Probefahrt
: Der Hyundai Staria im Autotest

Nicht einfach nur ein Bus: futuristisch, unkonventionell und mit fürstlichem Raumangebot - der Staria ist schon besonders.
Von
Roberto Wenk
Berlin
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Futuristisch: Hyundai Staria

Roberto Wenk

Der Staria ist ein klassischer Bus, der allerdings so viel Futuristisches und Cleveres an beziehungsweise in sich trägt, dass dieses Auto definitiv einen genaueren Blick wert ist. Anders als manche Konkurrenten macht der Koreaner da weiter, wo die anderen aufhörten, nämlich einen Kleinbus mit klassischem Diesel zu bauen.

Motor

Ein Reihenvierzylinder übernimmt den Antrieb dieses Busses, der als Commonrail-Turbodiesel aus 2,2 Litern Hubraum 177 PS respektive 430 Newtonmeter generiert. Der Selbstzünder gehört lauftechnisch zu den Sanftmütigen, was bei einem Vierzylinder nicht unbedingt als Voraussetzung gelten muss. Die Kraftübertragung übernimmt eine sanft schaltende 8-Stufen-Automatik.

Karosserie/Ausstattung

Die Optik des Hyundai Staria wirkt insbesondere von vorne betrachtet ziemlich futuristisch und gleichzeitig herrlich unkonventionell. Durchgängiger LED-Streifen, die Scheinwerfer als mehrteilige Einheiten tief unten in der Schürze platziert - dieser Bus könnte auch aus einer Sci-Fi-Serie aus den 90ern entstammen, ohne das abwertend zu meinen. Mit 5,25 Metern Länge und riesigen Glasflächen ringsum stellt er seine Konkurrenten von Volkswagen oder auch einen Citroen Spacetourer problemlos in den Schatten. Vertikal verlaufende LED-Heckleuchten im Pixeldesign erinnern ein wenig an den Ioniq 5, wobei dieser Bus mit E-Antrieben nichts am Hut hat; zumindest noch nicht.

Entsprechend den Außenmaßen herrschen im Innenraum des Staria fast schon fürstliche Platzverhältnisse. Der Zugang zum Fond erfolgt über elektrisch betätigte Schiebetüren. Das geschieht flüsterleise - wie auch das Bedienen der elektrischen Fensterheber vorne. Das muss mal erwähnt werden, weil sowas eher an eine S-Klasse als an einen Mittelklasse-Bus erinnert.

Die zweite Sitzreihe besteht aus zwei Premium-Relax-Sitzen mit opulenter Lederpolsterung, voll klimatisiert und einer elektrisch einstellbaren Liegefunktion. Dank Längsverschiebbarkeit dieser Sitze werden Fußräume frei, die selbst Player aus der NBA genügend Beinfreiheiten lassen. Die dritte Sitzreihe bietet Platz für drei weitere Insassen. Die Rundumsicht ist dank der großzügigen Glasflächen gewaltig, die Privatsphäre dank getönter Scheiben ab B-Säule plus zusätzlicher Sonnenrollos bei 100 Prozent. Die Sitzreihen können zwar verschiedenartig umgeklappt und verschoben werden, doch ein Sitzausbau gelingt nicht ohne Werkzeug. Dahingehend haben die Wolfsburger und andere Konkurrenten wiederum einen Vorteil.

Dafür gibt es von Nappaleder über ein sehr dynamisch klingendes Bose-Soundsystem, eine 360-Grad-Kamera, einen Totwinkelassistent mit Monitoranzeige im Cockpit, im Fond eine separate Klimaautomatik und vieles mehr als Serienausstattung. Das Infotainment erwies sich als typisch für einen Hyundai sehr gut bedienbar und bietet neben Navi-Funktion und diversen Online-Diensten auch DAB+, Android Auto und Apple CarPlay - beides leider nur mit Kabelanschluss nutzbar - und eine elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung, was sich bei deren Größe als sehr vorteilhaft erwies. Eine Kamera zur Überwachung des Gastraumes dürfte vor allem bei Kindern als Insassen von großem Nutzen sein. Eine Gegensprechanlage zwischen Fahrer und Fondbereich ist ebenfalls ein nützliches Feature. Ansonsten gibt’s Sitz- und Lenkradheizungen, eine ganze Heerschar an nützlichen Assistenzsystemen von denen nicht wenige bei Volkswagen & Co. deftige Aufpreise generieren, sowie serienmäßig Voll-LED-Scheinwerfer, die allerdings deutlich weniger hell und weit leuchten als diverse Wettbewerber in dieser Klasse. Eine Matrixfunktion gibt es zudem auch nicht gegen Aufpreis.

