Beamer - erinnert sich noch jemand? Genau, gemeint sind jene Kisten, die für ein kleines Vermögen soetwas wie Kinogefühl ins Wohnzimmer bringen sollten. Die laut und heiß wurden, mit einer kurzen Lebensdauer der Lampen ärgerten und dazu nicht gerade einfach einzurichten waren. On top brauchte es noch eine Audioanlage, damit auch der Ton präsent sein konnte. All dies ist der Horizon Pro von XGIMI - nicht.

Universelles Flaggschiff

Schon mit dem kleineren und portablen Halo hatten die Chinesen gezeigt, wie Projektor heute geht. Cooles Design, durchdachtes Konzept, easy im Umgang und das alles zu einem Preis, für den man sich gern auch mal ein Zweitgerät hinstellt. Letzteres trifft auf das bisherige Flaggschiff nur bedingt zu. Immerhin muss man mehr als das Doppelte als für den Halo berappen und rund 1600 Euro sind sicher kein Pappenstil. Das war’s dann aber auch mit Wermutstropfen in diesem Review. Denn der Horizon Pro kann so viel mehr als der kleine Bruder und jeder Smart-TV in dieser Preisklasse oder auch darüber.
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Mit 2,9 Kilogramm ist er zwar nicht für unterwegs geeignet, aber flexibel genug, überall in Haus oder Wohnung eingesetzt zu werden. Um so mehr, als dass sich zum Gerätestart in wenigen Augenblicken die automatische Fokus- und Trapezkorrektur gesellt, die nicht länger braucht. On top passt die KI die Helligkeit der Umgebung an, so dass sich der Zeitraum zwischen Entscheidung, wo man gern Film schauen oder Games spielen will, und dem Start desselben, eher in Sekunden, denn Minuten bemisst. Schlussendlich wird wohl das entscheidende Kriterium die Steckdose, die der Horizon Pro zwingend in ca. 2,5 Metern Abstand braucht. Alles andere ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.

4K im Kino-Format

Für wen „size matters“ gilt, also die Größe des Bildes adäquat zum Grad des Vergnügens ist, der darf sich auf echtes Kino in den eigenen vier Wänden freuen. 7,62 Meter ist die maximale Diagonale, die der Beamer kann. Wohl zu viel für die meisten, aber bis auf 30 Zoll - also ein Zehntel - lässt sich das ganze verkleinern. Egal wie, aufgelöst wird in 4K, also mit 3840 x 2160 Bildpunkten bei einer Bildwiederholrate von 60fps. Der Bildchip sorgt zudem dafür, dass dank HDR 10 und Hybrid Log Gamma die Bildqualität immer gleichbleibend sehr gut und das Kontrastverhältnis hoch ist, es so gut wie keine Bewegungsunschärfen gibt. Das ist sicher auch für Gamer ein entscheidendes Kriterium, die sich zudem über eine sehr geringe Latenz freuen dürfen.

Einfache Handhabung, maximale Leistung

Die flexible Einsatzmöglichkeit des Horizon Pro stellt dabei an den Nutzer keine besonderen Anforderungen. Sicher, eine glatte Projektionsfläche, im Idealfall eine Leinwand - die automatisch erkannt wird - sind von Vorteil, aber im Prinzip funktioniert jede helle, wenn möglich weiße Wand, die nicht reflektiert. Ja, gar die gute alte Raufaser macht den Raum zum Kinosaal, wenn die bildlichen Anforderungen mal nicht allzu hoch gehängt werden. Da freilich sollte man vom Beamer immer das Maximum erwarten. Einfach, weil er es kann. So platziert die intelligente Software das Bild stets so, dass es Hindernissen wie Lichtschaltern oder Bildern aus dem Wege geht. Wer mit kleinen Beeinträchtigungen am Rand beispielsweise zugunsten eines großen Formates leben kann, der darf natürlich immer per Hand nachjustieren. Und auch hier geht alles komplett unkompliziert vonstatten.

Alles drin, alles dran, alles möglich

Ebenso wie die Ersteinrichtung. Mit Hilfe eines Android-Smartphones ist der Horizon Pro in wenigen Sekunden einsatzbereit. Denn die Nutzeroberfläche ist, wie auch beim Halo, Android-TV. Über den Playstore gibt es mehrere tausend Apps, die installiert werden können, um so auch jedem Anwendungszweck gerecht zu werden. Via Fernbedienung reagiert der Beamer aber auch auf Spracheingaben, also Google Assistant. Und wo wir schon bei der Eingabe sind: Per WiFi 2,4 oder 5 GHz bzw. per LAN-Kabel wird die Internetverbindung hergestellt. Wer andere Zuspieler nutzen möchte, dem stehen zwei HDMI- sowie USB-Eingänge zur Verfügung. Da auch Cromecast verbaut ist, macht ebenso die Spiegelung von Bildschirmen anderer Geräte wie Handys oder Tablets keine Probleme. Raus geht es nur in Sachen Ton. Und da wartet entweder ein optischer Ausgang oder ein Klinkenanschluss für die Kopfhörer. Allerdings beherbergt der Horizon-Pro unter seinem stylischen Metallkleid auch eine eigene Audio-Abteilung. Die beiden 8W, 45mm Breitbandlautsprecher von Harman-Kardon sorgen für ordentliche Unterhaltung, solange man nicht einen Action-Filmabend plant. Dann ist der Anschluss an eine größere Heimkinoanlage die bessere Wahl. Aber insgesamt ist der Sound immer noch deutlich besser als bei den meisten normalen TVs.

