Probefahrt: Die Mercedes E-Klasse im Autotest

Unverkennbar Mercedes: Die neue E-Klasse.
MOZ/Hajo ZenkerMercedes hat auf dem Heimatmarkt in diesem Jahr bisher deutlich zulegen können - mit einem Plus von 19,6 Prozent (Gesamtmarkt: plus 11,4 Prozent). Zwar fahren B- und V-Klasse im Minus, jedoch höhergelegte Modelle wie GLA, GLB und auch die G-Klasse verkaufen sich besser. Aber auch traditionsreiche Mercedes-Fahrzeuge wie C- und E-Klasse finden mehr Abnehmer.
Motor
Auch die E-Klasse lässt sich mittlerweile elektrisch helfen - als Mild-Hybrid, also mit Unterstützung etwa beim Anfahren, oder als Plug-in, also mit Stecker und rein elektrischer Reichweite von immerhin 100 Kilometern. Bisher ergibt das eine Leistungspalette von 220 PS bis 390 PS. Größere Motoren folgen noch. Eine rein elektrische Variante aber wird es nicht geben - dazu hat Mercedes schließlich den EQE im Angebot.
Der von uns gefahrene 220d mobilisiert 197-Verbrenner-PS, die um 23 elektrische Pferdestärken ergänzt werden. Schon dieser „kleine“ Diesel-Motor sorgt für ein maximales Drehmoment von 440 Newtonmetern und eine Spitze von 234 km/h. Von 0 auf Tempo 100 kann man in der von uns gefahrenen Allradvariante in 7,8 Sekunden kommen. Mehr Leistung braucht man nicht wirklich. Die 9-Gang-Automatik passt hervorragend. Schön auch, dass man dem Diesel kaum anhört, ein Diesel zu sein.
Karosserie/Ausstattung
Die E-Klasse ist eine Legende, seit drei Jahrzehnten als Taxi genauso bewährt wie als Manager-Fahrzeug oder als AMG-Sportwagen. Dabei ist gleichzeitig allerdings auch der Anteil der privaten Käufer für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse hierzulande ungewöhnlich hoch. Auch der nun erhältlichen sechsten Generation sieht man die Stuttgarter Herkunft sofort an. Allerdings wurde das Blechkleid der immerhin nun 4,95 Meter langen Limousine doch deutlich modernisiert, etwa im Heckbereich (mit Stern-Rückleuchten) und mit versenkbaren Türgriffen. Das wirkt stimmig. Und innen geht es dann erst richtig modern weiter. Eine riesige Digital-Landschaft hält alles bereit, was technisch heute so möglich ist und verlangt trotzdem kein Ingenieurstudium zur Bedienung. Das ist eine wahre Freude. Der Beifahrer kann beispielsweise als Extra einen eigenen Bildschirm oberhalb des Handschuhfachs bekommen und etwa einen Film schauen - damit der Fahrer nicht zu oft dahin schielt, wird für seinen Blickwinkel der Bildschirm dunkel - toll. Selbst eine Videokonferenz per Zoom ist möglich (wenn man steht). Auch die Sprachsteuerung überzeugt.
Der gesamte Innenraum versprüht ein Luxus-Gefühl und bietet viel Raum (Kofferraum 540 Liter). Ab Werk gibt es allerlei Assistenten, etwa für Fernlicht, Verkehrszeichenerkennung und das Halten der Spur. Dazu kommen beispielsweise Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Tempomat, kabelloses Smartphone-Laden und Sitzheizung vorn. Die Aufpreisliste ist lang.
Fahrverhalten
Eine E-Klasse hat natürlich Hinterradantrieb - es denn, man wählt, wie bei unserem Testwagen vorhanden, die Allradvariante, was nicht nur bei Eis und Schnee eine gute Entscheidung ist. Traktion zählt schließlich. Ansonsten gilt: Ja, die E-Klasse kann natürlich souveränes Dahingleiten, aber sie wirkt in der aktuellen Version doch wendiger also zuvor. Wem das nicht reicht: Hinterachslenkung und Luftfederung gibt es gegen Aufpreis.
Wirtschaftlichkeit
Den Einstieg in eine E-Klasse gibt es laut Liste ab 61.999 Euro. Für den von uns gefahrenen Diesel geht es bei 64.320 Euro los, mit Allrad werden daraus mindestens 67.057 Euro. Die offiziell versprochenen fünf Liter Diesel auf 100 Kilometer sind möglich, je nach Fahrweise könnten es ein, anderthalb Liter mehr werden. Somit sind rund 1000 Kilometer Reichweite realistisch, wie beruhigend. Damit bleibt die E-Klasse ein Langstreckenläufer.
Fazit
Sie lebt, die gute alte Limousine. Bei Mercedes selbstverständlich hochwertig und hochmodern. Besser geht es kaum. Mit dem Diesel kennt der Fahrer keinerlei Reichweiten-Ängste. Das alles ist sehr überzeugend - und gibt es natürlich zum bekannt ambitionierten Stern-Preis.


