Film- und Vinyl-Kritik
: Back To Black - von Ruhm und Rausch

Im Biopic Back To Black erlebt Amy Winehouse für zwei Stunden eine Wiederauferstehung.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Back To Black: Biopic über Amy Winehouse mit Marisa Abela

Back To Black: Biopic über Amy Winehouse mit Marisa Abela

studiocanal

Amy Winehouse gehört zweifellos zu den großen Musikstars der frühen 2000er. Eigen in Stil und Musik erlebte sie eine kurze wie heftige Karriere und teilte schließlich das Schicksal anderer des Forever 27 Club.

In den Clubs von Camden ist sie längst ein Geheimtipp. Hier zieht die junge Frau mit den pechschwarzen Haaren auf der Bühne musikalisch über die Männer im Allgemeinen und ihren Ex im Speziellen her. Irgendwo zwischen Jazz und Pop, mit reichlich Soul dabei, verarbeitet sie ihren Beziehungsstress und ein glückloses Liebesleben.

Zumindest letzteres scheint sich deutlich zu verbessern, als sie Blake in einem Pub kennenlernt. Für ihn vorerst nur ein Flirt, für sie die große Liebe. Die sie allerdings mit nichts und niemanden teilen will. Blake bekommt das schmerzhaft zu spüren und sucht zunehmend die Distanz, Amy verarbeitet den Beziehungsstress, zu dem sich immer wieder Drogen- und Alkoholabstürze gesellen, in neuen Songs. Die wiederum bescheren ihr eine explosionsartige Popularität, die wie ein Katalysator auf all die Probleme wirkt. Und da sie nun auch Zielscheibe der Yello-Press ist, versinkt die Sängerin trotz allen Erfolges gern in der Parallel-Welt des Rausches, weil sie hier so sein kann, wie sie will.

Amy Winehouse kurze überschaubare Karriere

Dass mit Sam Taylor-Johnson ausgerechnet jene Regisseurin sich der fragilen Bio einer Künstlerin wie Amy Weinhouse annimmt, die ebenso den Schmachtfetzen „Fifty Shades Of Grey“ zu verantworten hat, sollte Fans und Wohlgesinnte der Musikerin nicht abschrecken. Die Karriere war kurz und vom Output her überschaubar. Anders als bei Queen oder Elton John beispielsweise mussten filmisch nicht Jahrzehnte aufgearbeitet werden. Insofern hatte es Taylor-Johnsen vergleichsweise leicht, die wichtigen Elemente unter einen Hut zu bekommen.

Back To Black Soundtrack

Der Soundtrack zum Film vereint einerseits eine Reihe der bekanntesten Songs von Amy Winehouse und liefert darüber hinaus Titel, die entweder für die Geschichte wichtig sind oder der Sängerin einfach nur Tribut zollen. Dazu gehört ganz sicher "Song For Amy" von Nick Cave, der mit für den gesamten Score verantwortlich zeichnet. Den Winehouse-Stücken "What is it About Men", "Tears Dry on Their Own", "Love Is A Losing Game", "Stronger Than Me", "Know You Now" stehen im Biopic immer für einen bestimmten Lebens- oder Leidensabschnitt und passen insofern gut auf die schwarze Scheibe. Und mit "Back To Black" ist dann auch noch einer der Über- und wichtigen Hits vorhanden. "Leader Of The Pack" von "The Shangri-Las" erklärt sich hingegen nur demjenigen, der auch den Streifen gesehen hat. Der Soundtrack rundet das Filmerlebnis durchaus gekonnt ab und dürfte vor allem für jene interessant sein, die sich Amy Winehouse bisher noch nicht so wirklich genähert haben. Die Qualität der Pressung ist durchweg sehr gut, der Sound erfreut mit warmen analogen Klang übers gesamte Frequenzspektrum hinweg.

Back To Black Soundtrack mit Originalaufnahmen und Songs anderer Musiker.

Back To Black Soundtrack mit Originalaufnahmen und Songs anderer Musiker.

Universal Music

Back To Black: Songs from the original motion picture
Universal Music

Und die waren zweifelsohne Ruhm und Rausch. Die Tragik lag vor allem wohl darin, dass es das eine ohne das andere nicht gegeben hätte. Ohne Frage mit einer begnadeten Stimme gesegnet, sorgte das Beziehungs-Chaos für den textlichen Input, dem dann die erfolgreichen Songs entsprangen, die schließlich zur Flucht in Alkohol und Drogen führten, was auf die eine oder andere Art die Beziehung zerstörte. Ein mörderischer Kreislauf, dem Amy 2011 erlegen ist. Nach Brian Jones, Janis Joplin, Jim Morrison oder Kurt Cobain ein weiteres prominentes Mitglied des legendären wie berüchtigten Forever 27 Club, der erfolgreiche Künstler führt, die mit 27 Jahren das Zeitliche gesegnet haben.

Marisa Abela ist Amy Winehouse

Taylor-Johnson arbeitet das mehr oder weniger chronologisch auf und legt dabei besonderen Wert auf eben genannte Kausalkette. Über den Menschen Amy erfährt der Zuschauer dabei eher wenig, kaum mehr über die musikalischen Wurzeln der Sängerin. Hier hätte man sich gern mehr Tiefe gewünscht. Wen die Oberfläche nicht stört, der wird dann allerdings dank der hervorragenden Performance von Marisa Abela bedient, die nicht nur optisch, sondern auch stimmlich nah an der Vorlage ist. Insofern lohnen sich die knapp zwei Stunden für all jene, die der Musik von Winehouse zugetan sind und etwas mehr über deren wilde Kurzkarriere erfahren wollen.

Back To Black

Genre: Biopic; FSK: 12 Jahre; Laufzeit: 122 Minuten; Verleih: studiocanal; Regie:
Sam Taylor-Johnson; Marisa Abela, Eddie Marsan, Jack O'Connell; GB 2024

Im Heimkino ab 18. Juli 2024.