Fahrverhalten

It drives like a Bus - und zwar in jeder Hinsicht. Der Diesel schiebt gut an, die acht Gänge werden je nach Anforderung passend gewählt. Dank Allradantrieb gibt es kaum Traktionsprobleme und falls doch, hilft eine „Lock“-Taste, die den Hang-on Allrad zu einem Permanenten macht. Das Fahrgefühl ist sanft, komfortabel und immens entschleunigend - Busgefühl total. Doch genau das ist es, was lange Reisen so entspannt macht. Die 13 Sekunden von null auf 100 km/h werden sicher selten ausgereizt, die 180 km/h als Top Speed ebenso. Obendrein gibt es sogar vier Fahrmodi inklusive Sportmodus. Wobei dieser nicht unbedingt für Sportambitionen sorgt, doch die Charakteristik des Staria etwas aufsplitten kann. Das Fahrwerk federt erwartungsgemäß komfortorientiert und „belohnt“ allzu schnelle Kurvenwechsel mit entsprechenden Wank- und Nickbewegungen.

Ein Bus mit 2,5 Tonnen ist sowieso kein Rennwagen. Busfahrer lächeln über solche Gedanken. Sie fahren lieber auf die Bahn, stellen den adaptiv sauber arbeitenden Abstandstempomat auf Tempo Richtgeschwindigkeit und freuen sich auf die nächsten 1000 Kilometer. Die angenehm leichtgängige und genügend Feedback vermittelnde Lenkung sowie die solide Bremsanlage passen bestens zum Langstreckenmodus. Die zwölf Meter Wenderadius und der oftmals mühselige Suchvorgang nach passenden Parkplätzen innerhalb der City sind dann auch schnell vergessen.

Wirtschaftlichkeit

Der Spritkonsum des Hyundai Staria offenbarte sich auf der Langstrecke genügsamer als in der Stadt. Im Drittelmix kamen wir auf 9,5 Liter, was auch dem winterlichen Wetter geschuldet sein dürfte. Die Werksangabe überschritten wir dabei um einen guten halben Liter. Innerstädtisch konsumiert der Koreaner allerdings gut im zweistelligen Bereich, was im Vergleich zur Konkurrenz zu viel ist. Auf der Langstrecke genügten hingegen auch knapp unter acht Litern auf 100 Kilometer. Die Sparrunde durchfuhren wir mit glatt sieben Litern.

Auch wenn der Staria verbrauchstechnisch vielen seiner Mitbewerber nicht das Wasser reichen kann, so sticht er alle mit seinem Preis aus. Mit einem Startpreis von 57.550 Euro - Allrad kostet nochmal 2000 Euro mehr - und einer wahrlich opulenten Ausstattung schlägt er seine Mitbewerber wie einen VW Multivan mit ähnlicher Ausstattung um rund 16.000 Euro und ein Mercedes-Benz V250 ist ähnlich ausgestattet sogar fast doppelt so teuer.

Fazit

Dieser Hyundai Staria hat zwei entscheidende Dinge, die andere nicht haben. Und das ist einmal seine exotische Erscheinung dank der futuristisch anmutenden Optik und zum anderen ist der Anschaffungspreis im Vergleich zum Wettbewerb nahezu unverschämt günstig.

Seine Ausstattung ist extrem umfangreich und größtenteils bereits ab Werk im Bus. Auch ein großer Vorteil: Wer den Staria nicht ganz so opulent ausgestattet benötigt und anstatt mit sieben sogar mit neun Insassen unterwegs sein möchte, erhält diesen 9-Sitzer bereits ab 48.100 Euro - auch in dieser Variante ist er konkurrenzlos günstig.

Das Fahrverhalten ist geschmeidig und entschleunigend, ohne langweilig zu wirken und das Platzangebot gewaltig. Fernreisen sind mit diesem Koreaner sehr angenehm und dank optionalem Allradantrieb sind auch Abstecher ins Gebirge locker zu bewältigen. Daher sei jedem, der sich mit einem Kleinbus arrangieren möchten, ein dringender Blick auf diesen Hyundai Staria empfohlen.