Piraten-Game im Test
: Skull and Bones - fette Beute oder Schiffbruch?

Plündern, Brandschatzen, Seegefechte: Das Game „Skull and Bones“ verspricht viel Piraten-Action. Wir gingen auf Testfahrt.
Von
Stefan Klug
Frankfurt (Oder)
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Skull and Bones: Als Pirat auf den virtuellen Weltmeeren unterwegs.

Ubisoft

Als DLC zu AC Black Flag ist Skull and Bones vor zehn Jahren auf Kiel gelegt worden. Nunmehr hat das Piratenabenteuer als Vollpreis-Titel die Werft verlassen und wäre auf der Jungfernfahrt fast gekentert.

Eine Dekade in der Programmierung und kolportierte 200 Millionen Euro Entwicklungskosten - der Erfolgsdruck auf Skull and Bones ist riesig. Um so schlimmer die ersten Reviews nach der Open-Beta-Phase und der Schiffstaufe. Keine Story, zu viel Sammelei, ständige Wiederholungen... Und tatsächlich, nach den ersten Stunden auf dem virtuellen Ozean dürften nur überzeugte Seebären beim Steuerrad bleiben. Das Tutorial wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet und das Prinzip von Sammeln, Produzieren und Ausrüsten ist für Einsteiger schlichtweg unübersichtlich.

Dabei haben die Entwickler aus einem halben Dutzend Ubisoft-Studios weltweit viele Elemente in das Spiel gepackt, die sich in anderen bereits bewährt haben. Ganz wichtig dabei Ansehen: Um vom Schiffsjungen zum gefürchteten Piraten aufsteigen zu können, müssen Freund und Feind von den Taten beeindruckt sein. Den größten Push verleiht dabei, andere Schiffe zu versenken und deren Ladung zu erbeuten. Aber ebenso steigt die Achtung, wenn Aufträge von NPC erfüllt werden, die sich verstreut über die Spielkarte verteilen. Ein zweiter und ebenso wichtiger Game-Bestandteil ist die ständige Weiterentwicklung des schwimmenden Untersatzes. Zehn Schiffstypen stehen zur Wahl, die dann entsprechend hochgelevelt werden müssen. Welches Schiff gebaut werden kann, hängt in erster Linie vom o.g. Status des Piraten ab.

Bei der Ehre der Piraten

Für alles, was dann ausgerüstet werden darf, braucht man nicht nur jemanden, der es baut. Die entsprechenden Konstruktionspläne muss sich der Spieler ebenso beschaffen wie die erforderlichen Materialien. Einige Dinge gibt’s beim Händler, andere muss man erbeuten. Wiederum andere locken als Belohnung oder sie schwimmen so einfach im Meer herum. Was, von wem oder von wo und womit, wächst sich ziemlich schnell zu einem großen Unterfangen aus. Zwar gibt es Hinweise, welche Quellen der Spieler nutzen könnte, aber am Ende bleibt es eine zeitaufwendige Jagd nach Bestandteilen, die in Stunden und Tagen gemessen werden muss. Wer so etwas nicht mag, kann eigentlich gleich von Bord gehen.

Zehn Schiffstypen und zehn Piraten-Ränge biete das Freibeuter-Abenteuer.

Ubisoft

Apropos: Auch unser Käpt’n darf in der Piraten-Hauptstadt St. Anne sowie an Außenposten - verteilt übers sehr große Spielgebiet - sein Schiff verlassen. Er findet dann immer lokale Händler, ein Lager und einige Goodies. Im Besitz einer entsprechenden Karte sogar Schatzkisten. Aber die Landgänge sind dann doch eher notwendiges Übel als Spielspaß. Freies Erkunden findet ebenso wenig statt wie freie Auswahl der Orte, die man besuchen will. Alles läuft in engen und vorgegebenen Bahnen ab. Wirklich positiv sind hier vor allem zwei Dinge: Zum einen sind alle Lager mit dem zentralen in St. Anne verbunden.

Landgang auf Sparflamme

So empfiehlt es sich, möglichst häufig seine Beute entsprechend abzuliefern. Schlägt der Kahn nämlich auf hoher See Leck, gibt’s zwar einen Respawn, aber die Fracht bleibt verschwunden. Zudem dienen einige der verteilten Liegenschaften als Schnellreiseziel und sparen vor allem bei späterem Spielverlauf langwierige Überfahrten von A nach B. Auch nicht zu verachten ist der Umstand, dass man nach dem Landgang für schmales Geld sein Schiff komplett reparieren kann. Entsprechende „Medikits“ lassen sich zwar auch unterwegs anwenden, ab einer bestimmten Trefferquote jedoch bleibt immer ein Restschaden.

Feuer frei: Die Seeschlacht

Womit wir beim Herzstück von Skull and Bones wären: Die Seeschlacht. Jeder Schiffstyp verfügt über bestimmte Eigenschaften, Wendigkeit, Geschwindigkeit und Bewaffnung betreffend. Im späteren Verlauf des Abenteuers macht es durchaus Sinn, den passenden Kahn zum Auftrag zu wählen. Aber gerade in den Anfangstagen, wenn nur eine begrenzte Auswahl zur Verfügung steht, muss noch mehr Augenmerk auf Kanonen und Panzerung gelegt werden. Wie man die Decks bestückt, bleibt jedem selbst überlassen. Zudem ist es ratsam, sich genau zu überlegen, wer zum Kampf herausgefordert wird.

Prinzip Shooter. Der Kampf auf See ähnelt dem bekannten Muster.