Fast überall einsetzbar

Beeinflusst wird das Höhrvergnügen natürlich auch vom Lüftergeräusch des Beamers, das unzweifelhaft vorhanden ist. Wie stark dies wahrgenommen wird, hängt maßgeblich vom Aufstellungsort ab. Der Horizon Pro ermöglicht im Prinzip alle Orte, an denen ein Beamer für gewöhnlich platziert wird, also vor oder hinter der Leinwand oder an der Decke. Ausgleichen kann die Software in Verbindung mit der Optik dabei Parallel-Abweichungen von bis zu 40 Grad horizontal und vertikal. Besonders flexibel, vor allem wenn es keine feste Halterung gibt, ist das Gerät aufgeschraubt auf den Desktop-Stand. Eine zum Gesamtdesign passende Metallkonstruktion, mit deren Hilfe der Horizon Pro auf jeder halbwegs glatten Oberfläche platziert werden kann. Ein Gelenk sorgt dabei für die optimale Ausrichtung zur Projektionsfläche.

LED-Lampen halten ewig

An der kommen bis zu 2200 Ansi Lumen an. Das ist die maximale Lichtausbeute, die die LED-Lampen hergeben. Zusammen mit der automatischen Helligkeitsanpassung sorgen optischer Sensor und KI dafür, dass das Bild je nach Umgebung möglichst optimal ausgeleuchtet ist. Aber auch hier bleiben dem User händische Eingriffsmöglichkeiten. So gibt es fixe Bildeinstellungen, beispielsweise für Film oder Spiel. Wem die in Sachen Weißabgleich und Farbtemperatur nicht zusagen, der darf dann aber auch im individuellen Bereich nachjustieren. Software und Lampen geben es her. Apropos: Die Beleuchtung eines Beamers ist nicht nur dessen Kernstück, sondern war bisher auch der Kostentreiber schlechthin. Kurze Lebensdauer und hohe Preise für Ersatz haben auf natürlichem Weg die Einsatzzeit der Geräte in der Vergangenheit reduziert. Die LED-Lampen im Pro dürften allerdings nun kein Hemmnis mehr sein. XGIMI gibt die Haltbarkeit mit rund 25 000 Stunden an. Das wären vier pro Tag, 17 Jahre lang. Und das bei einem Stromverbrauch, der bei nur knapp einem Drittel eines Fernseher liegt.

Heim-Kino statt klassischem TV

Womit wir schlussendlich wieder beim Preis wären. Mehr geht immer, wie ein Blick in die Angebote moderner 4K-Beamer verrät. Mehr Leistung fürs Geld wird man allerdings kaum finden. Als All-In-One-Lösung bietet der Horizon Pro Bild, Ton und Interaktivität in Form von Android-TV auf hohem Niveau. Dazu ist er vollkommen unproblematisch zu handhaben und fast ebenso zu platzieren. Er bietet nicht nur echtes Kinofeeling für zuhause, sondern kann zudem für alle, die auf lineares Fernsehen verzichten wollen, auch den TV ersetzen, ebenso den Monitor für Spiele oder andere Anwendungen. Das alles ist kompakt und in einer mehr als ansehnlichen Hülle verpackt.

Test-Fazit

Der Horizon Pro von XGIMI ist derzeit sicher konkurrenzlos unter den 4K-Beamern in Sachen Preis-Leistung, um so mehr als All-In-One-Gerät und in seiner kompakten Bauart. Inbetriebnahme und Nutzung sind einfach, schnell und selbsterklärend. Mit bis über sieben Metern Projektionsfläche bietet er echtes Heim-Kino-Erlebnis vor allem beim Bild.

XGIMI-Halo

Projektionsgröße: 30 bis 300 Zoll
Bild-Auflösung: 4K 3.840 x 2.160
Sound: 2x8W, 45mm Breitbandlautsprecher
Lichtquelle: LED 2200 Ansi Lumen, 25000 h
Eingänge: 2x HDMI 2.0, 2x USB 2.0, 1x Ethernet
Ausgänge: optisch, 3.5mm Klinke
TV-OS: Android 10
Drahtlos: WiFi 2.4/5 GHz, Bluetooth, Chromcast
Sprachsteuerung: Google Assistant
Maße/Gewicht: 208.4x218.4x136.2mm; 2,9 kg
Preis: ca. 1700 Euro