Der Junge muss an die frische Luft
: HP Kerkelings Jugendjahre

Traurig bis lustig: Caroline Link verfilmt ein Stück Lebensgeschichte von HP Kerkeling.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Der Junge muss an die frische Luft

WHV

Im Prinzip nur zwei Jahre im Leben des Hans-Peter Kerkeling hat Caroline Link verfilmt. Doch diese sind es, die den späteren Entertainer und Comedian geprägt haben. Und sie werden auch den Zuschauer prägen. Denn auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik wandelt die Handlung vor einer sehenswerten 70-er Kulisse. Im Mittelpunkt ein überragender Julius Weckauf, umgeben von einem kaum minder guten Ensemble an gestandenen Schauspielern. Link arbeitet die Zwischentöne fein heraus, gleitet weder ins Klaumaukige noch ins Kitschige ab. Emotional bleibt die Stimmung auf dem Level, wie ein Neunjähriger dies alles wohl verarbeitet hätte. Die Stimmung schlägt gekonnt von gelöst, lustig, unglaublich hin zu rat- und fassungslos bis tieftraurig um. Nichts menschliches ist dem Grundton fremd. Und daher kommt auch das Gefühl der ehrlichen Erzählung, denn HP Kerkeling beschönigt weder, noch dramatisiert er in seinen autobiografischen Erzählungen. Und am Ende, wenn sich HP klein und HP groß kurz in die Augen schauen, weiß man, dass es dennoch eine schöne Kindheit gewesen ist.

Genre: Drama; FSK: 6 Jahre; Laufzeit: 99 Minuten; Verleih: WHV; Regie: Caroline Link; Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring; D 2019