Ubisoft

Die Action selbst ist der eines Shooters ähnlich. Mit der linken Schultertaste wird gezielt, mit der rechten geschossen. Gleichzeitig sollte über die Segeltrimmung die Geschwindigkeit reguliert werden, während die Analogsticks als Steuerrad dienen. Je flotter das Boot unterwegs ist, desto größer zwar der Wendekreis, dafür ist ein schnelleres Schiff weniger gut zu treffen. Insgesamt ist die Handhabung im Battle-Modus sehr gut gelungen und lässt einige taktische Spielchen zu, sich auch mit vermeintlich stärkeren Gegnern anzulegen.

Hat man jene auf unter die Hälfte ihrer Statusanzeige zusammen geschossen, kann geentert werden. Mehr als ein Knopfdruck und die folgende immer gleiche Cutscene passiert dabei allerdings nicht. In den Clinch Mann gegen Mann muss hier niemand gehen. Da es fürs Entern auch nur einen kleinen Bonus gibt und das feindliche Schiff ohnehin dann brennend in den Fluten versinkt, kann man es auch gleich dahin ballern und sammelt einfach dessen Fracht ein.

Ewig lockt der Feind

Wer Schiffe der NPC angegriffen hat, wird für deren Verbündete als Feind getaggt und muss eine Zeit lang damit rechnen, ohne Vorwarnung unter Beschuss genommen zu werden. Der Status der Feindschaft wird allerdings in einer entsprechenden Anzeige verdeutlicht. Ärger handelt sich allerdings auch ein, wer versehentlich Schiffe rammt. Insofern sollte in engen Passagen mit besonderer Vorsicht navigiert werden. Das Schlachtgetümmel ist insgesamt recht arcadelastig und somit leicht zugänglich und unterhaltsam ausgelegt. Dazu wird alles optisch und akustisch sehr ordentlich begleitet. In diesem Punkt erweist sich das Game als echtes Piratenabenteuer. Allerdings sind mit den Entwicklern bei den Waffen ein wenig die Pferde durchgegangen: Torpedos, Flammenwerfer oder gar Raketen kannten die Piraten seinerzeit nicht. Und so wäre Skull and Bones auch ganz gut ohne diesen neuzeitlichen Schnickschnack ausgekommen. Naja.

Skull and Bones: Die Fakten

  • Piraten-Abenteuer als Online MMO
  • Zehn verschiedene Schiffstypen
  • Zehn Piraten-Ränge
  • Bis zu drei Spieler können sich verbünden
  • Online-Dienst obligatorisch
  • Crossplay über verschiedene Plattformen möglich

Gemeinsam statt einsam?

Zudem wurde das Spiel eigentlich als MMO ausgelegt. Daher fehlt eine Kampagne komplett, ebenso ein Einzelspieler-Modus. Jeder kann das Abenteuer natürlich solo in Angriff nehmen, aber die Intention war das wohl kaum. Andere Gamer dürfen so zu einer Gruppe eingeladen werden. Doch in der Praxis passiert das kaum mit fremden Spielern. Wäre auf Dauer schwierig, rund um den Globus Gleichgesinnte zu finden, die dann immer online sein müssen, wenn man es selbst ist. So macht es mehr Sinn, einem anderen Piraten ohne Verpflichtung beizuspringen, wenn der sich gerade einen Kampf mit einer der NPC-Allianzen liefert.

Viel Spaß, aber...

Die enormen Kosten sind Skull and Bones nicht wirklich anzumerken. Die zehn Jahre Entwicklungszeit schon eher. So sieht die Grafik zwar durchweg gut aus, kann mit explosiven Spezialeffekten punkten, ist aber nicht heutiges State of the Art. Gerade das Schlachtengetümmel haben die Programmierer aber sehr schön herausgearbeitet. Fühlt sich zwar mehr nach Arcade als Simulation an, ist dafür aber eingängig, kurzweilig und unterhaltsam. Hier kommt im weiteren Spielverlauf echter Spaß an Beutezügen auf. Der Weg dahin allerdings ist ein langer. Das etwas unübersichtliche Sammel- und Herstellungssystem hat was von Hamsterrad, dem der Spieler nicht entkommt, wenn er aufsteigen will. Dazu wiederholt sich schon bald vieles, was das Gefühl noch verstärkt. Alte Seebären und solche, die auf maritime Action stehen, werden aber inhaltlich sicher nicht enttäuscht.

Eine Frage des Geldes

Sollte Skull and Bones dennoch Schiffbruch erleiden, so hat das vor allem monetäre Gründe. Ubisoft ruft für den ursprünglich als DLC geplanten und als Vollpreis-Titel vom Stapel gelassenen Seeausflug satte 70 Euro auf. Doch damit ist das finanzielle Ende des Hauptmastes noch nicht erreicht. Denn ein Online-Dienst ist obligatorisch. D.h., monatlich kommen zwingend noch einmal rund sieben Euro dazu. Wer bisher vor allem als Einzelspieler unterwegs war, zahlt also im ersten Jahr schonmal das Doppelte des originären Einzelpreises. Ein wahrlich teures Vergnügen.

Skull & Bones - Test-Fazit

Zehn Jahre Entwicklungszeit sieht man dem Piraten-Abenteuer mitunter an. Aber der Spielspaß geht vor allem bei den actiongeladenen Seeschlachten nicht unter. Daneben gibt es viel Sammelei, die teils unübersichtlich, teils ermüdend ist. Hauptproblem für den Titel könnten Preis und Online-Anbindung werden. Denn da summiert sich ein schöner Batzen Silber. Für Fans des Genres aber steckt trotz alledem viel Potenzial im Titel.

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