsch den Spagat. Schulsozialarbeiter könnten Kinder anders auffangen. Zumal sie eine andere Rolle einnehmen: „Sozialarbeiter bewerten die Kinder nicht.“
Einarbeitung und Austausch
Luisa Berger ist beim Internationalen Bund angestellt und bringt pädagogische Erfahrung sowie einen persönlichen Bezug zur Schule mit. „Meine große Tochter ging hier zur Schule“, erzählt sie. „Als Mama war ich immer nah am Kind.“ Die staatlich anerkannte Erzieherin arbeitet sich derzeit ein, ermittelt Bedarfe und geht in die Klassen. Unterstützung bekommt sie dabei auch durch den Träger: Hier sind mehrere Schulsozialarbeiter angestellt. Fachlicher Austausch und Vernetzung untereinander gehörten dazu.
Einen ersten Zugang zu den Kindern hat Berger schon gefunden – auch mithilfe von Stoff-Schildkröte Resi. „Resi hat einen Panzer und kann ganz viel widerspiegeln“, sagt sie. Inzwischen kämen schon erste Anfragen: „Können wir zu Resi?“ Kinder brächten Futter, Bilder oder sogar eine Halskette mit.
Anlaufstelle für Eltern
Berger versteht sich als zusätzliche Anlaufstelle – nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern. „Wenn Eltern gerade nicht weiterwissen, können sie sich an mich wenden“, sagt sie. „Manchmal will man nicht gleich mit dem Lehrer reden.“ Wichtig sei dabei vor allem eines: „Diskretion.“
Auch Themen wie Mobbing, Nähe und Distanz oder das soziale Miteinander möchte Berger in den Klassen aufgreifen. „Jedes Kind hat seinen Rucksack“, sagt sie. Nicht nur auffälliges oder aggressives Verhalten brauche Aufmerksamkeit. Brunsch ergänzt: „Es gibt auch Kinder, die ihre Probleme still austragen.“ Gerade bei Schulangst könne frühe Hilfe entscheidend sein. „Mit Corona hat das zugenommen. Wenn wir damals schon eine Schulsozialarbeit gehabt hätten, hätten wir da mehr abfedern können.“
Die Schule habe bereits viel unternommen, sagt Berger anerkennend. Doch Brunsch sieht in der neuen Stelle eine echte Erweiterung: „Sie ersetzt nicht die Arbeit der Lehrer.“ Aber sie schaffe Zeit und Möglichkeiten, Kontakte zu vermitteln und Unterstützung von außen einzubinden. „Sie ist nicht der Messias“, sagt die Schulleiterin über die neue Kollegin, „aber ein Qualitätssprung.“
Nähe und Vertrauen entscheidend
Berger selbst setzt bewusst auf Nähe und Vertrauen. Sie ist jeden Tag von 7 bis 15 Uhr vor Ort und lässt sich von den Kindern mit Vornamen ansprechen, anders als die Lehrer. „Ich bin jemand anderes für euch“, sagt sie. Das Interesse sei groß, die ersten Kontakte schnell geknüpft. „Die Kinder nehmen es an.“
Für Schulleiterin Brunsch ist das erst der Anfang. Jetzt gehe es darum, die Schulsozialarbeit dauerhaft zu etablieren und den Rahmen abzustecken – für Eltern, Lehrer und Träger. Vor allem aber für die Kinder. „Wenn’s um Kinder geht, sind alle da und helfen“, sagt sie über die Gesellschaft in Joachimsthal. „Wir freuen uns für die Kinder.“
