Mazda MX-30 R-EV
: Ein Stromer mit Wankelmotor

Die japanische Marke Mazda hat sich immer um eigene Lösungen bemüht - und dabei stets auch dem Wankelmotor die Treue gehalten. Nun kommt dieser Verbrenner zurück - als Unterstützung für ein Elektroauto.
Von
Hajo Zenker
Berlin
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Jetzt auch mit Wankel-Unterstützung: Mazda MX-30

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Mazda liebt es, anders als die anderen zu sein. Das betrifft Antrieb, Design oder auch Materialauswahl. Bei reinen Elektroautos etwa sind die Japaner der Meinung, dass eine Reichweite von 200 Kilometern im MX-30 reicht. Weil aber selbst Stadtmenschen und Pendler auch einmal eine längere Ausfahrt, etwa in den Urlaub, machen wollen, gibt es nun (ab Ende November) den MX-30 in einer neuen Variante, als Plug-in-Hybrid, also als Kombination aus Elektroantrieb mit einem Verbrenner.

Aber Mazda wäre nicht Mazda, wenn man das nicht anders als andere machen würde: Die Japaner verwenden einen Wankelmotor als Reichweiten-Verlängerer. Dieser Kreiskolbenmotor ist seit 50 Jahren aus der automobilen Mode gekommen, nur Mazda hat ihn immer wieder in speziellen Modellen eingesetzt. Der Motor, erfunden vom Deutschen Felix Wankel, hat weder Hubkolben noch Zylinder. Die rotierenden Scheiben sorgen für platzsparende Bauweise und geringes Gewicht. Höherer Verbrauch und schwierigere Abgasreinigung sind dagegen Nachteile. Die Firma aus Hiroshima jedenfalls blieb an der Technik dran und produzierte seit 1967 insgesamt fast zwei Millionen Fahrzeuge mit Kreiskolbenmotor.

Nun soll bei der neuen MX-30-Variante, die das Kürzel R-EV hat, im Unterschied zu den meisten gängigen Plug-in-Hybriden gelten: Die Räder werden immer per Elektromotor angetrieben. Rein elektrisch kommt man 85 Kilometer weit. Der Wankelmotor samt Generator in Kombination mit einem Tankvolumen von 50 Liter erweitert die Gesamtreichweite jedoch auf bis zu 680 Kilometer (offizieller Verbrauch: ein Liter Super sowie 17,5 KWh auf 100 Kilometer). So wird der MX-30 doch noch langstreckentauglich. Und das Ganze funktioniert, wie erste Testfahrten zeigten, sehr gut. Nur auf der Autobahn wird der Wankelmotor im Bestreben, die Batterie rasch aufzuladen, weil bei hohen Geschwindigkeiten der Stromverbrauch stark steigt, deutlich vernehmbar. Bei 140 Stundenkilometern ist dann allerdings auch Schluss. Sonst aber funktioniert das System ganz fabelhaft.

Der R-EV ist ansonsten wie jeder MX-30: Vom Design her ein typischer Mazda, allerdings sind die gegenläufig öffnenden Fondtüren schon besonders, auch wegen des Wegfalls der B-Säule, nur leider müssen sich die vorn Sitzenden immer abschnallen und ihre Tür öffnen, wenn hinter ihnen Passagiere ein- oder aussteigen wollen. Hinten hält sich der Platz zudem für einen 4,40 Meter langen Wagen zumindest für Erwachsene in Grenzen, 350 Liter Kofferraum sind ok. Auch sonst wollte man noch etwas außergewöhnlicher sein als sowieso schon - etwa mit der Verwendung von Kork, was in dem hochwertigen Innenraum gut passt.

Der Preis ist theoretisch identisch mit dem reinen Stromer, nämlich 35.990 Euro. Allerdings erhält man für Plug-in mittlerweile keine Förderung mehr, für rein elektrische Autos dagegen gibt es in dieser Preisgruppe noch 6750 Euro Umweltbonus. Mazda glaubt trotzdem, dass es weiterhin einen Markt für Plug-in gibt. Interessanterweise rechnet Mazda für 2024 damit, dass sich 2500 Käufer für den MX-30 als Hybrid und nur 1500 für den reinen Stromer entscheiden werden.

Wie dabei das Modell im Ostdeutschland ankommt, muss sich noch zeigen. Grundsätzlich aber gilt: Dass Mazda als Marke im Osten besonders beliebt ist, hat nach Meinung der Japaner noch immer auch den Grund, dass der Mazda 323, in der BRD zu diesem Zeitpunkt der meistverkaufte Japaner, ab 1981 in 10.000 Exemplaren auch in die DDR, vorrangig nach Ost-Berlin, kam, für 24.600 DDR-Mark. Das hat für Bekanntheit und gutes Image gesorgt. Übrigens: Ursprünglich hatte auch die DDR vor, den Wankelmotor im Trabant zu nutzen und dafür mehrere Millionen Westmark an Lizenzgebühren bei NSU im Westen gezahlt - geworden ist daraus bekanntlich nichts.