Probefahrt
: Der Volvo XC60 im Autotest

Die Schweden haben frühzeitig ein eigenständiges SUV-Modell auf die Räder gestellt. Der Erfolg des XC60 hält an.
Von
Hajo Zenker
Berlin
Jetzt in der App anhören

Nicht umsonst ein Bestseller: Volvo XC60

MOZ/Hajo Zenker

Bei Volvo laufen die Geschäfte gut. Hierzulande konnte man in diesem Jahr bisher um 24,5 Prozent zulegen (Gesamtmarkt: plus 13,5 Prozent). Weltweit gesehen steigerten die zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Schweden den Absatz 13 Monate in Folge. Der Anteil der rein elektrisch betriebenen Neufahrzeuge ist mit 13 Prozent nun fast doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.

Die bevorstehende Markteinführung des kompakten vollelektrischen SUV EX30 soll das Unternehmen auf seinem Weg zum rein elektrischen Automobilhersteller bis 2030 zusätzlich voranbringen. Doch auch Modelle mit Verbrennungsmotor kommen noch immer gut an. Nicht geändert hat sich nämlich, dass der XC60 bei uns das erfolgreichste Modell der Marke ist.

Motor

Reine Verbrenner sind bei Volvo passé. Mindestens eine elektrische Unterstützung als Mild-Hybrid ist Pflicht. Die gibt es für zwei Benziner und einen Diesel. Zusätzlich sind zwei Benziner als Plug-in-Hybrid erhältlich. Die Verbrenner sind allesamt Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum. Die Leistungspalette beträgt 197 PS bis 455 PS. Der von uns gefahrene stärkste Motor, der auf das Kürzel T8 hört, ist mit 310 PS vom Ottomotor und 145 PS vom Elektromotor laut Hersteller der stärkste Volvo aller Zeiten. Kein Wunder also, dass der immerhin 2,2 Tonnen schwere und 1,65 Meter hohe Wagen in unter fünf Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigt werden kann. Ein Rennwagen ist ein SUV dieser Größe natürlich trotzdem nicht. Auf der Autobahn wird, wie bei allen aktuellen Volvo-Modellen, bei 180 Stundenkilometern abgeregelt.

Karosserie/Ausstattung

Volvo hat den Trend zu Hochbeinern früh erkannt - seit 2008 ist das Modell XC60 zu haben. Den Schweden war es von Anfang an gelungen, das SUV-Modell sehr eigenständig und sehr ansehnlich zu gestalten - etwa mit einer Schulter, die Anklänge an klassische Volvos aufscheinen lässt. Das überzeugt seit Jahren viele Kunden, in Deutschland ist der Wagen schon lange das meistverkaufte Modell der Marke.

Der 4,71 Meter lange XC60 des Modelljahres 2024 wirkt sehr frisch. Auch innen überzeugt der Volvo mit skandinavischem Design - sachlich und schick, mit sorgfältig ausgewählten Materialien. Dazu gibt es ordentlich Platz für Passagiere und Gepäck (483 Liter). Wie bei allen aktuellen Modellen verzichtet Volvo auch beim XC60 mittlerweile auf ein eigenes Navigationssystem. Stattdessen lässt sich Google Maps über den Touchscreen zu nutzen, was zumeist sehr gut funktioniert und gerade bei der Stauvermeidung sehr hilfreich ist.

Ab Werk gibt es sieben Airbags, Notbremssystem, Spurhalteassistent, Schleudertraumaschutz, Verkehrszeichenerkennung, LED-Scheinwerfer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Audiosystem, beheizbare Außenspiegel sowie Abblendautomatik für Innen- und Außenspiegel, Regensensor, Tempomat, Rückfahrkamera, Fensterheber rundum, elektrisch einstellbare Vordersitze und fernbedienbare Zentralverriegelung an Bord. Die Liste der möglichen Extras ist lang.

Fahrverhalten

Das Fahrwerk ist harmonisch abgestimmt, Kurven lassen sich trotzdem dynamisch durcheilen. Mit dem beim T8 serienmäßigen Allradantrieb liegt der Wagen noch besonders gut auf der Straße und man muss auch vor schlechten Wegen keine Angst haben. Die Lenkung könnte etwas direkter sein.

Wirtschaftlichkeit

Den Einstieg in einen XC60 gibt es als Benzin-Mild-Hybrid und mit Frontantrieb ab 53.500 Euro. Die von uns gefahrene stärkste Variante mit Allrad beginnt dann bereits bei 72.990 Euro. Die Ausstattung lässt sich allerdings noch massiv aufstocken - und so landete unser Testwagen bereits bei stolzen 93.040 Euro.

Der Verbrauch beträgt offiziell 1,1 Liter Super auf 100 Kilometer, was wie bei allen offiziellen Plug-in-Verbräuchen mit dem wahren Leben wenig zu tun hat. Natürlich hängt ganz viel davon ab, wie häufig man Strom nachlädt. Da Schnellladen nicht möglich ist, braucht man also einen Platz, wo man regelmäßig in Ruhe laden kann (und bei möglichst niedrigen Strompreisen). Dann kann man viel rein elektrisch fahren - Volvo verspricht 76 Kilometer, wir kamen auf 71 Kilometer. So genutzt, sind im Mischbetrieb vier, fünf Liter Super möglich. Wer nur wenig elektrisch nachhilft, muss mit neun Liter Super rechnen.

Fazit

Der XC60 ist nicht umsonst ein Bestseller. Die Schweden verstehen etwas von Design und Solidität, gepaart mit Form und Raum. Wofür man aber auch ordentlich zahlen muss.